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Patientinnenzufriedenheit nach retropubischer und transobturatorischer Schlingenoperation : Langzeitergebnisse, erhoben mit dem Incontinence Outcome Questionnaire (IOQ)


Hess-Arnold, E. Patientinnenzufriedenheit nach retropubischer und transobturatorischer Schlingenoperation : Langzeitergebnisse, erhoben mit dem Incontinence Outcome Questionnaire (IOQ). 2011, University of Zurich, Faculty of Medicine.

Abstract

Einleitung: Die Harninkontinenz ist bei Frauen ein sehr häufiges Problem. Die Prävalenz liegt bei Frauen unter 25 Jahren bei 10% und steigt ab dem Alter von 75 Jahren
an auf bis zu 35-40%. Die häufigsten Inkontinenzformen der Frau sind die Belastungs- und die Dranginkontinenz sowie Mischformen. Primär werden die meisten Arten der
Inkontinenz konservativ angegangen. Falls das Beckenbodentraining, medikamentöse Therapie oder eine Pessareinlage nicht zum gewünschten Erfolg führen, stehen operative Verfahren zur Verfügung. Im Fall der Belastungsinkontinenz, der häufigsten Unterform der
Harninkontinenz, ist die Einlage einer spannungsfreien suburethralen Schlinge die am weitesten verbreitete Methode. Für die diversen Modifikationen dieser Schlingenoperation sind bis anhin nur für das klassische Tension-free Vaginal Tape (TVT), welches retropubisch eingelegt wird, Langzeitresultate bis zu 11 Jahren dokumentiert. Die postoperative Patientinnenzufriedenheit wird mit lebensqualitätsspezifischen Fragebogen
gemessen.
Fragestellung: Das Ziel und primärer Endpunkt dieser Arbeit ist die globale Erfassung der Lebensqualität nach Schlingeneinlage, erhoben mit dem Incontinence
Outcome Questionnaire. Als sekundären Endpunkt wurde die subjektive Patientinnenzufriedenheit, die Re-Hospitalisation und die Gründe für die Re-
Hospitalisation je nach Schlingentyp (TVT/TOT und TVT-O) im Mittel- und Langzeitvergleich untersucht.
Methode: Es handelt sich um eine retrospektive Arbeit mit 628 Patientinnen, welchen zwischen Januar 1999 und Dezember 2007 bei Belastungsinkontinenz oder belastungsbetonter Mischinkontinenz eine spannungsfreie Inkontinenzschlinge eingelegt wurde. Die Daten wurden mit dem standardisierten und für die deutsche Sprache validierten Incontinence Outcome Questionnaire (IOQ-Fragebogen) erfasst. Dabei wird mit 27 Fragen das postoperative Ergebnis nach Schlingenoperation aus Sicht der Frauen und insbesondere die Lebensqualität (QoL, quality of life) erfasst. Da das TVT schon am längsten eingesetzt wird, ist es mit 454 (72.2%) in der Verteilung der Schlingen führend.
Daneben wurden 119 (19.0%) TOT (Monarc), 36 (5.8%) TVT-O, 9 (1.4%) IVS und 10 (1.6%) re-adjustierbare Schlingen (Remeex) eingelegt. Der minimale Follow-up für alle
Schlingen betrug ein Jahr, das IVS und die Remeex-Schlinge wurden aufgrund zu kleiner Fallzahlen in der weiteren Analyse ausgeschlossen. In die Studie miteinbezogen wurden
präoperative Daten (Alter, BMI, Parität, Nikotinanamnese, vorgängige
