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Befragung Parlamente und Evaluationen : Ergebnisbericht


Eberli, Daniela; Bundi, Pirmin; Frey, Kathrin; Widmer, Thomas (2014). Befragung Parlamente und Evaluationen : Ergebnisbericht. Zürich: SynEval, Universität Zürich, Institut für Politikwissenschaft.

Abstract

Im Frühjahr 2014 wurden im Rahmen des Forschungsprojektes „Parlamente und Evaluationen“ die Parlamentsmitglieder des Bundes und der Kantone befragt. Das Forschungsprojekt, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds, befasst sich mit der Rolle von Evaluationen in den Schweizer Parla-menten. Als Evaluationen werden Studien bezeichnet, die eine staatliche Massnahme mit einem sys-tematischen und transparenten Vorgehen untersuchen und deren Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit oder Zweckmässigkeit bewerten. Damit liefern Evaluationen praxisnahe und anwendungsorientierte Informationen, die politischen Entscheidungsträgern angesichts immer komplexerer Problemlagen bei der Konzeption oder der Überprüfung politischer Massnahmen dienen können. In den letzten zwei Jahrzehnten etablierten sich Evaluationen auch in der Schweiz als Instrument zur staatlichen Steuerung. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den Parlamenten. So wurde die Überprüfung der Wirksamkeit staatlicher Massnahmen mit Evaluationsklauseln gesetzlich verankert, indem entspre-chende Artikel in der Verfassung oder den Parlamentsgesetzen eingefügt wurden. Insgesamt beteiligten sich 55.3% oder 1‘570 der 2‘841 Parlamentsmitglieder an der Online-Befragung. Die Auswertung zeigt, dass die befragten Parlamentsmitglieder überwiegend positiv gegenüber Eva-luationen eingestellt sind, auch wenn sie Evaluationen als nützlicher für die Verwaltung als für sich selbst betrachten. Gesamte Evaluationsberichte werden gemäss der Befragung kaum gelesen, dafür aber Kurz- oder Zusammenfassungen. Die Auswertung zeigt weiter, dass die Parlamente Evaluatio-nen anregen, wobei dies weniger über Evaluationsklauseln, denn über parlamentarische Vorstösse geschieht. Besonders oft geben die Parlamentsmitglieder an, Evaluationen auf diese Weise in den Bereichen Raumplanung und Infrastruktur sowie Bildung anzuregen. Gemäss eigenen Angaben nut-zen die Parlamentsmitglieder Evaluationen häufig. Sie verwenden sie für alle drei parlamentarischen Aufgaben der Gesetzgebung, Oberaufsicht und Budgetentscheide. Dabei geben die Befragten an, dass sie Evaluationen häufiger nutzen, um sich zu informieren oder Entscheide zu treffen, als um andere zu überzeugen oder einen Entscheid zu begründen. Diese Ergebnisse treffen auf die befragten Mitglieder der Kantonsparlamente sowie der Bundesver-sammlung im Gesamten zu, bezüglich der einzelnen Parlamente oder der Parteien sind teilweise deutliche Unterschiede feststellbar. In den Kantonsparlamenten der Romandie werden Evaluationen deutlich häufiger gelesen und Entscheide öfters damit gestützt. Demgegenüber scheinen Parlamente in eher ländlichen, östlichen Kantonen der Deutschschweiz Evaluationen eher skeptischer zu begeg-nen. Es zeigt sich zudem, dass die Parlamentsmitglieder des Bundes Evaluationen häufiger nachfra-gen und verwenden als diejenigen in den Kantonen. Die Befragung zeigt weiter, dass SVP-Mitglieder Evaluationen zurückhaltender beurteilen, während SP-Mitglieder Evaluationen besonders positiv gegenüberstehen. Die „neuen“ Mitteparteien BDP und GLP schliesslich unterscheiden sich in ihrer Haltung gegenüber Evaluationen nicht von der traditionellen Mitte.
Insgesamt vermitteln die Ergebnisse der Befragung – auch unter Berücksichtigung möglicher Vorbe-halte – ein evaluationsfreundliches Bild der Schweizer Parlamente. Um die Rolle der Evaluationen im Parlament noch besser zu erfassen, wird das Forschungsprojekt die Ergebnisse der Befragung mit zusätzlichen Analysen ergänzen. Da das Forschungsprojekt Teil eines gesamtschweizerischen Projek-tes zur Bedeutung von Evaluationen im schweizerischen politischen System ist, können diese parla-mentsspezifischen Ergebnisse auch in einen umfassenden Zusammenhang eingeordnet werden.

