UZH-Logo

Maintenance Infos

Heilige Stagnation: mediale Konfigurationen des Stillstands in der grossdeutsch-katholischen Geschichtsschreibung des frühen 19. Jahrhunderts


Sandl, Marcus (2007). Heilige Stagnation: mediale Konfigurationen des Stillstands in der grossdeutsch-katholischen Geschichtsschreibung des frühen 19. Jahrhunderts. Historische Zeitschrift, 285(3):529-564.

Abstract

Die großdeutsch-katholische Historiographie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat bislang in der Historiographiegeschichte wenig Beachtung gefunden. Zu dominierend erschienen der Historismus und die mit ihm identifizierte Verwissenschaftlichung der Geschichtsschreibung. In der Tat gehört es zu den Charakteristika der großdeutsch-katholischen Historiographie, daß sie immer eine partikulare blieb, reduziert in ihren Gegenstandsbereichen und zerrissen in der Mannigfaltigkeit methodisch-theoretischer Zugänge. Anders als der Historismus in seiner kleindeutsch-protestantischen Ausprägung war die katholische Historiographie, so die These des Aufsatzes, epistemologisch nicht der Kategorie der Entwicklung, sondern dem Gleichbleibenden, dem Stillstand und der Stagnation verbunden. Sie verweigerte sich damit den Voraussetzungen und Bedingungen eines hermeneutischen Feldes, also dem Gestus der Durchdringung der rein materiellen Oberfläche der Welt mit dem Ziel, eine geistige Wahrheit, einen Sinn auszumachen. Damit verbunden war die Absage an die Vorstellung, historische Prozesse seien letztlich im Bewußtsein des Menschen, also in seiner exzentrischen Subjektivität verankert. Die großdeutsch-katholische Geschichtsschreibung arbeitete dagegen mit medialen Konfigurationen, die auf die Selbstentbergung der Wahrheit zielten. Sie stellte Evidenz auf der Ebene horizontaler Verschiebungen her, produzierte Wirklichkeit im Modus des Ausschnitts, der Abgrenzung und der Übertragung. Gerade damit jedoch gewinnt sie, vor dem Hintergrund der jüngeren kultur- und medienwissenschaftlichen Entwicklungen, eine neue Aktualität.

Die großdeutsch-katholische Historiographie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat bislang in der Historiographiegeschichte wenig Beachtung gefunden. Zu dominierend erschienen der Historismus und die mit ihm identifizierte Verwissenschaftlichung der Geschichtsschreibung. In der Tat gehört es zu den Charakteristika der großdeutsch-katholischen Historiographie, daß sie immer eine partikulare blieb, reduziert in ihren Gegenstandsbereichen und zerrissen in der Mannigfaltigkeit methodisch-theoretischer Zugänge. Anders als der Historismus in seiner kleindeutsch-protestantischen Ausprägung war die katholische Historiographie, so die These des Aufsatzes, epistemologisch nicht der Kategorie der Entwicklung, sondern dem Gleichbleibenden, dem Stillstand und der Stagnation verbunden. Sie verweigerte sich damit den Voraussetzungen und Bedingungen eines hermeneutischen Feldes, also dem Gestus der Durchdringung der rein materiellen Oberfläche der Welt mit dem Ziel, eine geistige Wahrheit, einen Sinn auszumachen. Damit verbunden war die Absage an die Vorstellung, historische Prozesse seien letztlich im Bewußtsein des Menschen, also in seiner exzentrischen Subjektivität verankert. Die großdeutsch-katholische Geschichtsschreibung arbeitete dagegen mit medialen Konfigurationen, die auf die Selbstentbergung der Wahrheit zielten. Sie stellte Evidenz auf der Ebene horizontaler Verschiebungen her, produzierte Wirklichkeit im Modus des Ausschnitts, der Abgrenzung und der Übertragung. Gerade damit jedoch gewinnt sie, vor dem Hintergrund der jüngeren kultur- und medienwissenschaftlichen Entwicklungen, eine neue Aktualität.

Additional indexing

Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of History
Dewey Decimal Classification:900 History
Language:German
Date:2007
Deposited On:01 Jun 2012 08:19
Last Modified:05 Apr 2016 15:50
Publisher:Oldenbourg
ISSN:0018-2613
Related URLs:http://opac.nebis.ch/F/?local_base=EBI01&con_lng=GER&func=find-b&find_code=090&request=000446026
http://www.oldenbourg-link.com/loi/hzhz

Download

Full text not available from this repository.

TrendTerms

TrendTerms displays relevant terms of the abstract of this publication and related documents on a map. The terms and their relations were extracted from ZORA using word statistics. Their timelines are taken from ZORA as well. The bubble size of a term is proportional to the number of documents where the term occurs. Red, orange, yellow and green colors are used for terms that occur in the current document; red indicates high interlinkedness of a term with other terms, orange, yellow and green decreasing interlinkedness. Blue is used for terms that have a relation with the terms in this document, but occur in other documents.
You can navigate and zoom the map. Mouse-hovering a term displays its timeline, clicking it yields the associated documents.

Author Collaborations