Inkontinenzoperationen, Hormonsubstitution) sowie, falls vorhanden, präoperative urodynamische Parameter (maximaler Urethral-Verschlussdruck, erster Harndrang,
Blasenkapazität und Restharn).
Resultate: Nach zweimaligem Versand des Fragebogens konnten wir die Daten von 422 (67.2% aller angeschriebenen Frauen) Patientinnen auswerten: 306 TVT (72.5%), 88 TOT (20.9%), 28 TVTO (6.6%). Die Anzahl beantworteter Fragen war sehr hoch, indem durchschnittlich weniger als eine Frage pro Fragebogen nicht beantwortet wurde (2.7% aller Fragen). Der mittlere Follow-up bewegte sich von 2.9±1 Jahre beim TVT-O bis zu 5.5±2.4 Jahre beim TVT, was einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 4.9 Jahren entspricht. Die Gruppen (TVT, TOT und TVT-O) unterschieden sich nicht bezüglich der
präoperativen Parameter mit Ausnahme des Alters, welches bei den TVT-Patientinnen signifikant jünger war. Die Lebensqualität widerspiegelt sich im IOQ-Score mit einer Scala von 0-100 (0= keine Beeinträchtigung, 100=maximale Beeinträchtigung), wobei zwei Scores berechnet wurden: der QoL-Score (IOQ-Fragen 5,6,7,10,11,12,13,15,16,17,18)
und der QoL-extended-score (QoL-Score mit zusätzlichem Einbezug der Fragen 9,19,21, Fragen über Drang- und Restharn-Beschwerden sowie Ausmass der Beschwerden). Der
Letztere betrug zwischen 27.9±17.9 (TVT-O) und 33.7±18.9 (TOT). Ausser dem jüngeren Alter der Patientinnen in der TVT-Gruppe ergaben sich weder in den IOQ-Scores noch bei
der Korrelation mit dem Alter oder dem Zeitintervall von Operation bis zum Ausfüllen des Fragebogens signifikante Unterschiede zwischen den drei Schlingentypen. Ausserdem
waren die postoperative Inkontinenzsituation, die prä- und postoperative VAS (visual analogue scale, Scala von 0-10) sowie die Fälle mit Reoperation für die Gruppen vergleichbar. Einzig das Auftreten erneuter nkontinenzprobleme im Verlauf und die Einlage einer zweiten Schlinge war in der transobturatorischen Gruppe signifikant höher (9 von 88 TOT-Patientinnen, 7.8%) als bei den retropubischen (3 von 306 TVT-Frauen, 1.0%). Der Prozentsatz von Frauen, die postoperativ kontinent blieben und keiner zweiten Schlinge bedurften, betrug nach 1, 2, and 5 Jahren 100%, 99.7±0.3% and 99.7±0.3% für das TVT, 100% für das TVT-O, and 94.3±2.5%, 91.8±3.0%, and 89.9±3.7% for TOT (p<0.001).
Diskussion: Der IOQ erfasst die Lebensqualität über einen Zeitraum von mehr als 12 Monaten. Die hohe Rücklaufquote von 69.1% und die gute Compliance mit nur 2.7% nicht ausgefüllten Fragen weisen auf eine gute Anwendbarkeit mehr als 12 Monate nach der Operation. Die gute subjektive Langzeitzufriedenheit nach Schlingenoperationen ist
vergleichbar nach Einlage aller drei Polypropylenschlingen (TVT, TOT und TVT-O). In dieser Untersuchung hat sich jedoch gezeigt, dass Patientinnen mit einer transobturatorischen Schlinge (TOT) trotz dem kürzeren Follow-up im Verlauf signifikant häufiger eine zweite Schlinge wegen Rezidivinkontinenz benötigten.