As a part of the research project „parliaments and evaluations“, a survey was conducted in spring 2014 among all members of the Swiss federal as well as cantonal parliaments. Funded by the Swiss National Science Foundation, the research project studies the role of policy evaluations in Swiss par-liaments. Evaluations are defined as studies following a systematic and transparent approach in order to analyse the efficiency, the effectiveness or the relevance of public policies. Given the increasing complexity of problems, the practical and action-oriented information provided by evaluations can be of use for decision-makers when conceptualizing and reviewing public policies. In the last two dec-ades evaluations became established as an instrument to steer policies also in Switzerland. This de-velopment is also reflected in the parliaments. With the integration of articles in the constitution or in parliamentary laws, the examination of public policies’ effectiveness has been anchored in the legisla-tion by means of evaluation clauses. In total, 1’570 out of 2’841 members of parliament participated in the online-survey, which yields a response rate of 55.3%. The analysis shows that the parliamentarians surveyed are largely favourable towards evaluation. However, evaluations are seen as more useful for the administration than for the parliament itself. The survey reveals that instead of reading entire reports, parliamentarians read condensed versions or summaries of evaluations. Moreover, the analysis points to a demand for evaluations by the parliaments. While parliamentarians ask for evaluations to a lesser extent by im-plementing evaluation clauses, they prefer to demand evaluations with the help of parliamentary requests. Especially in the fields of spatial planning and infrastructural policy as well as educational policy, the parliamentarians responded to submit such requests. According to the survey, parliamen-tarians use evaluations frequently. They use them for all three parliamentary tasks, such as legislation, oversight and budget decisions. In doing so, the parliamentarians responded to use evaluations more often to gather information or to make decisions rather than to convince others or to justify a decision they had already made. The results in the section above refer to all federal and cantonal members of parliament surveyed; yet, to some extent, remarkable differences concerning single parliaments or political parties can be ob-served. Members of cantonal legislatures of French-speaking Switzerland read evaluations much more frequently and base their decisions more often on evaluations. In contrast, parliaments in the rural, eastern part of German-speaking Switzerland seem to be more sceptical towards evaluations. Furthermore, the analysis reveals that federal parliamentarians more often ask for evaluations and make greater use of them than cantonal parliamentarians. In addition, the survey shows that mem-bers of the right-wing Swiss People’s Party (SVP) consider evaluations rather conservatively, while parliamentarians belonging to the social-democrats expressed a particularly positive view on evalua-tions. Lastly, no differences in the behaviour towards evaluations could be observed between the members of the traditional moderate parties and the recently founded moderate parties, that is the green-liberals (GLP) and the Conservative Democratic Party (BDP). All in all, even when taking into account possible limitations, the results of the survey convey that the Swiss parliaments have a positive attitude towards evaluations. In order to get a differentiated com-prehension of the role of evaluations in parliaments, the research project will complement the results from the survey with additional investigations. Representing one part of a larger Swiss project exam-ining the significance of evaluations in the Swiss political system, the parliament-specific results of the research project in Zurich can be embedded in a broader context.

Abstract

Im Frühjahr 2014 wurden im Rahmen des Forschungsprojektes „Parlamente und Evaluationen“ die Parlamentsmitglieder des Bundes und der Kantone befragt. Das Forschungsprojekt, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds, befasst sich mit der Rolle von Evaluationen in den Schweizer Parla-menten. Als Evaluationen werden Studien bezeichnet, die eine staatliche Massnahme mit einem sys-tematischen und transparenten Vorgehen untersuchen und deren Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit oder Zweckmässigkeit bewerten. Damit liefern Evaluationen praxisnahe und anwendungsorientierte Informationen, die politischen Entscheidungsträgern angesichts immer komplexerer Problemlagen bei der Konzeption oder der Überprüfung politischer Massnahmen dienen können. In den letzten zwei Jahrzehnten etablierten sich Evaluationen auch in der Schweiz als Instrument zur staatlichen Steuerung. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den Parlamenten. So wurde die Überprüfung der Wirksamkeit staatlicher Massnahmen mit Evaluationsklauseln gesetzlich verankert, indem entspre-chende Artikel in der Verfassung oder den Parlamentsgesetzen eingefügt wurden. Insgesamt beteiligten sich 55.3% oder 1‘570 der 2‘841 Parlamentsmitglieder an der Online-Befragung. Die Auswertung zeigt, dass die befragten Parlamentsmitglieder überwiegend positiv gegenüber Eva-luationen eingestellt sind, auch wenn sie Evaluationen als nützlicher für die Verwaltung als für sich selbst betrachten. Gesamte Evaluationsberichte werden gemäss der Befragung kaum gelesen, dafür aber Kurz- oder Zusammenfassungen. Die Auswertung zeigt weiter, dass die Parlamente Evaluatio-nen anregen, wobei dies weniger über Evaluationsklauseln, denn über parlamentarische Vorstösse geschieht. Besonders oft geben die Parlamentsmitglieder an, Evaluationen auf diese Weise in den Bereichen Raumplanung und Infrastruktur sowie Bildung anzuregen. Gemäss eigenen Angaben nut-zen die Parlamentsmitglieder Evaluationen häufig. Sie verwenden sie für alle drei parlamentarischen Aufgaben der Gesetzgebung, Oberaufsicht und Budgetentscheide. Dabei geben die Befragten an, dass sie Evaluationen häufiger nutzen, um sich zu informieren oder Entscheide zu treffen, als um andere zu überzeugen oder einen Entscheid zu begründen. Diese Ergebnisse treffen auf die befragten Mitglieder der Kantonsparlamente sowie der Bundesver-sammlung im Gesamten zu, bezüglich der einzelnen Parlamente oder der Parteien sind teilweise deutliche Unterschiede feststellbar. In den Kantonsparlamenten der Romandie werden Evaluationen deutlich häufiger gelesen und Entscheide öfters damit gestützt. Demgegenüber scheinen Parlamente in eher ländlichen, östlichen Kantonen der Deutschschweiz Evaluationen eher skeptischer zu begeg-nen. Es zeigt sich zudem, dass die Parlamentsmitglieder des Bundes Evaluationen häufiger nachfra-gen und verwenden als diejenigen in den Kantonen. Die Befragung zeigt weiter, dass SVP-Mitglieder Evaluationen zurückhaltender beurteilen, während SP-Mitglieder Evaluationen besonders positiv gegenüberstehen. Die „neuen“ Mitteparteien BDP und GLP schliesslich unterscheiden sich in ihrer Haltung gegenüber Evaluationen nicht von der traditionellen Mitte.
Insgesamt vermitteln die Ergebnisse der Befragung – auch unter Berücksichtigung möglicher Vorbe-halte – ein evaluationsfreundliches Bild der Schweizer Parlamente. Um die Rolle der Evaluationen im Parlament noch besser zu erfassen, wird das Forschungsprojekt die Ergebnisse der Befragung mit zusätzlichen Analysen ergänzen. Da das Forschungsprojekt Teil eines gesamtschweizerischen Projek-tes zur Bedeutung von Evaluationen im schweizerischen politischen System ist, können diese parla-mentsspezifischen Ergebnisse auch in einen umfassenden Zusammenhang eingeordnet werden.

