UZH-Logo

Maintenance Infos

Unternehmen mögen Ökologie: Lieber grün kleiden als Greenpeace auf dem Dach (Rezension)


Schoeneborn, D. Unternehmen mögen Ökologie: Lieber grün kleiden als Greenpeace auf dem Dach (Rezension). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 278, 30 November 2009, p.12.

Abstract

Das Konzept der sozialen und ökologischen Verantwortungsübernahme von Unternehmen - auf Neudeutsch: "Corporate Social Responsibility (CSR)" - hat sich in den vergangenen Jahren fest etabliert im Kanon der Managementkonzepte. Unternehmen legen sich CSR-Abteilungen zu, verfassen Nachhaltigkeitsberichte und unterwerfen sich sozialen und ökologischen Standards. Warum aber tun sie das, verursacht es zunächst doch vor allem Kosten? Hält etwa allseits Gutmenschentum und Altruismus Einzug in Firmenetagen? Diesen Fragen geht die Hamburger Soziologin Janina Curbach in ihrem Buch nach.

Ein erster Erklärungsweg lautet: Trotz der Kosten rentierten sich CSR-Aktivitäten schlussendlich, beispielsweise durch eine Minderung von Reputationsrisiken. Allerdings konnte ein Zusammenhang mit finanziellem Erfolg nie empirisch bestätigt werden. Studien des Zürcher Kommunikationswissenschaftlers Mark Eisenegger zeigen vielmehr, dass Unternehmen in die "Moralfalle" tappen können, je stärker sie sich durch CSR-Aktivitäten exponieren. Getreu dem Prinzip: Je höher man fliegt, desto tiefer der Fall.

Ein zweiter Ansatz argumentiert institutionentheoretisch. Unternehmen reagieren mit ihren CSR-Aktivitäten vor allem auf gesellschaftliche Erwartungen. Sie wollen ihre Legitimität sicherstellen. Demnach sind Unternehmen passive Opfer ihrer Umwelt. Bedrängt werden sie von Nichtregierungsorganisationen. Diese inszenieren Medienkampagnen und erzeugen so Legitimationsdruck, der vor allem multinationale Konzerne in CSR-Aktivitäten hineindrängt.

Die Autorin führt einen neuen dritten Ansatz in die Debatte ein: CSR lässt sich als soziale Bewegung beschreiben. Hierzu teilt sie die diffuse Gesamtheit der Nichtregierungsorganisationen in zwei Teilgruppen: Einerseits unternehmensnahe wie Verbände, andererseits kritische wie die Umweltorganisation Greenpeace. Überraschenderweise sind es die Unternehmen selbst, die im Verbund mit moderaten Nichtregierungsorganisationen die CSR-Bewegung vorantreiben. Die verbleibende Gruppe der Kritiker beklagt stattdessen unternehmerische Verantwortungslosigkeit. Greenpeace & Co. prangern weiterhin Verletzungen sozialer und ökologischer Prinzipien an. Sie verlieren aber an Gehör.

Damit können CSR-Aktivitäten als Kampf um Deutungshoheiten verstanden werden. Mit ihnen etablieren Unternehmen ein eigenes Deutungsmuster. Kurzum: CSR verursacht zwar Kosten, sichert jedoch eine gewisse Lufthoheit in der Debatte. Dank nüchterner Analyse gelingt es der Autorin, den jüngsten Debatten zu diesem CSR einen überzeugenden dritten Erklärungsweg hinzuzufügen

Das Konzept der sozialen und ökologischen Verantwortungsübernahme von Unternehmen - auf Neudeutsch: "Corporate Social Responsibility (CSR)" - hat sich in den vergangenen Jahren fest etabliert im Kanon der Managementkonzepte. Unternehmen legen sich CSR-Abteilungen zu, verfassen Nachhaltigkeitsberichte und unterwerfen sich sozialen und ökologischen Standards. Warum aber tun sie das, verursacht es zunächst doch vor allem Kosten? Hält etwa allseits Gutmenschentum und Altruismus Einzug in Firmenetagen? Diesen Fragen geht die Hamburger Soziologin Janina Curbach in ihrem Buch nach.

