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Die Schlacht am Morgarten aus geo-wissenschaftlicher Sicht. Rekonstruktion des Landschaftsbildes mit Hilfe eines multidisziplinären Ansatzes


Egli, Markus; Maisch, Max (2015). Die Schlacht am Morgarten aus geo-wissenschaftlicher Sicht. Rekonstruktion des Landschaftsbildes mit Hilfe eines multidisziplinären Ansatzes. Der Geschichtsfreund, 168:117-147.

Abstract

Die «Schlacht am Morgarten» bleibt wegen der unklaren historischen Quel- lenlage und mangels gesicherter Befunde in zentralen Aspekten weiterhin heftig umstritten. Hergang und Ausgang der kriegerischen Ereignisse scheinen nicht zuletzt auch von geographischen und topographischen Gegebenheiten, insbesondere der Ausdehnung des Ägerisees und der angrenzenden Sumpfgebiete, beeinflusst worden zu sein. Mit Schwergewicht auf dem Gebiet des südlichen Ufersaums wurde mit einem breit gefächerten geo-wissenschaftlichen Ansatz versucht, die Schwankungen des Ägerisees seit der letzten Eiszeit herzuleiten und insbesondere die Uferlinie zum Zeitpunkt der Morgartenschlacht zu rekonstruieren. Zur Anwendung kamen neben einer geomorphologischen Bestandesaufnahme die Beprobung und Datierung verschiedener Torfprofile (14C-Methode), geoelektrische Sondierungen und chemische Analysen des Untergrundes, die Interpretation von detaillierten Bodenkartierungen sowie die Sichtung archäologischer Befunde mit Alters- und Höhenbezug zum ehemaligen Seespiegel.
Am Ende der letzten Eiszeit existierte nach dem Schwund des Reuss-/Muota- gletschers ein erster, durch Moränen gestauter See mit einer gegenüber heute (724 m ü. M.) deutlich erhöhten Uferlinie zwischen 750 bis 760 m ü. M. Im Zuge eines womöglich durch ein Erdbeben ausgelösten Bruches des Moränendammes bei Unterägeri sank der Seespiegel noch im Spätglazial innert kurzer Zeit um 25 Meter. Vor rund 5000 Jahren lag der Seespiegel nachweisbar auf 732 m ü. M. und schwankte während der Römerzeit (hier belegt um 82–221 AD) zwischen 724 und 727 m ü. M. Basierend auf Radiokarbondatierungen und Altersabschätzungen anhand von Bodenbildungsparametern lag der Seespiegel zur Zeit der Schlacht am Morgarten bei 726 bis maximal 727 m ü. M. und damit – entgegen einer früheren Hypothese (um 730 bis 731 m ü. M.) – nur ca. 2 bis maximal 3 Meter höher als heute. Daneben existierten – unter generell kühlen und feuchten Klimaverhältnissen – mehrere kleinere Tümpel und versumpfte Flächen, welche die engen Platzverhältnisse im vermuteten Kampfgebiet akzentuiert und sowohl die Anmarschrouten (eher entlang der trockeneren Route zwischen Tschupplen und Figlen) wie auch die Fluchtwege (über das Moorgebiet Rieter) beeinflusst haben könnten. Mit den neuen Fakten lassen sich zwar nicht alle bis dato offenen Fragen zum «Morgartenmythos» beantworten. Es konnten aber wichtige Informationen zu verschiedenen Aspekten des Landschaftsbildes und zu den natürlichen Rahmenbedingungen zur Zeit der Schlacht am Morgarten dazugewonnen und präziser eingegrenzt werden.

Abstract

Die «Schlacht am Morgarten» bleibt wegen der unklaren historischen Quel- lenlage und mangels gesicherter Befunde in zentralen Aspekten weiterhin heftig umstritten. Hergang und Ausgang der kriegerischen Ereignisse scheinen nicht zuletzt auch von geographischen und topographischen Gegebenheiten, insbesondere der Ausdehnung des Ägerisees und der angrenzenden Sumpfgebiete, beeinflusst worden zu sein. Mit Schwergewicht auf dem Gebiet des südlichen Ufersaums wurde mit einem breit gefächerten geo-wissenschaftlichen Ansatz versucht, die Schwankungen des Ägerisees seit der letzten Eiszeit herzuleiten und insbesondere die Uferlinie zum Zeitpunkt der Morgartenschlacht zu rekonstruieren. Zur Anwendung kamen neben einer geomorphologischen Bestandesaufnahme die Beprobung und Datierung verschiedener Torfprofile (14C-Methode), geoelektrische Sondierungen und chemische Analysen des Untergrundes, die Interpretation von detaillierten Bodenkartierungen sowie die Sichtung archäologischer Befunde mit Alters- und Höhenbezug zum ehemaligen Seespiegel.
Am Ende der letzten Eiszeit existierte nach dem Schwund des Reuss-/Muota- gletschers ein erster, durch Moränen gestauter See mit einer gegenüber heute (724 m ü. M.) deutlich erhöhten Uferlinie zwischen 750 bis 760 m ü. M. Im Zuge eines womöglich durch ein Erdbeben ausgelösten Bruches des Moränendammes bei Unterägeri sank der Seespiegel noch im Spätglazial innert kurzer Zeit um 25 Meter. Vor rund 5000 Jahren lag der Seespiegel nachweisbar auf 732 m ü. M. und schwankte während der Römerzeit (hier belegt um 82–221 AD) zwischen 724 und 727 m ü. M. Basierend auf Radiokarbondatierungen und Altersabschätzungen anhand von Bodenbildungsparametern lag der Seespiegel zur Zeit der Schlacht am Morgarten bei 726 bis maximal 727 m ü. M. und damit – entgegen einer früheren Hypothese (um 730 bis 731 m ü. M.) – nur ca. 2 bis maximal 3 Meter höher als heute. Daneben existierten – unter generell kühlen und feuchten Klimaverhältnissen – mehrere kleinere Tümpel und versumpfte Flächen, welche die engen Platzverhältnisse im vermuteten Kampfgebiet akzentuiert und sowohl die Anmarschrouten (eher entlang der trockeneren Route zwischen Tschupplen und Figlen) wie auch die Fluchtwege (über das Moorgebiet Rieter) beeinflusst haben könnten. Mit den neuen Fakten lassen sich zwar nicht alle bis dato offenen Fragen zum «Morgartenmythos» beantworten. Es konnten aber wichtige Informationen zu verschiedenen Aspekten des Landschaftsbildes und zu den natürlichen Rahmenbedingungen zur Zeit der Schlacht am Morgarten dazugewonnen und präziser eingegrenzt werden.

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Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:07 Faculty of Science > Institute of Geography
Dewey Decimal Classification:910 Geography & travel
Language:German
Date:2015
Deposited On:21 Jan 2016 12:22
Last Modified:08 Dec 2017 17:51
Publisher:Historischer Verein Zentralschweiz
ISSN:1421-2919
Related URLs:http://www.hvz.ch/inh/0302-gfdaktuell.htm (Publisher)

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