As a part of the research project „parliaments and evaluations“, a survey was conducted in spring 2014 among all members of the Swiss federal as well as cantonal parliaments. Funded by the Swiss National Science Foundation, the research project studies the role of policy evaluations in Swiss par-liaments. Evaluations are defined as studies following a systematic and transparent approach in order to analyse the efficiency, the effectiveness or the relevance of public policies. Given the increasing complexity of problems, the practical and action-oriented information provided by evaluations can be of use for decision-makers when conceptualizing and reviewing public policies. In the last two dec-ades evaluations became established as an instrument to steer policies also in Switzerland. This de-velopment is also reflected in the parliaments. With the integration of articles in the constitution or in parliamentary laws, the examination of public policies’ effectiveness has been anchored in the legisla-tion by means of evaluation clauses. In total, 1’570 out of 2’841 members of parliament participated in the online-survey, which yields a response rate of 55.3%. The analysis shows that the parliamentarians surveyed are largely favourable towards evaluation. However, evaluations are seen as more useful for the administration than for the parliament itself. The survey reveals that instead of reading entire reports, parliamentarians read condensed versions or summaries of evaluations. Moreover, the analysis points to a demand for evaluations by the parliaments. While parliamentarians ask for evaluations to a lesser extent by im-plementing evaluation clauses, they prefer to demand evaluations with the help of parliamentary requests. Especially in the fields of spatial planning and infrastructural policy as well as educational policy, the parliamentarians responded to submit such requests. According to the survey, parliamen-tarians use evaluations frequently. They use them for all three parliamentary tasks, such as legislation, oversight and budget decisions. In doing so, the parliamentarians responded to use evaluations more often to gather information or to make decisions rather than to convince others or to justify a decision they had already made. The results in the section above refer to all federal and cantonal members of parliament surveyed; yet, to some extent, remarkable differences concerning single parliaments or political parties can be ob-served. Members of cantonal legislatures of French-speaking Switzerland read evaluations much more frequently and base their decisions more often on evaluations. In contrast, parliaments in the rural, eastern part of German-speaking Switzerland seem to be more sceptical towards evaluations. Furthermore, the analysis reveals that federal parliamentarians more often ask for evaluations and make greater use of them than cantonal parliamentarians. In addition, the survey shows that mem-bers of the right-wing Swiss People’s Party (SVP) consider evaluations rather conservatively, while parliamentarians belonging to the social-democrats expressed a particularly positive view on evalua-tions. Lastly, no differences in the behaviour towards evaluations could be observed between the members of the traditional moderate parties and the recently founded moderate parties, that is the green-liberals (GLP) and the Conservative Democratic Party (BDP). All in all, even when taking into account possible limitations, the results of the survey convey that the Swiss parliaments have a positive attitude towards evaluations. In order to get a differentiated com-prehension of the role of evaluations in parliaments, the research project will complement the results from the survey with additional investigations. Representing one part of a larger Swiss project exam-ining the significance of evaluations in the Swiss political system, the parliament-specific results of the research project in Zurich can be embedded in a broader context.

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Item Type:Published Research Report
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of Political Science
Dewey Decimal Classification:320 Political science
Language:German
Date:December 2014
Deposited On:07 Jan 2015 13:33
Last Modified:08 Dec 2017 09:49
Publisher:SynEval, Universität Zürich, Institut für Politikwissenschaft
Number of Pages:29
Free access at:Official URL. An embargo period may apply.
Official URL:http://www.syneval.ch/images/PDF/Ergebnisbericht_ParlEval.pdf
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