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Neurale und neuropsychologische Veränderungen bei traumatisierten Patientinnen mit dissoziativen Störungen und BPS


Irle, E; Lange, C; Sachsse, U; Weniger, G (2010). Neurale und neuropsychologische Veränderungen bei traumatisierten Patientinnen mit dissoziativen Störungen und BPS. Persönlichkeitsstörungen: Theorie und Therapie, 14(2):79-90.

Abstract

Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) oder Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) haben häufig verkleinerte Volumina von Hippocampus und Amygdala. Bei beiden Patientengruppen können auch kognitive Minderleistungen auftreten. Deshalb wurde häufig angenommen, dass Trauma-bezogene klinische Störungen generell mit solchen neuralen und psychischen Veränderungen vergesellschaftet sind. Wir untersuchen gegenwärtig BPS-Patientinnen, welche in der Kindheit physisch/sexuell missbraucht wurden. Wir können nachweisen, dass solche Patientinnen, die eine chronifizierte PTBS entwickelt haben, diese beschriebenen neuralen und psychischen Veränderungen auch aufweisen. BPS-Patientinnen, die in der Folge des Kindesmissbrauches jedoch eine dissoziative Störung (Dissoziative Amnesie, DA, oder Dissoziative Identitätsstörung, DIS) ausgebildet haben, weisen trotz vergleichbarer Krankheitsschwere diese Änderungen nicht auf. Hippocampus- und Amygdala-Volumina sind in dieser Patientinnengruppe normal, und auch kognitiv bestehen keine Defizite. Darüber hinaus konnten wir feststellen, dass der superiore Parietallappen, welcher für das Bewusstsein, Selbstbeobachtung und Imagination wesentlich ist, bei BPS-Patientinnen mit DA oder DID vergrößert ist. Ein solcher Effekt ist bei BPS-Patientinnen mit PTBS nicht zu beobachten. Aus unseren Ergebnissen könnte gefolgert werden, dass ein hochdissoziativer Abwehrstil Stress-bezogene schädigende Einflüsse auf das Gehirn abmildert oder gar verhindert. Auf der anderen Seite könnte es auch sein, dass die anlagebedingte Größe von Hippocampus und Amygdala mitbestimmen, ob eine traumatisierte Person eine PTBS entwickelt oder nicht. Ein in der Kindheit und Jugend auftretender hochdissoziativer Abwehrstil könnte eventuell dazu führen, dass sich, für Bewusstseinsprozesse relevante, parietale Hirnregionen anomal entwickeln. Diese Anomalitäten könnten dann im Sinne eines Circulus vitiosus zu einer weiteren Verstärkung der dissoziativen Symptomatik führen.

Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) oder Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) haben häufig verkleinerte Volumina von Hippocampus und Amygdala. Bei beiden Patientengruppen können auch kognitive Minderleistungen auftreten. Deshalb wurde häufig angenommen, dass Trauma-bezogene klinische Störungen generell mit solchen neuralen und psychischen Veränderungen vergesellschaftet sind. Wir untersuchen gegenwärtig BPS-Patientinnen, welche in der Kindheit physisch/sexuell missbraucht wurden. Wir können nachweisen, dass solche Patientinnen, die eine chronifizierte PTBS entwickelt haben, diese beschriebenen neuralen und psychischen Veränderungen auch aufweisen. BPS-Patientinnen, die in der Folge des Kindesmissbrauches jedoch eine dissoziative Störung (Dissoziative Amnesie, DA, oder Dissoziative Identitätsstörung, DIS) ausgebildet haben, weisen trotz vergleichbarer Krankheitsschwere diese Änderungen nicht auf. Hippocampus- und Amygdala-Volumina sind in dieser Patientinnengruppe normal, und auch kognitiv bestehen keine Defizite. Darüber hinaus konnten wir feststellen, dass der superiore Parietallappen, welcher für das Bewusstsein, Selbstbeobachtung und Imagination wesentlich ist, bei BPS-Patientinnen mit DA oder DID vergrößert ist. Ein solcher Effekt ist bei BPS-Patientinnen mit PTBS nicht zu beobachten. Aus unseren Ergebnissen könnte gefolgert werden, dass ein hochdissoziativer Abwehrstil Stress-bezogene schädigende Einflüsse auf das Gehirn abmildert oder gar verhindert. Auf der anderen Seite könnte es auch sein, dass die anlagebedingte Größe von Hippocampus und Amygdala mitbestimmen, ob eine traumatisierte Person eine PTBS entwickelt oder nicht. Ein in der Kindheit und Jugend auftretender hochdissoziativer Abwehrstil könnte eventuell dazu führen, dass sich, für Bewusstseinsprozesse relevante, parietale Hirnregionen anomal entwickeln. Diese Anomalitäten könnten dann im Sinne eines Circulus vitiosus zu einer weiteren Verstärkung der dissoziativen Symptomatik führen.

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Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > Psychiatric University Hospital Zurich > Clinic for Clinical and Social Psychiatry Zurich West (former)
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:2010
Deposited On:31 Jan 2011 13:53
Last Modified:05 Apr 2016 14:40
Publisher:Schattauer
ISSN:1433-6308
Additional Information:Dieser Artikel ist nicht genau identisch mit dem Original, das in "Persönlichkeitsstörungen: Theorie und Therapie" veröffentlicht wurde. Die überarbeitete und veröffentlichte Version von "Irle, E; Lange, C; Sachsse, U; Weniger, G (2010). Neurale und neuropsychologische Veränderungen bei traumatisierten Patientinnen mit dissoziativen Störungen und BPS. Persönlichkeitsstörungen: Theorie und Therapie, 14(2):79-90" ist online unter http://www.schattauer.de/en/magazine/subject-areas/journals-a-z/ptt/contents/archive/issue/1087/manuscript/13209/show.html erhältlich.
Official URL:http://www.schattauer.de/en/magazine/subject-areas/journals-a-z/ptt/contents/archive/issue/1087/manuscript/13209/show.html
Permanent URL: http://doi.org/10.5167/uzh-43657

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