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Thromboembolieprophylaxe: Risikoadaptierte Thromboseprophylaxe


Keller, E; Hungerbühler, H J (2015). Thromboembolieprophylaxe: Risikoadaptierte Thromboseprophylaxe. In: Schwab, S; Schellinger, P; Werner, C; Unterberg, A; Hacke, W. NeuroIntensiv. Berlin / Heidelberg: Springer, 267-276.

Abstract

Einführung : Neurochirurgische Patienten tragen ein hohes Risiko für tiefe Beinvenenthrombosen (TBVT) und Lungenembolien (LE): Die Inzidenz klinisch manifester TBVT ohne medikamentöse Prophylaxe beträgt 4,3 %, die subklinischer TBVT 19−50 % [8]. Lungenembolien treten bei 1,5–5 % mit einer Mortalität von 9−50 % auf [9]. Das höchste Risiko besteht bei Patienten mit hirneigenen Tumoren, v. a. in den ersten 2 Monaten. Die Inzidenz von TBVT beträgt hier bis zu 45 % [9]. In einer retrospektiven Analyse von 9489 Gliompatienten fand sich bei 7,5 % eine symptomatische Lungenembolie [23]. Bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall stellt die Lungenembolie mit einer Inzidenz von bis zu 25 % eine der häufigsten Todesursachen dar [12].
Dieser hohen Inzidenz von thromboembolischen Ereignissen bei Neurointensivpatienten stehen die fatalen Konsequenzen einer intrakraniellen oder intraspinalen Blutungskomplikation gegenüber. Daher wird die medikamentöse Thromboembolieprophylaxe bei Neurointensivpatienten häufig kontrovers diskutiert, zum Teil sogar gänzlich abgelehnt: Nach einer Umfrage unter 58 Neurochirurgen in Großbritannien setzen 29 % der Befragten eine medikamentöse Prophylaxe postoperativ überhaupt nicht ein [7].
Die wissenschaftliche Evidenz reicht in der Frage der Thromboembolieprophylaxe von neurochirurgischen Patienten nicht aus, um individuell zu einer Entscheidung zu gelangen. Hier sind dann oft Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt. Dieses Buchkapitel stellt konkrete und praktikable Empfehlungen für den Klinikalltag vor. Sie sollten als diskutable Vorschläge betrachtet werden und beruhen nicht nur auf wissenschaftlichen Daten, sondern auch auf persönlicher Erfahrung.
Bei allen Patienten sollte trotz allgemeingültiger Richtlinien eine Risikoabwägung unter Berücksichtigung der Grunderkrankung, Begleiterkrankungen, Zeitpunkt der Operation und Individualfaktoren erfolgen: Das Einblutungsrisiko, insbesondere intrakraniell und intraspinal mit möglichen fatalen Konsequenzen, sollte gegenüber dem Thromboembolierisiko abgewogen werden.

Abstract

Einführung : Neurochirurgische Patienten tragen ein hohes Risiko für tiefe Beinvenenthrombosen (TBVT) und Lungenembolien (LE): Die Inzidenz klinisch manifester TBVT ohne medikamentöse Prophylaxe beträgt 4,3 %, die subklinischer TBVT 19−50 % [8]. Lungenembolien treten bei 1,5–5 % mit einer Mortalität von 9−50 % auf [9]. Das höchste Risiko besteht bei Patienten mit hirneigenen Tumoren, v. a. in den ersten 2 Monaten. Die Inzidenz von TBVT beträgt hier bis zu 45 % [9]. In einer retrospektiven Analyse von 9489 Gliompatienten fand sich bei 7,5 % eine symptomatische Lungenembolie [23]. Bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall stellt die Lungenembolie mit einer Inzidenz von bis zu 25 % eine der häufigsten Todesursachen dar [12].
Dieser hohen Inzidenz von thromboembolischen Ereignissen bei Neurointensivpatienten stehen die fatalen Konsequenzen einer intrakraniellen oder intraspinalen Blutungskomplikation gegenüber. Daher wird die medikamentöse Thromboembolieprophylaxe bei Neurointensivpatienten häufig kontrovers diskutiert, zum Teil sogar gänzlich abgelehnt: Nach einer Umfrage unter 58 Neurochirurgen in Großbritannien setzen 29 % der Befragten eine medikamentöse Prophylaxe postoperativ überhaupt nicht ein [7].
Die wissenschaftliche Evidenz reicht in der Frage der Thromboembolieprophylaxe von neurochirurgischen Patienten nicht aus, um individuell zu einer Entscheidung zu gelangen. Hier sind dann oft Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt. Dieses Buchkapitel stellt konkrete und praktikable Empfehlungen für den Klinikalltag vor. Sie sollten als diskutable Vorschläge betrachtet werden und beruhen nicht nur auf wissenschaftlichen Daten, sondern auch auf persönlicher Erfahrung.
Bei allen Patienten sollte trotz allgemeingültiger Richtlinien eine Risikoabwägung unter Berücksichtigung der Grunderkrankung, Begleiterkrankungen, Zeitpunkt der Operation und Individualfaktoren erfolgen: Das Einblutungsrisiko, insbesondere intrakraniell und intraspinal mit möglichen fatalen Konsequenzen, sollte gegenüber dem Thromboembolierisiko abgewogen werden.

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Item Type:Book Section, not refereed, original work
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > University Hospital Zurich > Clinic for Neurosurgery
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:2015
Deposited On:05 Feb 2016 10:42
Last Modified:01 Dec 2016 01:02
Publisher:Springer
ISBN:978-3-662-46500-4
Additional Information:Copyright 2015
Publisher DOI:https://doi.org/10.1007/978-3-662-46500-4
Related URLs:http://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-662-46500-4

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