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Das revoltierende Fleisch. Foucault, Deleuze, Cronenberg und der menschliche Körper


Binotto, Johannes (2002). Das revoltierende Fleisch. Foucault, Deleuze, Cronenberg und der menschliche Körper. Variations. Literaturzeitschrift der Universität Zürich:85-99.

Abstract

Das irreduzible menschliche Fleisch, das einer Einbettung, einer Begrabung in einen intellektuellen Diskurs widersteht, stellt es nicht den unangenehm störenden Fleck dar innerhalb einer gesellschaftlichen Ordnung, die glaubt, mit dem Körper zu Rande gekommen zu sein? Sei es die (insbesondere plastische) Chirurgie, die Medizin, die Gentechnologie, sei es die Fitness- und Wellness-Industrie - sie alle fördern das Phantasma eines absolut formbaren, eines vollständig disziplinierbaren Körpers. Der sogenannte Körperkult, der in Wahrheit exakt den Körper in seiner Widerständigkeit zum Feind hat, findet im Cyberspace nicht sein Gegenstück, sondern vielmehr seinen Höhepunkt: Ob Computertomographie oder Chatroom-Persona - versprochen wird auch hier die totale Kolonialisierung des menschlichen Leibs, die mit dessen vollständiger Auflösung in die Virtualität eines Datenkonvoluts zusammenfällt. Das Phantasma ist dasjenige eines radikal ausgedeuteten und entschwundenen Körpers ohne jede fleischliche Substanz.
Genau dieses universelle Phantasma eines Körpers, der gelesen, verstanden, der diskursiviert und damit be-griffen werden kann, wird im Anschluss an Michel Foucault und Gilles Deleuze wohl nirgends so radikal demontiert, wie in den Horrofilmen von David Cronenberg: "That’s what it is: the independence of the body, relative to the mind, and the difficulty of the mind accepting what that revolution might entail."

Das irreduzible menschliche Fleisch, das einer Einbettung, einer Begrabung in einen intellektuellen Diskurs widersteht, stellt es nicht den unangenehm störenden Fleck dar innerhalb einer gesellschaftlichen Ordnung, die glaubt, mit dem Körper zu Rande gekommen zu sein? Sei es die (insbesondere plastische) Chirurgie, die Medizin, die Gentechnologie, sei es die Fitness- und Wellness-Industrie - sie alle fördern das Phantasma eines absolut formbaren, eines vollständig disziplinierbaren Körpers. Der sogenannte Körperkult, der in Wahrheit exakt den Körper in seiner Widerständigkeit zum Feind hat, findet im Cyberspace nicht sein Gegenstück, sondern vielmehr seinen Höhepunkt: Ob Computertomographie oder Chatroom-Persona - versprochen wird auch hier die totale Kolonialisierung des menschlichen Leibs, die mit dessen vollständiger Auflösung in die Virtualität eines Datenkonvoluts zusammenfällt. Das Phantasma ist dasjenige eines radikal ausgedeuteten und entschwundenen Körpers ohne jede fleischliche Substanz.
Genau dieses universelle Phantasma eines Körpers, der gelesen, verstanden, der diskursiviert und damit be-griffen werden kann, wird im Anschluss an Michel Foucault und Gilles Deleuze wohl nirgends so radikal demontiert, wie in den Horrofilmen von David Cronenberg: "That’s what it is: the independence of the body, relative to the mind, and the difficulty of the mind accepting what that revolution might entail."

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Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > English Department
Dewey Decimal Classification:820 English & Old English literatures
Language:German
Date:2002
Deposited On:20 Jul 2012 21:22
Last Modified:05 Apr 2016 15:48
Publisher:Peter Lang
ISSN:1660-8704
Related URLs:http://www.binotto.ch/johannes/Essay/Einträge/2002/5/2_Vorlagetag.html
Permanent URL: http://doi.org/10.5167/uzh-62146

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