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Zurich Open Repository and Archive 

Permanent URL to this publication: http://dx.doi.org/10.5167/uzh-63067

Röttig, David. Berichte von Zürcher Ärzten, Chirurgen und Apothekern anlässlich der Halbjahrestagungen der Medizinisch-chirurgischen Gesellschaft des Kantons Zürich 1815-1820. 2012, University of Zurich, Faculty of Medicine.

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Abstract

Die im Jahre 1810 von Chorherr Dr. med. Johann Heinrich Rahn gegründete Medizinischchirurgische Gesellschaft des Kantons Zürich steht in der Vereinslandschaft der Aufklärung einzigartig da. Sie förderte durch spezifisch gewählte Aktivitätsformen und Aufnahmebedingungen die wissenschaftliche Fortbildung ihrer Mitglieder sowie gleichzeitig die Ausgrenzung von ungebildeten Berufsgenossen. Die damit einhergehende zunehmende Professionalisierung des Ärztestandes im 19. Jahrhundert verhalf der Gesellschaft auf medizinischem Gebiet wie auch auf politischer Ebene zu erheblichem Machtmonopol. Die Aufhebung der spannungsgeladenen Kluft von Stadt und Land in Zürich anfangs der 1830er Jahre ist vor allem einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft zu verdanken, die sich als uneigennützige Idealisten nicht nur für das Gesundheitswohl, sondern ebenso für die politische Gleichberechtigung aller Bürger einsetzten.
Die statutengemässen Frühlings- und Herbstkongresse wurden selbst in politisch schwierigen Zeiten stets abgehalten und vereinigten die Gesellschaft abwechselnd in der Stadt und in verschiedenen Ortschaften des Kantons Zürich zu Vorträgen ihrer Mitglieder. In der Pionierzeit ging es hauptsächlich um Prävention und Therapie von aktuellen Infektionskrankheiten, Probleme der Pockenimpfung, der wirksamsten Medikation und Präsentation von chirurgischen, internistischen, geburtshilflichen und psychiatrischen Fällen. Die Ärzte waren dabei regelrecht beseelt vom Geist der vorurteilsfreien, fortschrittlichen Wissenschaft. Dies bezeugen in eindrücklicher und einmaliger Weise die zahlreichen, bis heute erhalten gebliebenen Vortragsmanuskripte, die im Sinne des «gemeinschaftlichen schriftlichen Gedankenwechsels »1 an den Zusammenkünften verlesen wurden. Zusätzlich liessen die zukunftsorientierten Ärzte ihre Verhandlungen veröffentlichen, was einerseits zur Kontaktpflege mit anderen Kantonalgesellschaften, andererseits zu einer zunehmend schulmedizinischen Denkweise der Bevölkerung beitrug.
Insbesondere in der Anfangszeit der Gesellschaft mussten die Mitglieder um ihr Ansehen und Auskommen ringen, sodass die in den Statuten postulierte Kollegialität nicht immer so konsequent wie gefordert ausgelebt wurde. Sie wirkte indes neben der gemeinsamen medizinischen Ausbildungsstätte Zürich (seit 1782 das Medizinisch-chirurgische Institut, ab 1833 die Medizinische Fakultät an der Universität) ganz wesentlich dazu mit, dass sich die innere Medizin und die bisher zünftisch verfasste Chirurgie zur einheitlichen Heilkunde vereinigen konnten, was für die Entwicklung des Ärztestandes im 19. Jahrhundert von enormer Bedeutung war. Das 1854 in Kraft getretene Medizinalgesetz beendete schliesslich endgültig die jahrhundertelange Trennung zwischen akademisch gebildeten Doktoren und medizinischen Handwerkern, indem es für sämtliche Ärzte eine Staatsprüfung mit universitärer Vorbildung vorschrieb.
Betrachtet man die verschiedenen aufeinanderfolgenden geschichtlichen Ereignisse des
19. Jahrhunderts im Kanton Zürich, so ist es auffallend, welche Dominanz, politische Durchschlagskraft und Anpassungsfähigkeit an die wechselnden Verhältnisse die akademisch gebildeten Mitglieder der kantonalen Ärztegesellschaft dabei auszeichnete. Trotzdem gelang es ihnen unter anderem gerade wegen den herrschenden politischen Zuständen nicht, früher als im Jahr 1901 zusammen mit den übrigen Schweizer Kantonalgesellschaften eine gemeinsame, die Interessen aller vertretenden Ärztegesellschaft auf Bundesebene zu gründen. Es dauerte beinahe volle 100 Jahre, bis der von Dr. Johann Heinrich Rahn anlässlich der Konstituierung der Zürcher Medizinisch-chirurgischen Gesellschaft gehegte Wunsch nach einer Neubelebung der 1806 aufgelösten Helvetischen Gesellschaft korrespondierender Ärzte und Wundärzte Wirklichkeit werden konnte.

Item Type:Dissertation
Referees:Rüttimann Beat
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > Institute and Museum of the History of Medicine
DDC:610 Medicine & health
900 History
Language:German
Date:2012
Deposited On:06 Jul 2012 06:32
Last Modified:22 May 2013 15:08
Number of Pages:280
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