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Memorandum zu einem Institut für Evolutionswissenschaft


Stichweh, R; Reyer, H U; Uszkoreit, H (1999). Memorandum zu einem Institut für Evolutionswissenschaft. Bad Homburg: Werner Reimers Stiftung.

Abstract

Die Teilnehmer des multidisziplinären Projekts "Innovative Suchprozesse in der Wissenschaft" im Programmbeirat der Werner Reimers Konferenzen und eingeladene Experten aus weiteren Disziplinen schlagen vor, in Deutschland ein interdisziplinäres Institut für Evolutionswissenschaft einzurichten. Das Institut, das weltweit das erste seiner Art wäre, soll die Grundlagen für eine sich bereits am Horizont abzeichnende allgemeine Wissenschaft der Evolution schaffen, evolutionstheoretische Ansätze aus mehreren Disziplinen miteinander verbinden und neue fachübergreifende Forschung initiieren. Die Entwicklung eines abstrakten Evolutionsbegriffs, der über die Erhaltung, Variation und Verbreitung von Struktur definiert und so spezifizierbar ist, daß er die Fälle von vorkommenden oder möglichen Typen evolutionärer Prozesse charakterisieren und vergleichen kann, erfordert ein längerfristiges enges Zusammenwirken von theoretischer und empirischer sowie von fachübergreifender und
einzelwissenschaftlicher Forschung. Auf der Basis des transdisziplinären Evolutionsbegriffs sollen evolutionäre Prozesse in Natur, Gesellschaft und Technik im Vergleich und in ihren Wechselwirkungen erforscht und erklärt werden. Dazu müssen solche Prozesse empirisch untersucht, formal modelliert und exemplarisch auf dem Computer simuliert werden. Die angestrebte wissenschaftliche Fundierung eines allgemeinen Evolutionskonzepts wird die heute noch zu wenig reflektierte Uebernahme von evolutionstheoretischen Konzepten aus der Biologie in die Sozial- und Verhaltenswissenschaften ablösen, bei der diese Konzepte viel zu oft zu Metaphern reduziert werden oder sich als schwer anpaßbar erweisen. Das Ergebnis werden allgemeine Erkenntnisse über das Wesen der Entwicklung hochstrukturierter Systeme sein, aber auch neue Methoden und Erkenntnisse in den Einzelwissenschaften, die adäquatere Beschreibungsmodelle für evolutionäre Prozesse benötigen. Eine bedeutende neue Komponente soll die Erforschung von komplexen Entwicklungsvorgängen sein, in denen sehr unterschiedliche evolutionäre Prozesse aus Natur, Gesellschaft und Technik zusammenwirken, für die es heute noch keinen gemeinsamen Beschreibungsrahmen gibt. Ein erfolgreiches Institut für Evolutionswissenschaften wird wesentlich dazu beitragen, die bestehenden methodologischen und konzeptuellen Barrieren zwischen Natur- und Ingenieurwissenschaften auf der einen und den Geistes- und Sozialwissenschaften auf der anderen Seite abzubauen.

Die Teilnehmer des multidisziplinären Projekts "Innovative Suchprozesse in der Wissenschaft" im Programmbeirat der Werner Reimers Konferenzen und eingeladene Experten aus weiteren Disziplinen schlagen vor, in Deutschland ein interdisziplinäres Institut für Evolutionswissenschaft einzurichten. Das Institut, das weltweit das erste seiner Art wäre, soll die Grundlagen für eine sich bereits am Horizont abzeichnende allgemeine Wissenschaft der Evolution schaffen, evolutionstheoretische Ansätze aus mehreren Disziplinen miteinander verbinden und neue fachübergreifende Forschung initiieren. Die Entwicklung eines abstrakten Evolutionsbegriffs, der über die Erhaltung, Variation und Verbreitung von Struktur definiert und so spezifizierbar ist, daß er die Fälle von vorkommenden oder möglichen Typen evolutionärer Prozesse charakterisieren und vergleichen kann, erfordert ein längerfristiges enges Zusammenwirken von theoretischer und empirischer sowie von fachübergreifender und
einzelwissenschaftlicher Forschung. Auf der Basis des transdisziplinären Evolutionsbegriffs sollen evolutionäre Prozesse in Natur, Gesellschaft und Technik im Vergleich und in ihren Wechselwirkungen erforscht und erklärt werden. Dazu müssen solche Prozesse empirisch untersucht, formal modelliert und exemplarisch auf dem Computer simuliert werden. Die angestrebte wissenschaftliche Fundierung eines allgemeinen Evolutionskonzepts wird die heute noch zu wenig reflektierte Uebernahme von evolutionstheoretischen Konzepten aus der Biologie in die Sozial- und Verhaltenswissenschaften ablösen, bei der diese Konzepte viel zu oft zu Metaphern reduziert werden oder sich als schwer anpaßbar erweisen. Das Ergebnis werden allgemeine Erkenntnisse über das Wesen der Entwicklung hochstrukturierter Systeme sein, aber auch neue Methoden und Erkenntnisse in den Einzelwissenschaften, die adäquatere Beschreibungsmodelle für evolutionäre Prozesse benötigen. Eine bedeutende neue Komponente soll die Erforschung von komplexen Entwicklungsvorgängen sein, in denen sehr unterschiedliche evolutionäre Prozesse aus Natur, Gesellschaft und Technik zusammenwirken, für die es heute noch keinen gemeinsamen Beschreibungsrahmen gibt. Ein erfolgreiches Institut für Evolutionswissenschaften wird wesentlich dazu beitragen, die bestehenden methodologischen und konzeptuellen Barrieren zwischen Natur- und Ingenieurwissenschaften auf der einen und den Geistes- und Sozialwissenschaften auf der anderen Seite abzubauen.

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Item Type:Monograph
Communities & Collections:07 Faculty of Science > Institute of Evolutionary Biology and Environmental Studies
Dewey Decimal Classification:570 Life sciences; biology
590 Animals (Zoology)
Language:German
Date:1999
Deposited On:11 Feb 2008 12:16
Last Modified:05 Apr 2016 12:14
Publisher:Werner Reimers Stiftung
Series Name:Suchprozesse für innovative Fragestellungen in der Wissenschaft
Volume:1
Number of Pages:30
Related URLs:http://www.dfki.de/lt/publication_show.php?id=1027
Permanent URL: http://doi.org/10.5167/uzh-559

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