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Kurze Geschichte und Kritik der Drogenprohibition im 20. Jahrhundert


Tanner, Jakob (2009). Kurze Geschichte und Kritik der Drogenprohibition im 20. Jahrhundert. Köln: DiPP NRW.

Abstract

Bedeutungsinhalte und Konsummotive von Drogen haben sich in der Geschichte wechselseitig verändert. Das gilt auch für Substanzen, die heute unter dem Begriff hard drugs firmieren. Den Auftakt für deren weltweite Prohibition markierte die erste internationale Opiumkonvention von 1912. Gründe für dieses Abkommen sind zum einen im 19. Jahrhundert zu suchen. Die Briten intensivierten seit den 1820er Jahren den Opiumhandel mit China, der zwischen 1839 und 1860 in zwei Opiumkriege mündete, mit denen die Legalisierung des Opiums in China erzwungen wurde. Zum anderen tauchten in den um 1900 rasch wachsenden Städten der westlichen Welt Drogenkonsumenten auf, unter denen bestimmte Gruppen stigmatisiert bzw. als soziales Problem betrachtet wurden: so in den USA nicht etwa Morphinisten aus der Oberschicht, sondern Opium rauchende, chinesische Migranten und urbane Jugendgruppen, die unter anderem Heroin konsumierten. Unter dem Eindruck der Folgen des in China massenkonsumierten Opiums und der Angst vor einem expandierenden Drogenkonsum in der eigenen Gesellschaft formierte sich in den USA, Großbritannien und anderen europäischen Ländern im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Anti-Opium-Bewegung, die auf ein globales Verbot von Opiaten, Kokain und später auch Cannabis hinarbeitete. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde das Prohibitionsregime zunehmend ausgebaut, was die Entstehung von hochprofitablen Schwarzmärkten förderte. Über Jahrzehnte konzentrierte sich die Bekämpfung des Drogenhandels auf repressive Maßnahmen und kulminierte seit den beginnenden 1970er Jahren im war on drugs. Wiederum wurden dabei nicht etwa Kokainkonsumenten aus wohlsituierten Kreisen problematisiert, sondern wegen ihrer Drogenabhängigkeit sozial gescheiterte Existenzen. Nicht zuletzt der Einsicht geschuldet, dass der Kurs dieser Prohibitionspolitik weitgehend kontraproduktiv war, sind seit einiger Zeit neue Ansätze erkennbar. Sie diffamieren Drogenkonsumenten nicht mehr als soziale Außenseiter, sondern setzen auf harm reduction. Dabei gewinnt auch die Erkenntnis an Boden, wie omnipräsent unterschiedlichste Drogen in unseren Gesellschaften sind und wie willkürlich die Grenzlinie zwischen legal und illegal in der Vergangenheit gezogen wurde.

Bedeutungsinhalte und Konsummotive von Drogen haben sich in der Geschichte wechselseitig verändert. Das gilt auch für Substanzen, die heute unter dem Begriff hard drugs firmieren. Den Auftakt für deren weltweite Prohibition markierte die erste internationale Opiumkonvention von 1912. Gründe für dieses Abkommen sind zum einen im 19. Jahrhundert zu suchen. Die Briten intensivierten seit den 1820er Jahren den Opiumhandel mit China, der zwischen 1839 und 1860 in zwei Opiumkriege mündete, mit denen die Legalisierung des Opiums in China erzwungen wurde. Zum anderen tauchten in den um 1900 rasch wachsenden Städten der westlichen Welt Drogenkonsumenten auf, unter denen bestimmte Gruppen stigmatisiert bzw. als soziales Problem betrachtet wurden: so in den USA nicht etwa Morphinisten aus der Oberschicht, sondern Opium rauchende, chinesische Migranten und urbane Jugendgruppen, die unter anderem Heroin konsumierten. Unter dem Eindruck der Folgen des in China massenkonsumierten Opiums und der Angst vor einem expandierenden Drogenkonsum in der eigenen Gesellschaft formierte sich in den USA, Großbritannien und anderen europäischen Ländern im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Anti-Opium-Bewegung, die auf ein globales Verbot von Opiaten, Kokain und später auch Cannabis hinarbeitete. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde das Prohibitionsregime zunehmend ausgebaut, was die Entstehung von hochprofitablen Schwarzmärkten förderte. Über Jahrzehnte konzentrierte sich die Bekämpfung des Drogenhandels auf repressive Maßnahmen und kulminierte seit den beginnenden 1970er Jahren im war on drugs. Wiederum wurden dabei nicht etwa Kokainkonsumenten aus wohlsituierten Kreisen problematisiert, sondern wegen ihrer Drogenabhängigkeit sozial gescheiterte Existenzen. Nicht zuletzt der Einsicht geschuldet, dass der Kurs dieser Prohibitionspolitik weitgehend kontraproduktiv war, sind seit einiger Zeit neue Ansätze erkennbar. Sie diffamieren Drogenkonsumenten nicht mehr als soziale Außenseiter, sondern setzen auf harm reduction. Dabei gewinnt auch die Erkenntnis an Boden, wie omnipräsent unterschiedlichste Drogen in unseren Gesellschaften sind und wie willkürlich die Grenzlinie zwischen legal und illegal in der Vergangenheit gezogen wurde.

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Other titles:Drogen: Aspekte einer globalen Konsumgeschichte (Titel der Ausgabe)
Item Type:Scientific Publication in Electronic Form
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of History
Dewey Decimal Classification:900 History
Language:German
Date:2009
Deposited On:01 Feb 2010 23:02
Last Modified:05 Apr 2016 13:49
Publisher:DiPP NRW
ISSN:1619-0459
Free access at:Official URL. An embargo period may apply.
Official URL:http://www.zeitenblicke.de/2009/3/tanner
Related URLs:http://www.zeitenblicke.de/2009/3/ (Publisher)
Permanent URL: http://doi.org/10.5167/uzh-28634

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