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Entmündigt. Vormundschaft in der Stadt Bern, 1920–1950


Gallati, Mischa. Entmündigt. Vormundschaft in der Stadt Bern, 1920–1950. 2015, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

1912 wurde das Vormundschaftsrecht im Schweizerischen Zivilgesetzbuch national vereinheitlicht: Es regelte die Entmündigung von Menschen mit psychischen Krankheiten oder mit sogenannten sozialen "Mängeln" wie "Misswirtschaft" und "Verschwendung", "Trunksucht" oder "lasterhaftem Lebenswandel". Das 2013 revidierte Vormundschaftsrecht machte diesem stigmatisierenden Recht ein Ende. Es ist nun an der Zeit, Institutionalisierung, Vollzug und alltägliche Praktiken in der Vormundschaft über Erwachsene einer historischen Analyse zu unterziehen.
Die Untersuchung widmet sich beispielhaft der kommunalen Vormundschaftspraxis der Stadt Bern und fokussiert dabei die Jahre 1920 bis 1950 unter Beizug von Fallgeschichten. Die moderne Vormundschaft wird als Phänomen des 20. Jahrhunderts beschrieben und als machtvoll gegliedertes Beziehungsgefüge verstanden. Seine Spezifik wird historisch kontextualisiert: Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Modernisierung der Vormundschaft als Aufgabe der Einwohnergemeinden mit nationalen Rahmungen vorangetrieben – unter starkem Bezug auf ältere Traditionslinien, was als eigentliche "Invention of Tradition" verstanden werden kann. Neben dem Behördenhandeln wird die "innere Mechanik" der Vormundschaft analysiert, wobei insbesondere eigensinnige Handlungslogiken entmündigter Personen interessieren, die häufig zwischen Konformität und Dissens changierten. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur historischen Aufarbeitung fürsorgerischer Praktiken sowie zur sozial- und kulturwissenschaftlichen Diskussion um menschliche Handlungsfähigkeit.

1912 wurde das Vormundschaftsrecht im Schweizerischen Zivilgesetzbuch national vereinheitlicht: Es regelte die Entmündigung von Menschen mit psychischen Krankheiten oder mit sogenannten sozialen "Mängeln" wie "Misswirtschaft" und "Verschwendung", "Trunksucht" oder "lasterhaftem Lebenswandel". Das 2013 revidierte Vormundschaftsrecht machte diesem stigmatisierenden Recht ein Ende. Es ist nun an der Zeit, Institutionalisierung, Vollzug und alltägliche Praktiken in der Vormundschaft über Erwachsene einer historischen Analyse zu unterziehen.
Die Untersuchung widmet sich beispielhaft der kommunalen Vormundschaftspraxis der Stadt Bern und fokussiert dabei die Jahre 1920 bis 1950 unter Beizug von Fallgeschichten. Die moderne Vormundschaft wird als Phänomen des 20. Jahrhunderts beschrieben und als machtvoll gegliedertes Beziehungsgefüge verstanden. Seine Spezifik wird historisch kontextualisiert: Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Modernisierung der Vormundschaft als Aufgabe der Einwohnergemeinden mit nationalen Rahmungen vorangetrieben – unter starkem Bezug auf ältere Traditionslinien, was als eigentliche "Invention of Tradition" verstanden werden kann. Neben dem Behördenhandeln wird die "innere Mechanik" der Vormundschaft analysiert, wobei insbesondere eigensinnige Handlungslogiken entmündigter Personen interessieren, die häufig zwischen Konformität und Dissens changierten. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur historischen Aufarbeitung fürsorgerischer Praktiken sowie zur sozial- und kulturwissenschaftlichen Diskussion um menschliche Handlungsfähigkeit.

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Item Type:Dissertation
Referees:Ziegler Béatrice, Hengartner Thomas
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of History
06 Faculty of Arts > Department of Social Anthropology and Cultural Studies
Dewey Decimal Classification:790 Sports, games & entertainment
390 Customs, etiquette & folklore
300 Social sciences, sociology & anthropology
Language:German
Date:2015
Deposited On:09 Jun 2015 10:34
Last Modified:05 Apr 2016 19:16
Number of Pages:237
ISBN:978-3-0340-1254-6
Additional Information:Zürcherbeiträge zur Alltagskultur, hg. v. Thomas Hengartner; Band 21

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