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Botulismus: Prävention, Diagnostik, Therapie und mögliche Bedrohungslagen


Gutzwiller, Florian S; Steffen, Robert; Mathys, P; Walser, S; Schmid, H; Mütsch, Margot (2008). Botulismus: Prävention, Diagnostik, Therapie und mögliche Bedrohungslagen. Deutsche Medizinische Wochenschrift, 133(16):840-845.

Abstract

In Zeiten mit erhöhter Terrorismus-Bedrohung müssen sich auch Ärzte mit bioterroristischen Szenarien auseinandersetzen. Die Arbeit möchte Ärzten einen aktuellen Überblick zu Botulinumtoxin und zur möglichen Bedrohungslage geben. Dazu wurde die Literatur systematisch aufgearbeitet und für spezielle Fragestellungen Experten kontaktiert.
Resultate: Die Toxizität von Botulinumtoxin liegt um ein Vielfaches höher als für jedes andere natürliche Toxin. In der Klinik des Botulismus zeigt sich das charakteristische Bild einer akuten, afebrilen symmetrischen und absteigenden Lähmung unabhängig von der Art der Exposition, mit Normalbefunden bezüglich Mentalstatus, Sensorik und Elektrolyt-Haushalt. Im Einzelfall wird Botulismus trotzdem oft primär falsch diagnostiziert, Cluster mit zutreffenden Symptomen und ≥ 2 Fällen sind pathognonomisch.
Die aktuelle Therapie beinhaltet supportive Pflege, respiratorische Unterstützung und Verabreichung eines Antitoxins. Die frühe Verabreichung eines Antitoxins vermag das Ausmaß der Lähmung zu limitieren aber nicht zu vermindern. Während für adulte Patienten nur equine Präparate verfügbar sind, gibt es für Säuglinge und Kinder in den USA ein humanes Antitoxin. Personen mit erhöhtem Expositions-Risiko können mit einem pentavalenten Botulinumtoxoid-Impfstoff geimpft werden.
Botulinumtoxin ist einfach zu gewinnen. Durch die praktisch ubiquitäre Verfügbarkeit und hohe Toxizität, eignet sich Botulinumtoxin zur Verwendung bei bioterroristischen Anschlägen. Wie bereits in der Vergangenheit geschehen, muss auch in Zukunft mit einer missbräuchlichen Verwendung gerechnet werden.
Schlussfolgerung: Obwohl Botulismus in Westeuropa selten vorkommt, sollte er bei Patienten mit Lähmungssymptomatik in der Differenzialdiagnose mitberücksichtigt werden. Auch ist mit einer absichtlichen Freisetzung von Botulinumtoxin zu rechnen. Deshalb sollte jeder Botulismus-Fall sowohl auf eine Verbindung mit anderen Fällen wie auch auf einen allfälligen terroristischen Hintergrund überprüft werden. = In times of increased terrorist threat health professionals need to be prepared for bioterrorist events. The goal must be to give doctors an overview over the current state of knowledge and risk assessment of botulinum toxin. This review is based on Information gathered by a systematic analysis of the literature and by contacting experts.
The toxicity of botulinum toxin exceeds any other known natural toxin. Clinical features of botulism consist of an acute, afebrile symmetrical and descending paralysis, regardless of the route of exposure, with normal mental status, sensory functions and electrolyte values. The initial diagnosis is often wrong in individual cases of botulism, but clusters with typical symptoms and two or more cases usually provide the diagnosis.
Current treatment is primarily supportive care, respiratory support and antitoxin administration. Early application of antitoxin can limit the extent of the paralysis, but will not reverse it. Antitoxin for adult patients is of equine origin, while children in the USA can be treated with a recently developed human antitoxin. A pentavalent toxoid vaccine is available for persons at high risk of exposure.
Botulinum toxin is easily extracted and ubiquitously available. These two features, together with the high toxicity, makes misuse easy. Misuse will continue to occur. Although a rare disease in Western Europe, botulism should be included in the differential diagnosis in patients with specific symptoms of paralysis. There is the potential threat of deliberate release of botulinum toxin. For this reason every outbreak of botulism must be assessed for any possible links to terrorism.

