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Lukrez und Philodem: Poetische Argumentation und poetologischer Diskurs


Beer, Beate. Lukrez und Philodem: Poetische Argumentation und poetologischer Diskurs. 2010, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

«Dabei tritt umgekehrt auch eine Affinität der epikureischen Lehre zur dichterischen Ausdrucksweise zutage. Diese ist sowohl in der beiden Bereichen eigenen Konkretisierung nur geistig fassbarer Sachverhalte als auch in der Entsprechung von philosophischer Dogmatik und rhetorischer Epideixis begründet.»

Die Wortanordnung ist ein zentrales poetologisches Charakteristikum von Lukrez’ De rerum natura. Durch diese wird eine Klarheit erreicht, die Sachverhalte, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind, mimetisch abzubilden vermag. In dieser mimetischen Wortanordnung erscheinen Inhalt und Form eng aufeinander bezogen. Sie kann durch Philodems Traktat De poematis erläutert werden, in dem er als Kriterium für gute Dichtung die Einheit von Inhalt und Form fordert. Gemäss der epikureischen Lehre liegt allen Dingen eine endliche Zahl verschiedener Formen von Urkörperchen zugrunde. Daraus resultiert eine Ähnlichkeit aller Dinge, welcher in De rerum natura die bildliche Sprache als zweites in dieser Studie behandeltes poetologisches Charakteristikum gerecht wird. Das Konzept einer allgemeinen Ähnlichkeit zieht auch Philodem in De signis heran, um den Analogieschluss als adäquates Mittel zur Erkenntnisgewinnung zu erweisen. Dabei folgt er einem vagen Ähnlichkeitsbegriff, wie ebenso die poetischen Bilder in De rerum natura letztlich unbestimmt bleiben müssen. Einzig die rhetorische Tugend der Klarheit erfährt in Philodems Rhetorica eine ausführliche Behandlung. In diesem Kontext wird deutlich, wie häufig in De rerum natura durch die detaillierte Zerlegung des zu beschreibenden Sachverhalts, die in dieser Studie als drittes poetologisches Charakteristikum erläutert wird, grösstmögliche Explizitheit erzielt wird. In epikureischer Unterweisung wird die emotionale Erschütterung des Schülers verfolgt. Diese emotionale Erschütterung wird in Philodems De libertate dicendi wiederholtermassen durch die Analogie zur medizinischen Reinigung erklärt. Die Analogie zur Medizin erhellt den bei Lukrez prominenten Absinthvergleich, in dem De rerum natura als therapeutische Dichtung beschrieben wird. Ihre Wirkung wird durch das Lehrer/Schüler-Verhältnis im Lehrgedicht – das vierte poetologische Charakteristikum in dieser Studie – gewährleistet.

«Dabei tritt umgekehrt auch eine Affinität der epikureischen Lehre zur dichterischen Ausdrucksweise zutage. Diese ist sowohl in der beiden Bereichen eigenen Konkretisierung nur geistig fassbarer Sachverhalte als auch in der Entsprechung von philosophischer Dogmatik und rhetorischer Epideixis begründet.»

Die Wortanordnung ist ein zentrales poetologisches Charakteristikum von Lukrez’ De rerum natura. Durch diese wird eine Klarheit erreicht, die Sachverhalte, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind, mimetisch abzubilden vermag. In dieser mimetischen Wortanordnung erscheinen Inhalt und Form eng aufeinander bezogen. Sie kann durch Philodems Traktat De poematis erläutert werden, in dem er als Kriterium für gute Dichtung die Einheit von Inhalt und Form fordert. Gemäss der epikureischen Lehre liegt allen Dingen eine endliche Zahl verschiedener Formen von Urkörperchen zugrunde. Daraus resultiert eine Ähnlichkeit aller Dinge, welcher in De rerum natura die bildliche Sprache als zweites in dieser Studie behandeltes poetologisches Charakteristikum gerecht wird. Das Konzept einer allgemeinen Ähnlichkeit zieht auch Philodem in De signis heran, um den Analogieschluss als adäquates Mittel zur Erkenntnisgewinnung zu erweisen. Dabei folgt er einem vagen Ähnlichkeitsbegriff, wie ebenso die poetischen Bilder in De rerum natura letztlich unbestimmt bleiben müssen. Einzig die rhetorische Tugend der Klarheit erfährt in Philodems Rhetorica eine ausführliche Behandlung. In diesem Kontext wird deutlich, wie häufig in De rerum natura durch die detaillierte Zerlegung des zu beschreibenden Sachverhalts, die in dieser Studie als drittes poetologisches Charakteristikum erläutert wird, grösstmögliche Explizitheit erzielt wird. In epikureischer Unterweisung wird die emotionale Erschütterung des Schülers verfolgt. Diese emotionale Erschütterung wird in Philodems De libertate dicendi wiederholtermassen durch die Analogie zur medizinischen Reinigung erklärt. Die Analogie zur Medizin erhellt den bei Lukrez prominenten Absinthvergleich, in dem De rerum natura als therapeutische Dichtung beschrieben wird. Ihre Wirkung wird durch das Lehrer/Schüler-Verhältnis im Lehrgedicht – das vierte poetologische Charakteristikum in dieser Studie – gewährleistet.

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Item Type:Dissertation
Referees:Fuhrer Therese, Baumbach Manuel
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Department of Greek and Latin Philology
Dewey Decimal Classification:470 Latin & Italic languages
480 Classical & modern Greek languages
Language:German
Date:28 January 2010
Deposited On:25 Feb 2010 10:33
Last Modified:01 May 2016 15:25
Number of Pages:535
ISBN:978-3-7965-2595-7
Official URL:http://www.schwabe.ch/index.php?id=228&no_cache=1

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