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Permanent URL to this publication: http://dx.doi.org/10.5167/uzh-46227

Dacheva, T P. Prävalenz HPV bedingter anogenitaler Veränderungen bei lungentransplantierten Patientinnen. 2010, University of Zurich, Faculty of Medicine.

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Abstract

Hintergrund: Transplantierte Frauen unterliegen lebenslang einer Therapie mit Immunsuppressiva. Immunsuppression ist ein wichtiger nicht viraler Kofaktor für HPV bedingte Erkrankungen. Die Prävalenz von anogenitalen Kondylomen und Dysplasien und die relevanten HPV Typen bei lungentransplantierten Frauen sind unbekannt. Eine mögliche
Rolle der Lungenerkrankung als Kofaktor ist auch unklar. Es existiert sehr viel Literatur über die HPV Problematik bei immunkompetenten Personen, aber die Literatur über HPV
assoziierte Erkrankungen bei lungentransplantierten Frauen ist mangelhaft. Unser Ziel war es die HPV assoziierten Erkrankungen bei lungentransplantierten Frauen in einem eigenen Kollektiv zu untersuchen.
Methoden: Wir präsentieren eine retrospektive Datenanalyse HPV bedingter Veränderungen im Anogenitalbereich aus regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen bei 44 lungentransplantierten Frauen (im Alter zwischen 16 und 70 Jahren), die vom 30.03.2005 bis zum 30.06.2008 in der gynäkologischen Sprechstunde für Lungentransplantierte an der Frauenpoliklinik des Universitätsspitals Zürich durchgeführt wurden. Seit dem Jahr 1992 werden alle Patientinnen, die im Universitätsspital Zürich lungentransplantiert werden, in Zusammenarbeit mit dem Lungentransplantationsteam an der Klinik für Pneumologie des
Universitätsspitals Zürich prätransplantär im Rahmen der Transplantationsabklärungen zur gynäkologischen Untersuchung geschickt. Posttransplantär wird grundsätzlich empfohlen, dass regelmässige 6 bis12 monatliche gynäkologische Kontrollen in der gynäkologischen
Poliklinik des Universitätsspitals erfolgen (nur auf speziellen Wunsch der Frau bei ihrem eigenen Frauenarzt). Die Antikonzeptionsberatung erfolgt interdisziplinär in Zusammenarbeit mit dem Lungentransplantationsteam. Ebenso werden sämtliche interventionelle Massnahmen wie Biopsien, Laser, Operationen interdisziplinär geplant und im
Universitätsspital Zürich durchgeführt. Nach Art der Lungenerkrankung wurden die 44 Patientinnen in vier Gruppen eingeteilt: Patientinnen mit Cystischer Fibrose (CF): n=21, mit obstruktiven Lungenkrankheiten: n=10, mit pulmonal arterieller Hypertonie (PAH): n=4 und mit interstitiellen Lungenkrankheiten: n=9. Zudem wurden die Daten von den lungentransplantierten Frauen mit Status nach Hysterektomie aus benigner Indikation analysiert (n=7).
Resultate: Bei 18 der Patientinnen (41%) wurde eine auffällige Zervixzytologie gefunden, davon bei zwei Patientinnen ein Zervixkarzinom (5%). Bei sieben der Patientinnen (16 %) wurden Kondylome im Anogenitalbereich diagnostiziert. Je sechs Mal wurden HPV assoziierten Veränderungen im Vulva-, Vagina- oder Perianalbereich (14 %) gesehen (bei insgesamt sieben Patientinnen), davon eine Patientin mit Vulvakarzinom (2%). Bei zehn Frauen wurden insgesamt neun verschiedene HPV Typen isoliert (6, 16, 43, 45, 51, 53, 58, 68a, 82 Subtyp MM4). Der am häufigsten isolierte HPV Typ war HPV 16 (n=5). Der zweithäufigste Hochrisiko HPV Typ 18 in der Normalpopulation wurde bei keiner von unseren Patientinnen nachgewiesen. Hochrisiko HPV Typen wurden bei neun Frauen (90%) gefunden, bei fünf davon handelte sich um einen isolierten Virustyp. Niedrigrisiko HPV Typen wurden bei vier Frauen festgestellt, bei drei davon gleichzeitig mit einem Hochrisiko HPV Typ. Die am häufigsten von HPV betroffenen Frauen waren die Patientinnen, die primär an einer
