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Albert Heim (1849–1937): Weitblick und Verblendung in der alpentektonischen Forschung


Westermann, A; Trümpy, R (2008). Albert Heim (1849–1937): Weitblick und Verblendung in der alpentektonischen Forschung. Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, 153(3-4):67-79.

Abstract

Um 1900 war Albert Heim einer der führenden Al­pentektoniker. 1878 veröffentlichte er eine exzellent bebilderte Studie über die Anatomie der Falten, die auf dem Gebiet der Faltengebirge bald zum Klassi­ker wurde. Die Glarner Alpen interpretierte er darin nicht als überschiebung, sondern als Doppelfalte, eine These, die bereits sein Lehrer Arnold Escher vorsichtig formuliert hatte: Zwei einander gegen­überstehende Falten permischer und mesozoischer Gesteine umschliessen, so die Annahme, eine tabak­beutelförmige Mulde aus tertiärem Flysch. 1884 zeigte der französische Geologe Marcel Bertrand, dass eine einzige nordwärts gerichtete überschiebung plausibler war. Heim jedoch ignorierte diese und jede andere Kritik über Jahre, obwohl ihm schon in den 1880er und 1890er Jahren hätte klar sein können, dass die Idee einer Doppelfalte höchst unwahrschein­liche Schlussfolgerungen nach sich zog. Erst 1901 akzeptierte Heim die dann schon allgemein etablierte Deckenstruktur für die Glarner Alpen. Der Artikel skizziert die Geschichte der alpentektonischen For­schung im 19. Jahrhundert. Er stellt insbesondere die Beiträge Heims heraus. Abschliessend wird überlegt, warum Heim ungeachtet seiner ausserordentlichen geologischen Kenntnisse über 30 Jahre lang an einer beinahe unmöglichen Theorie festhielt.

Um 1900 war Albert Heim einer der führenden Al­pentektoniker. 1878 veröffentlichte er eine exzellent bebilderte Studie über die Anatomie der Falten, die auf dem Gebiet der Faltengebirge bald zum Klassi­ker wurde. Die Glarner Alpen interpretierte er darin nicht als überschiebung, sondern als Doppelfalte, eine These, die bereits sein Lehrer Arnold Escher vorsichtig formuliert hatte: Zwei einander gegen­überstehende Falten permischer und mesozoischer Gesteine umschliessen, so die Annahme, eine tabak­beutelförmige Mulde aus tertiärem Flysch. 1884 zeigte der französische Geologe Marcel Bertrand, dass eine einzige nordwärts gerichtete überschiebung plausibler war. Heim jedoch ignorierte diese und jede andere Kritik über Jahre, obwohl ihm schon in den 1880er und 1890er Jahren hätte klar sein können, dass die Idee einer Doppelfalte höchst unwahrschein­liche Schlussfolgerungen nach sich zog. Erst 1901 akzeptierte Heim die dann schon allgemein etablierte Deckenstruktur für die Glarner Alpen. Der Artikel skizziert die Geschichte der alpentektonischen For­schung im 19. Jahrhundert. Er stellt insbesondere die Beiträge Heims heraus. Abschliessend wird überlegt, warum Heim ungeachtet seiner ausserordentlichen geologischen Kenntnisse über 30 Jahre lang an einer beinahe unmöglichen Theorie festhielt.

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Additional indexing

Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:Unspecified
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:German
Date:2008
Deposited On:16 Nov 2011 14:56
Last Modified:05 Apr 2016 15:06
Publisher:Naturforschende Gesellschaft in Zürich
ISSN:0042-5672
Permanent URL: https://doi.org/10.5167/uzh-51106

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