Abstract

In Zeiten mit erhöhter Terrorismus-Bedrohung müssen sich auch Ärzte mit bioterroristischen Szenarien auseinandersetzen. Die Arbeit möchte Ärzten einen aktuellen Überblick zu Botulinumtoxin und zur möglichen Bedrohungslage geben. Dazu wurde die Literatur systematisch aufgearbeitet und für spezielle Fragestellungen Experten kontaktiert.
Resultate: Die Toxizität von Botulinumtoxin liegt um ein Vielfaches höher als für jedes andere natürliche Toxin. In der Klinik des Botulismus zeigt sich das charakteristische Bild einer akuten, afebrilen symmetrischen und absteigenden Lähmung unabhängig von der Art der Exposition, mit Normalbefunden bezüglich Mentalstatus, Sensorik und Elektrolyt-Haushalt. Im Einzelfall wird Botulismus trotzdem oft primär falsch diagnostiziert, Cluster mit zutreffenden Symptomen und ≥ 2 Fällen sind pathognonomisch.
Die aktuelle Therapie beinhaltet supportive Pflege, respiratorische Unterstützung und Verabreichung eines Antitoxins. Die frühe Verabreichung eines Antitoxins vermag das Ausmaß der Lähmung zu limitieren aber nicht zu vermindern. Während für adulte Patienten nur equine Präparate verfügbar sind, gibt es für Säuglinge und Kinder in den USA ein humanes Antitoxin. Personen mit erhöhtem Expositions-Risiko können mit einem pentavalenten Botulinumtoxoid-Impfstoff geimpft werden.
Botulinumtoxin ist einfach zu gewinnen. Durch die praktisch ubiquitäre Verfügbarkeit und hohe Toxizität, eignet sich Botulinumtoxin zur Verwendung bei bioterroristischen Anschlägen. Wie bereits in der Vergangenheit geschehen, muss auch in Zukunft mit einer missbräuchlichen Verwendung gerechnet werden.
Schlussfolgerung: Obwohl Botulismus in Westeuropa selten vorkommt, sollte er bei Patienten mit Lähmungssymptomatik in der Differenzialdiagnose mitberücksichtigt werden. Auch ist mit einer absichtlichen Freisetzung von Botulinumtoxin zu rechnen. Deshalb sollte jeder Botulismus-Fall sowohl auf eine Verbindung mit anderen Fällen wie auch auf einen allfälligen terroristischen Hintergrund überprüft werden. = In times of increased terrorist threat health professionals need to be prepared for bioterrorist events. The goal must be to give doctors an overview over the current state of knowledge and risk assessment of botulinum toxin. This review is based on Information gathered by a systematic analysis of the literature and by contacting experts.
The toxicity of botulinum toxin exceeds any other known natural toxin. Clinical features of botulism consist of an acute, afebrile symmetrical and descending paralysis, regardless of the route of exposure, with normal mental status, sensory functions and electrolyte values. The initial diagnosis is often wrong in individual cases of botulism, but clusters with typical symptoms and two or more cases usually provide the diagnosis.
Current treatment is primarily supportive care, respiratory support and antitoxin administration. Early application of antitoxin can limit the extent of the paralysis, but will not reverse it. Antitoxin for adult patients is of equine origin, while children in the USA can be treated with a recently developed human antitoxin. A pentavalent toxoid vaccine is available for persons at high risk of exposure.
Botulinum toxin is easily extracted and ubiquitously available. These two features, together with the high toxicity, makes misuse easy. Misuse will continue to occur. Although a rare disease in Western Europe, botulism should be included in the differential diagnosis in patients with specific symptoms of paralysis. There is the potential threat of deliberate release of botulinum toxin. For this reason every outbreak of botulism must be assessed for any possible links to terrorism.

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Other titles:Botulism - Prevention, clinical diagnostics, therapy and possible threat
Item Type:Journal Article, refereed, further contribution
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > Epidemiology, Biostatistics and Prevention Institute (EBPI)
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:2008
Deposited On:20 Jan 2009 11:27
Last Modified:06 Dec 2017 16:56
Publisher:Thieme
ISSN:0012-0472
Publisher DOI:https://doi.org/10.1055/s-2008-1075658

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