Ein erster Erklärungsweg lautet: Trotz der Kosten rentierten sich CSR-Aktivitäten schlussendlich, beispielsweise durch eine Minderung von Reputationsrisiken. Allerdings konnte ein Zusammenhang mit finanziellem Erfolg nie empirisch bestätigt werden. Studien des Zürcher Kommunikationswissenschaftlers Mark Eisenegger zeigen vielmehr, dass Unternehmen in die "Moralfalle" tappen können, je stärker sie sich durch CSR-Aktivitäten exponieren. Getreu dem Prinzip: Je höher man fliegt, desto tiefer der Fall.

Ein zweiter Ansatz argumentiert institutionentheoretisch. Unternehmen reagieren mit ihren CSR-Aktivitäten vor allem auf gesellschaftliche Erwartungen. Sie wollen ihre Legitimität sicherstellen. Demnach sind Unternehmen passive Opfer ihrer Umwelt. Bedrängt werden sie von Nichtregierungsorganisationen. Diese inszenieren Medienkampagnen und erzeugen so Legitimationsdruck, der vor allem multinationale Konzerne in CSR-Aktivitäten hineindrängt.

Die Autorin führt einen neuen dritten Ansatz in die Debatte ein: CSR lässt sich als soziale Bewegung beschreiben. Hierzu teilt sie die diffuse Gesamtheit der Nichtregierungsorganisationen in zwei Teilgruppen: Einerseits unternehmensnahe wie Verbände, andererseits kritische wie die Umweltorganisation Greenpeace. Überraschenderweise sind es die Unternehmen selbst, die im Verbund mit moderaten Nichtregierungsorganisationen die CSR-Bewegung vorantreiben. Die verbleibende Gruppe der Kritiker beklagt stattdessen unternehmerische Verantwortungslosigkeit. Greenpeace & Co. prangern weiterhin Verletzungen sozialer und ökologischer Prinzipien an. Sie verlieren aber an Gehör.

Damit können CSR-Aktivitäten als Kampf um Deutungshoheiten verstanden werden. Mit ihnen etablieren Unternehmen ein eigenes Deutungsmuster. Kurzum: CSR verursacht zwar Kosten, sichert jedoch eine gewisse Lufthoheit in der Debatte. Dank nüchterner Analyse gelingt es der Autorin, den jüngsten Debatten zu diesem CSR einen überzeugenden dritten Erklärungsweg hinzuzufügen

Additional indexing

Item Type:Newspaper Article
Communities & Collections:03 Faculty of Economics > Department of Business Administration
Dewey Decimal Classification:330 Economics
Language:German
Date:30 November 2009
Deposited On:02 Feb 2010 19:44
Last Modified:05 Apr 2016 13:51
Publisher:Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH
ISSN:0174-4909
Additional Information:Rezension von Curbach, Janina: Die Corporate-Social-Responsibility-Bewegung, VS Verlag für Sozialwissenschafen, 2009. ISBN: 978-3-531-16519-6
Free access at:Official URL. An embargo period may apply.
Official URL:http://www.faz.net/s/Rub2E8C985607B44756884B7A1383CD205C/Doc~EB2DA52F64DAA42D89E2116B54A0E3109~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Related URLs:http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=005915116

Download

Full text not available from this repository.

TrendTerms

TrendTerms displays relevant terms of the abstract of this publication and related documents on a map. The terms and their relations were extracted from ZORA using word statistics. Their timelines are taken from ZORA as well. The bubble size of a term is proportional to the number of documents where the term occurs. Red, orange, yellow and green colors are used for terms that occur in the current document; red indicates high interlinkedness of a term with other terms, orange, yellow and green decreasing interlinkedness. Blue is used for terms that have a relation with the terms in this document, but occur in other documents.
You can navigate and zoom the map. Mouse-hovering a term displays its timeline, clicking it yields the associated documents.

Author Collaborations