Cystischen Fibrose litten. Zu der Gruppe mit Cystischer Fibrose gehörten 11 von den 18 Patientinnen mit auffälliger Zytologie (61 %), eine Patientin davon mit Zervixkarzinom, sechs von allen sieben Frauen mit anogenitalen Kondylomen (86%), fünf der sechs Fälle mit HPV bedingten Veränderungen im Vulva-,Vagina-, Perianalbereich (83%), einschliesslich der einzigen Patientin mit Vulvakarzinom. Die Verteilung auffälliger Befunde in den fünf Altersgruppen (von 20 bis 70 Jahren) war symmetrisch. Keine Altersgruppe zeigte eine erhöhte Prävalenz. Die einzige Patientin, die unter 20 Jahre alt war, war Virgo intacta (Jungfrau) und hatte keine HPV bedingten Probleme. Bei keiner der sieben Frauen mit Status nach Hysterektomie aufgrund eines benignen Leidens (nicht HPV bedingte Indikation) und bei keiner von den drei Frauen, die auch am Ende der Studie keinen penetrativen Geschlechtsverkehr hatten, wurden HPV bedingte Erkrankungen diagnostiziert.
Interpretation: Die Prävalenz HPV assoziierter Zellveränderungen bei lungentransplantierten Frauen ist deutlich erhöht im Vergleich zur Normalpopulation. Die HPV Infektion verläuft oft multifokal. Deswegen gilt es, nicht nur die Zervix, sondern den gesamten Anogenitalbereich akribisch zu untersuchen. In unserer Studie kamen die HPV
Infektionen monofokal nur im Zervixbereich vor, im Vagina-, Vulva- oder Perianalbereich jedoch eher bi- oder multifokal. Aufgrund der hier dokumentierten hohen Prävalenz von HPV Läsionen kann eine prophylaktische HPV Impfung vor der Lungentransplantation sicher empfohlen werden. Da sich in unserem Kollektiv der HPV Typ 16 als besonders aggressiv herausgestellt hat, sollen insbesondere die damit verbunden Läsionen engmaschig kontrolliert und therapiert werden. HPV 18 assoziierte atypische glanduläre Zellen, oder Adenokarzinoma in situ wurden bei keiner Patientin diagnostiziert. Andererseits zeigt sich eine Tendenz zu simultanen Infektionen mit mehreren HPV Typen.
Eine besonders gefährdete Gruppe scheinen Frauen zu sein, die an einer Cystischen Fibrose leiden. Diese Erkrankung kann ein Kofaktor sein. Einerseits könnten genetische
Faktoren einen Einfluss ausüben, andererseits könnte durch das in der Viskosität veränderte Zervikal-und Vaginalsekret die HPV Elimination im Genitaltrakt verlangsamt sein, wodurch das HPV einen längeren Kontakt mit der Mukosa haben könnte. Studien, die das Vaginalsekret bei Patientinnen mit Cystischer Fibrose untersuchen, wären zur Überprüfung dieser Hypothese wünschenswert.
Lungentransplantierte Frauen aus allen Altersgruppen haben ein erhöhtes Risiko für HPV bedingte Erkrankungen und benötigen spezielle fachärztliche gynäkologische Beratung und Betreuung. Frauen mit Status nach Hysterektomie aus benigner Indikation scheinen trotz Immunsuppression ein relativ geringes Risiko für HPV bedingte Probleme zu haben.

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Item Type:Dissertation
Referees:Fink D, Pók J, Schlatter C
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > University Hospital Zurich > Clinic for Gynecology
DDC:610 Medicine & health
Language:German
Date:22 September 2010
Deposited On:18 Feb 2011 14:33
Last Modified:16 Oct 2013 06:12
Number of Pages:37
Additional Information:Prävalenz HPV bedingter anogenitaler Veränderungen bei lungentransplantierten Patientinnen / vorgelegt von Temenuga Peneva Dacheva. - Zürich, 2010
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