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Welche Ethik braucht es für die Durchsetzung der UNO-Nachhaltigkeitsziele?


Aerni, Philipp (2015). Welche Ethik braucht es für die Durchsetzung der UNO-Nachhaltigkeitsziele? In: Kummert, Irina. Schwierigkeiten mit der Moral. Wiesbaden: Springer VS, 25-43.

Abstract

In den laufenden internationalen Bestrebungen der Vereinten Nationen Nachhaltigkeitsziele für die nächsten 15 Jahre zu definieren (Post-2015, Agenda) wird der Förderung von innovativem Unternehmertum nach wie vor kaum Bedeutung zugemessen. Implizit wird nämlich angenommen, dass der Unternehmer in seinem Streben nach Gewinn primär sich selbst bereichert, und das oftmals auf Kosten der Gesellschaft. Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei vielen Ethikern und Ökonomen herrscht daher die Überzeugung, dass der Unternehmer nicht zugleich gewinnorientiert und ethisch sein kann. Unternehmertum muss daher durch Regulierung »gebändigt « und vom Staat wie auch der Zivilgesellschaft streng überwacht werden, um die Gesellschaft auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen. In diesem Kapitel soll aufgezeigt werden, dass diese Sichtweise zu einseitig ist. Nebst der Wächtermoral, welche streng auf die Erfüllung von Werten, Normen und Regeln achtet, gibt es gemäss der interdisziplinären Sozialwissenschaftlerin Jane Jacobs nämlich auch eine »Händlermoral«, die sich durch Offenheit,Lernbereitschaft und Kompromiss auszeichnet. Sie wird durch den tugendhaften
Unternehmer verkörpert, der im Wandel eine notwendige Kraft der Erneuerung durch Handel und Innovation sieht. Dieser tugendhafte Unternehmer erkennt,dass die Übernahme von moralischer Verantwortung auch im langfristigen Eigeninteresse sein kann. Dabei dienen ihm erfahrungsbasierte moralische Regeln als Stütze und Orientierung. Sie sind das Resultat von affektbasierten zwischenmenschlichen Erfahrungen und haben wenig mit einer rationalen Kosten-Nutzen Abwägung oder der Orientierung an übergeordneten abstrakten ethischen Prinzipien zu tun. Stattdessen handelt es sich um eine Form der naturalisierten Ethik, bei der das »Sollen « dem adäquaten Erkennen des »Seins« folgt, und nicht umgekehrt. Der Bürgerhumanismus im Italien der Renaissance hat bereits erkannt,dass Händlermoral in der Wirtschaft nicht durch Wächtermoral ersetzt werden darf; denn Unternehmer bringen den grössten gesellschaftlichen Nutzen, wenn sie auf neue Risiken und Knappheiten mit neuen Ideen und Innovation reagieren und nicht bloss in der Öffentlichkeit beteuern, dass man sich an die Gesetze hält und diese sogar noch mit Selbstregulierung übertreffen will. Nur wer versteht,
dass Nachhaltigkeit in Anbetracht des Bevölkerungswachstums und des zunehmenden Wohlstands ein dynamisches Konzept ist, realisiert, warum die Begriffe Unternehmertum und nachhaltige Entwicklung auch heute zusammengehören.

In den laufenden internationalen Bestrebungen der Vereinten Nationen Nachhaltigkeitsziele für die nächsten 15 Jahre zu definieren (Post-2015, Agenda) wird der Förderung von innovativem Unternehmertum nach wie vor kaum Bedeutung zugemessen. Implizit wird nämlich angenommen, dass der Unternehmer in seinem Streben nach Gewinn primär sich selbst bereichert, und das oftmals auf Kosten der Gesellschaft. Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei vielen Ethikern und Ökonomen herrscht daher die Überzeugung, dass der Unternehmer nicht zugleich gewinnorientiert und ethisch sein kann. Unternehmertum muss daher durch Regulierung »gebändigt « und vom Staat wie auch der Zivilgesellschaft streng überwacht werden, um die Gesellschaft auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen. In diesem Kapitel soll aufgezeigt werden, dass diese Sichtweise zu einseitig ist. Nebst der Wächtermoral, welche streng auf die Erfüllung von Werten, Normen und Regeln achtet, gibt es gemäss der interdisziplinären Sozialwissenschaftlerin Jane Jacobs nämlich auch eine »Händlermoral«, die sich durch Offenheit,Lernbereitschaft und Kompromiss auszeichnet. Sie wird durch den tugendhaften
Unternehmer verkörpert, der im Wandel eine notwendige Kraft der Erneuerung durch Handel und Innovation sieht. Dieser tugendhafte Unternehmer erkennt,dass die Übernahme von moralischer Verantwortung auch im langfristigen Eigeninteresse sein kann. Dabei dienen ihm erfahrungsbasierte moralische Regeln als Stütze und Orientierung. Sie sind das Resultat von affektbasierten zwischenmenschlichen Erfahrungen und haben wenig mit einer rationalen Kosten-Nutzen Abwägung oder der Orientierung an übergeordneten abstrakten ethischen Prinzipien zu tun. Stattdessen handelt es sich um eine Form der naturalisierten Ethik, bei der das »Sollen « dem adäquaten Erkennen des »Seins« folgt, und nicht umgekehrt. Der Bürgerhumanismus im Italien der Renaissance hat bereits erkannt,dass Händlermoral in der Wirtschaft nicht durch Wächtermoral ersetzt werden darf; denn Unternehmer bringen den grössten gesellschaftlichen Nutzen, wenn sie auf neue Risiken und Knappheiten mit neuen Ideen und Innovation reagieren und nicht bloss in der Öffentlichkeit beteuern, dass man sich an die Gesetze hält und diese sogar noch mit Selbstregulierung übertreffen will. Nur wer versteht,
dass Nachhaltigkeit in Anbetracht des Bevölkerungswachstums und des zunehmenden Wohlstands ein dynamisches Konzept ist, realisiert, warum die Begriffe Unternehmertum und nachhaltige Entwicklung auch heute zusammengehören.

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Other titles:Globale Unternehmerverantwortung im Spannungsfeld von Regulierung und Innovation
Contributors:Klaus-Jürgen Grün, Irina Kummert
Item Type:Book Section, not refereed, original work
Communities & Collections:03 Faculty of Economics > Center for Corporate Responsibility and Sustainability
Dewey Decimal Classification:330 Economics
Language:German
Date:August 2015
Deposited On:02 Sep 2015 14:27
Last Modified:05 Apr 2016 19:23
Publisher:Springer VS
ISBN:978-3-658-10281-4
Publisher DOI:https://doi.org/10.1007/978-3-658-10282-1
Related URLs:http://www.ccrs.uzh.ch (Author)
Permanent URL: https://doi.org/10.5167/uzh-112526

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