UZH-Logo

Maintenance Infos

Rationalitätsverlust durch die Intimisierung des Öffentlichen in den Massenmedien


Imhof, K (2011). Rationalitätsverlust durch die Intimisierung des Öffentlichen in den Massenmedien. Psychotherapie und Sozialwissenschaft, 13(1/2011):79-98.

Abstract

Die Intimisierung der medienvermittelten öffentlichen Kommunikation manifestiert sich vorab in Personalisierungen und Emotionalisierungen. Dies verleiht sedimentierten Klischees psychologischer Heuristiken Bedeutung in den Medien und führt unter anderem zu quasi-therapeutischen Sendungs- und Beitragsformaten. Allerdings werden diese Deutungsangebote zunehmend durch esoterische Begründungen ergänzt. Parallel dazu tendiert die Themenlandschaft der Medienagenden zu moralisch-emotional aufgeladenen Inhalten. Zentral ist dabei die Flutung des Öffentlichen durch Human Interest über Prominente aller Schattierungen und die Selbst- wie Fremdvermarktung in Talkshows, Reality-Formaten und im Social Web. Diese Fokussierung öffentlicher Aufmerksamkeit auf subjektive Motive, Emotionen und Charaktermerkmale stellt einen Siegeszug dar, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Renaissance der Boulevardzeitungen in den 1950er Jahren beginnt, durch die Politisierung des Privaten in der 68er Bewegung beschleunigt wird und sich seit der Ökonomisierung der Medien in den 1980er durchsetzt. Der Herleitung dieser Intimisierung des Öffentlichen dient der erste Abschnitt. Der zweite Abschnitt interessiert sich für den Preis dieser Fokussierung auf das Intime, weil die Enträtselung subjektiver Innerlichkeit an das Gegenteil von öffentlicher Kommunikation, d.h. an erfahrungsgesättigte gemeinschaftliche Vertrauensbeziehungen oder an professionelle therapeutische Settings vertraulicher Interaktion gebunden ist. Allein schon aufgrund dieses Kategorienfehlers verliert die öffentliche Kommunikation durch die Intimisierung an Rationalitätsgehalt. Sie verliert diesen aber auch, weil die anderen beiden Modi menschlichen Handelns, die Auseinandersetzung mit der objektiven Welt realer Sachverhalte und mit der sozialen Welt der Normen, Werte, Institutionen und Rollen durch die Personalisierung und Emotionalisierung überlagert und verdrängt werden.

Abstract

Die Intimisierung der medienvermittelten öffentlichen Kommunikation manifestiert sich vorab in Personalisierungen und Emotionalisierungen. Dies verleiht sedimentierten Klischees psychologischer Heuristiken Bedeutung in den Medien und führt unter anderem zu quasi-therapeutischen Sendungs- und Beitragsformaten. Allerdings werden diese Deutungsangebote zunehmend durch esoterische Begründungen ergänzt. Parallel dazu tendiert die Themenlandschaft der Medienagenden zu moralisch-emotional aufgeladenen Inhalten. Zentral ist dabei die Flutung des Öffentlichen durch Human Interest über Prominente aller Schattierungen und die Selbst- wie Fremdvermarktung in Talkshows, Reality-Formaten und im Social Web. Diese Fokussierung öffentlicher Aufmerksamkeit auf subjektive Motive, Emotionen und Charaktermerkmale stellt einen Siegeszug dar, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Renaissance der Boulevardzeitungen in den 1950er Jahren beginnt, durch die Politisierung des Privaten in der 68er Bewegung beschleunigt wird und sich seit der Ökonomisierung der Medien in den 1980er durchsetzt. Der Herleitung dieser Intimisierung des Öffentlichen dient der erste Abschnitt. Der zweite Abschnitt interessiert sich für den Preis dieser Fokussierung auf das Intime, weil die Enträtselung subjektiver Innerlichkeit an das Gegenteil von öffentlicher Kommunikation, d.h. an erfahrungsgesättigte gemeinschaftliche Vertrauensbeziehungen oder an professionelle therapeutische Settings vertraulicher Interaktion gebunden ist. Allein schon aufgrund dieses Kategorienfehlers verliert die öffentliche Kommunikation durch die Intimisierung an Rationalitätsgehalt. Sie verliert diesen aber auch, weil die anderen beiden Modi menschlichen Handelns, die Auseinandersetzung mit der objektiven Welt realer Sachverhalte und mit der sozialen Welt der Normen, Werte, Institutionen und Rollen durch die Personalisierung und Emotionalisierung überlagert und verdrängt werden.

Additional indexing

Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of Sociology
06 Faculty of Arts > Institute of Mass Communication and Media Research
Dewey Decimal Classification:300 Social sciences, sociology & anthropology
700 Arts
Date:2011
Deposited On:23 Feb 2012 15:34
Last Modified:05 Apr 2016 15:28
Publisher:Psychosozial-Verlag
ISSN:1436-4638
Official URL:http://web.psychosozial-verlag.de/psychosozial/details.php?p_id=24065

Download

Full text not available from this repository.

TrendTerms

TrendTerms displays relevant terms of the abstract of this publication and related documents on a map. The terms and their relations were extracted from ZORA using word statistics. Their timelines are taken from ZORA as well. The bubble size of a term is proportional to the number of documents where the term occurs. Red, orange, yellow and green colors are used for terms that occur in the current document; red indicates high interlinkedness of a term with other terms, orange, yellow and green decreasing interlinkedness. Blue is used for terms that have a relation with the terms in this document, but occur in other documents.
You can navigate and zoom the map. Mouse-hovering a term displays its timeline, clicking it yields the associated documents.

Author Collaborations