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Tibetische Rezepturen als pleiotrope Signaturen - Einsatz von Netzwerk-Arzneien bei Multimorbidität


Schwabl, H; Vennos, C; Saller, R (2013). Tibetische Rezepturen als pleiotrope Signaturen - Einsatz von Netzwerk-Arzneien bei Multimorbidität. Forschende Komplementärmedizin, 20(Suppl 2):35-40.

Abstract

Multimorbide Zustände (≥2 chronische Erkrankungen gleichzeitig) können vor dem Hintergrund des Netzwerkmodells des Organismus als komplexe Krankheitsmuster aufgefasst und als charakteristische Signaturen abgebildet werden. Lebende Systeme wie der menschliche Organismus werden aus der Sicht der Systemtheorie als Netzwerke von interagierenden Teilen betrachtet. Diese können wiederum selbst Unternetzwerke sein und verschiedenen Komplexitätsstufen zugeordnet werden. Sie reichen z.B. vom Gen über das Transkriptom, Proteom, Metabolom und Epigenom bis hin zum Netzwerk der gesamten molekularen Interaktionen, dem sogenannten Interaktom. Bei der Multimorbidität betrifft die Krankheitssignatur verschiedene Netzwerke auf allen Stufen, z.B. Zellsysteme, Organe und funktionelle Systeme. Basierend auf dieser Semiotik können auch Arzneimitteln bestimmte Wirksignaturen bzw. Wirkprofile zugeordnet werden. Eine Pharmakonsignatur repräsentiert die physikalisch-chemischen Reize, die das System zu einer Reaktion veranlassen, sowie die Verbindungen, über die das vernetzte Gesamtsystem auf allen Hierarchiestufen beeinflusst wird. Phytotherapeutika, die chemisch gesehen Vielstoffgemische darstellen, besitzen besonders komplexe Signaturen. Als Multi-Target-Arzneien mit pleiotropem Wirkprofil greifen sie auf den unterschiedlichen Systemstufen des Netzwerks therapeutisch ein, weshalb sie auch als Netzwerk-Arzneien bezeichnet werden. Als Beispiel für Phytotherapeutika mit besonders komplexer pleiotroper Signatur können Pflanzenrezepturen traditioneller Medizinsysteme wie der Tibetischen Medizin herangezogen werden. Hier wird auch aus traditioneller Sicht eine Krankheitssignatur mit einer korrespondierenden Arzneimittelsignatur in Beziehung gesetzt, jedoch basierend auf dem traditionellen energetischen Verständnis von Krankheiten. Moderne Forschungsergebnisse geben deutliche Hinweise auf eine ausgesprochen breit gefächerte Signatur Tibetischer Arzneimittel und liefern somit die logische Grundlage für ihren Einsatz im Rahmen integrativer Behandlungsansätze bei Krankheiten mit ebenfalls komplexer Signatur, z.B. bei Multimorbidität. Der vorgestellte systemtheoretische Ansatz stellt eine Methode dar, die Anschlussfähigkeit traditioneller und komplementärmedizinischer Methoden an die anderen Disziplinen der modernen Medizin zu ermöglichen.

Abstract

Multimorbide Zustände (≥2 chronische Erkrankungen gleichzeitig) können vor dem Hintergrund des Netzwerkmodells des Organismus als komplexe Krankheitsmuster aufgefasst und als charakteristische Signaturen abgebildet werden. Lebende Systeme wie der menschliche Organismus werden aus der Sicht der Systemtheorie als Netzwerke von interagierenden Teilen betrachtet. Diese können wiederum selbst Unternetzwerke sein und verschiedenen Komplexitätsstufen zugeordnet werden. Sie reichen z.B. vom Gen über das Transkriptom, Proteom, Metabolom und Epigenom bis hin zum Netzwerk der gesamten molekularen Interaktionen, dem sogenannten Interaktom. Bei der Multimorbidität betrifft die Krankheitssignatur verschiedene Netzwerke auf allen Stufen, z.B. Zellsysteme, Organe und funktionelle Systeme. Basierend auf dieser Semiotik können auch Arzneimitteln bestimmte Wirksignaturen bzw. Wirkprofile zugeordnet werden. Eine Pharmakonsignatur repräsentiert die physikalisch-chemischen Reize, die das System zu einer Reaktion veranlassen, sowie die Verbindungen, über die das vernetzte Gesamtsystem auf allen Hierarchiestufen beeinflusst wird. Phytotherapeutika, die chemisch gesehen Vielstoffgemische darstellen, besitzen besonders komplexe Signaturen. Als Multi-Target-Arzneien mit pleiotropem Wirkprofil greifen sie auf den unterschiedlichen Systemstufen des Netzwerks therapeutisch ein, weshalb sie auch als Netzwerk-Arzneien bezeichnet werden. Als Beispiel für Phytotherapeutika mit besonders komplexer pleiotroper Signatur können Pflanzenrezepturen traditioneller Medizinsysteme wie der Tibetischen Medizin herangezogen werden. Hier wird auch aus traditioneller Sicht eine Krankheitssignatur mit einer korrespondierenden Arzneimittelsignatur in Beziehung gesetzt, jedoch basierend auf dem traditionellen energetischen Verständnis von Krankheiten. Moderne Forschungsergebnisse geben deutliche Hinweise auf eine ausgesprochen breit gefächerte Signatur Tibetischer Arzneimittel und liefern somit die logische Grundlage für ihren Einsatz im Rahmen integrativer Behandlungsansätze bei Krankheiten mit ebenfalls komplexer Signatur, z.B. bei Multimorbidität. Der vorgestellte systemtheoretische Ansatz stellt eine Methode dar, die Anschlussfähigkeit traditioneller und komplementärmedizinischer Methoden an die anderen Disziplinen der modernen Medizin zu ermöglichen.

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Item Type:Journal Article, refereed, further contribution
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > University Hospital Zurich > Institute of Complementary Medicine
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:2013
Deposited On:23 Aug 2013 06:39
Last Modified:20 Jul 2016 07:13
Publisher:Karger
ISSN:1661-4119
Free access at:Publisher DOI. An embargo period may apply.
Publisher DOI:https://doi.org/10.1159/000351718

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