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Zurich Open Repository and Archive

Permanent URL to this publication: http://dx.doi.org/10.5167/uzh-44974

Bürge, M; Peters, K (2010). Soziales Kapital als Potenzial kollektiver Demobilisierung: Das Beispiel der Motorrad-Taxifahrer in Sierra Leone. In: Kurtenbach, S; Blumör, R; Huhn, S. Jugendliche in gewaltsamen Lebenswelten. Baden-Baden, 163-176. ISBN 978-3-8329-5682-0.

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Abstract

Programme zur Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration von Kämp-
fern – kurz DDR nach der englischsprachigen Bezeichnung Disarmament, De-
mobilisation and Reintegration – sind heutzutage Standard, um den Übergang
von Kriegs- zu Friedenszeiten zu erleichtern. Während die Entwaffnung der
Kämpfer darauf abzielt, durch Einsammeln, Wegsperren oder Zerstören von
Waffen und Munition die physischen Möglichkeiten der Gewaltausübung zu
verringern, geht es beim Demobilisieren darum, das organisatorische Potenzial
der Kämpfer zu reduzieren. Kommandostrukturen werden gebrochen, aus
Gruppen und Einheiten sollen isolierte Individuen werden, die einzeln in die
Gesellschaft integriert werden können, ohne eine Gefahr darzustellen. Diese
konventionelle Idee von Demobilisierung trägt zweifellos zu einer raschen Ver-
besserung der Sicherheitslage eines Landes bei. Langfristig kann sie jedoch einer
nachhaltigen Eingliederung aller ehemaligen Kämpfer im Wege stehen und sogar
negative, stabilitätsgefährdende Auswirkungen mit sich bringen.
Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass in der Reintegrations-Phase im Zuge
von DDR-Programmen auch diejenigen Kämpfer unterstützt werden sollten, die
sich für eine gemeinsame Integration mit ihren Mitkämpfern aussprechen. Mög-
lichkeiten, den Lebensunterhalt kollektiv in Gruppen mit flachen Hierarchien zu
bestreiten, sollten gefördert werden, falls dies dem Bedürfnis der ehemaligen
Kämpfer entspricht. Die Notwendigkeit und Wirksamkeit einer solchen Förde-
rung soll durch eine der wenigen erfolgreichen Geschäftsideen nach dem Bürger-
krieg in Sierra Leone belegt werden: Die explosionsartige Verbreitung und Popu-
larität von Motorrad-Taxis ermöglichte es Zehntausenden jungen Männern eine
Arbeit zu finden, die sie sonst nirgends gefunden hätten. Interessanterweise be-
stand unmittelbar nach dem Krieg die Mehrheit der Taxifahrer aus ehemaligen
Kämpfern. Die in diesem Geschäft gängigen Besitzer-Mieter-Verhältnisse basieren
stark auf Vertrauen und sozialem Kapital. Dieses war unter ehemaligen Kämp-
fern aufgrund ihrer gemeinsamen Vergangenheit in besonderem Maße zu finden.

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Detailed statistics

Additional indexing

Item Type:Book Section, not refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Department of Social Anthropology and Cultural Studies
DDC:390 Customs, etiquette & folklore
300 Social sciences, sociology & anthropology
790 Sports, games & entertainment
Language:German
Date:2010
Deposited On:25 Feb 2011 12:36
Last Modified:05 Jun 2014 09:41
Publisher:Nomos
Series Name:EINE Welt
ISBN:978-3-8329-5682-0
Official URL:http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=12621

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