Einleitung: Die Harninkontinenz ist bei Frauen ein sehr häufiges Problem. Die Prävalenz liegt bei Frauen unter 25 Jahren bei 10% und steigt ab dem Alter von 75 Jahren
an auf bis zu 35-40%. Die häufigsten Inkontinenzformen der Frau sind die Belastungs- und die Dranginkontinenz sowie Mischformen. Primär werden die meisten Arten der
Inkontinenz konservativ angegangen. Falls das Beckenbodentraining, medikamentöse Therapie oder eine Pessareinlage nicht zum gewünschten Erfolg führen, stehen operative Verfahren zur Verfügung. Im Fall der Belastungsinkontinenz, der häufigsten Unterform der
Harninkontinenz, ist die Einlage einer spannungsfreien suburethralen Schlinge die am weitesten verbreitete Methode. Für die diversen Modifikationen dieser Schlingenoperation sind bis anhin nur für das klassische Tension-free Vaginal Tape (TVT), welches retropubisch eingelegt wird, Langzeitresultate bis zu 11 Jahren dokumentiert. Die postoperative Patientinnenzufriedenheit wird mit lebensqualitätsspezifischen Fragebogen
gemessen.
Fragestellung: Das Ziel und primärer Endpunkt dieser Arbeit ist die globale Erfassung der Lebensqualität nach Schlingeneinlage, erhoben mit dem Incontinence
Outcome Questionnaire. Als sekundären Endpunkt wurde die subjektive Patientinnenzufriedenheit, die Re-Hospitalisation und die Gründe für die Re-
Hospitalisation je nach Schlingentyp (TVT/TOT und TVT-O) im Mittel- und Langzeitvergleich untersucht.
Methode: Es handelt sich um eine retrospektive Arbeit mit 628 Patientinnen, welchen zwischen Januar 1999 und Dezember 2007 bei Belastungsinkontinenz oder belastungsbetonter Mischinkontinenz eine spannungsfreie Inkontinenzschlinge eingelegt wurde. Die Daten wurden mit dem standardisierten und für die deutsche Sprache validierten Incontinence Outcome Questionnaire (IOQ-Fragebogen) erfasst. Dabei wird mit 27 Fragen das postoperative Ergebnis nach Schlingenoperation aus Sicht der Frauen und insbesondere die Lebensqualität (QoL, quality of life) erfasst. Da das TVT schon am längsten eingesetzt wird, ist es mit 454 (72.2%) in der Verteilung der Schlingen führend.
Daneben wurden 119 (19.0%) TOT (Monarc), 36 (5.8%) TVT-O, 9 (1.4%) IVS und 10 (1.6%) re-adjustierbare Schlingen (Remeex) eingelegt. Der minimale Follow-up für alle
Schlingen betrug ein Jahr, das IVS und die Remeex-Schlinge wurden aufgrund zu kleiner Fallzahlen in der weiteren Analyse ausgeschlossen. In die Studie miteinbezogen wurden
präoperative Daten (Alter, BMI, Parität, Nikotinanamnese, vorgängige
Inkontinenzoperationen, Hormonsubstitution) sowie, falls vorhanden, präoperative urodynamische Parameter (maximaler Urethral-Verschlussdruck, erster Harndrang,
Blasenkapazität und Restharn).
Resultate: Nach zweimaligem Versand des Fragebogens konnten wir die Daten von 422 (67.2% aller angeschriebenen Frauen) Patientinnen auswerten: 306 TVT (72.5%), 88 TOT (20.9%), 28 TVTO (6.6%). Die Anzahl beantworteter Fragen war sehr hoch, indem durchschnittlich weniger als eine Frage pro Fragebogen nicht beantwortet wurde (2.7% aller Fragen). Der mittlere Follow-up bewegte sich von 2.9±1 Jahre beim TVT-O bis zu 5.5±2.4 Jahre beim TVT, was einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 4.9 Jahren entspricht. Die Gruppen (TVT, TOT und TVT-O) unterschieden sich nicht bezüglich der
präoperativen Parameter mit Ausnahme des Alters, welches bei den TVT-Patientinnen signifikant jünger war. Die Lebensqualität widerspiegelt sich im IOQ-Score mit einer Scala von 0-100 (0= keine Beeinträchtigung, 100=maximale Beeinträchtigung), wobei zwei Scores berechnet wurden: der QoL-Score (IOQ-Fragen 5,6,7,10,11,12,13,15,16,17,18)
und der QoL-extended-score (QoL-Score mit zusätzlichem Einbezug der Fragen 9,19,21, Fragen über Drang- und Restharn-Beschwerden sowie Ausmass der Beschwerden). Der
Letztere betrug zwischen 27.9±17.9 (TVT-O) und 33.7±18.9 (TOT). Ausser dem jüngeren Alter der Patientinnen in der TVT-Gruppe ergaben sich weder in den IOQ-Scores noch bei
der Korrelation mit dem Alter oder dem Zeitintervall von Operation bis zum Ausfüllen des Fragebogens signifikante Unterschiede zwischen den drei Schlingentypen. Ausserdem
waren die postoperative Inkontinenzsituation, die prä- und postoperative VAS (visual analogue scale, Scala von 0-10) sowie die Fälle mit Reoperation für die Gruppen vergleichbar. Einzig das Auftreten erneuter nkontinenzprobleme im Verlauf und die Einlage einer zweiten Schlinge war in der transobturatorischen Gruppe signifikant höher (9 von 88 TOT-Patientinnen, 7.8%) als bei den retropubischen (3 von 306 TVT-Frauen, 1.0%). Der Prozentsatz von Frauen, die postoperativ kontinent blieben und keiner zweiten Schlinge bedurften, betrug nach 1, 2, and 5 Jahren 100%, 99.7±0.3% and 99.7±0.3% für das TVT, 100% für das TVT-O, and 94.3±2.5%, 91.8±3.0%, and 89.9±3.7% for TOT (p<0.001).
Diskussion: Der IOQ erfasst die Lebensqualität über einen Zeitraum von mehr als 12 Monaten. Die hohe Rücklaufquote von 69.1% und die gute Compliance mit nur 2.7% nicht ausgefüllten Fragen weisen auf eine gute Anwendbarkeit mehr als 12 Monate nach der Operation. Die gute subjektive Langzeitzufriedenheit nach Schlingenoperationen ist
vergleichbar nach Einlage aller drei Polypropylenschlingen (TVT, TOT und TVT-O). In dieser Untersuchung hat sich jedoch gezeigt, dass Patientinnen mit einer transobturatorischen Schlinge (TOT) trotz dem kürzeren Follow-up im Verlauf signifikant häufiger eine zweite Schlinge wegen Rezidivinkontinenz benötigten.

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Additional indexing

Item Type:Dissertation
Referees:Fink D, Betschart C
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > University Hospital Zurich > Clinic for Gynecology
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:May 2011
Deposited On:09 Feb 2012 21:00
Last Modified:05 Apr 2016 15:35
Number of Pages:63
Related URLs:http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&CON_LNG=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=006752100
Permanent URL: https://doi.org/10.5167/uzh-58655

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