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Neuroenhancement an Schulen und Universitäten: Bemerkungen zum Bildungsrecht in Deutschland und der Schweiz


Schiess Rütimann, Patricia M (2016). Neuroenhancement an Schulen und Universitäten: Bemerkungen zum Bildungsrecht in Deutschland und der Schweiz. In: Lindner, Josef Franz. Die neuronale Selbstbestimmung des Menschen – Grundlagen und Gefährdungen. Baden-Baden: Nomos, 169-213.

Abstract

Dieser Beitrag fragt nach den Gefahren von Neuroenhancement für die konsumierenden Schüler und Studenten, für ihre Mitschüler respektive Kommilitonen und für die Bildungsinstitutionen. Neuroenhancement meint, dass gesunde Schüler und Studierende pharmakologische Stoffe einneh-men, von denen sie eine leistungssteigernde Wirkung erwarten, und zwar insbesondere während der Prüfungsvorbereitung, unmittelbar vor einem Examen oder während der Prüfung. Ob die Einnahme der betreffenden Substanzen den Konsumenten tatsächlich einen Vorteil verschafft und wie er straf- oder medizinrechtlich zu würdigen wäre, ist nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, ob der Einsatz von leistungssteigernden Stoffen in Deutschland und der Schweiz einen Prüfungsbetrug darstellt und ob Schulen und Universitäten gemäss geltendem Recht Sanktionen wegen des Konsums von leistungssteigernden pharmakologischen Stoffen aussprechen dürfen. In einem nächsten Schritt wird untersucht, ob ein Verbot des Neuroenhancement an Schulen und Universitäten mit Blick auf den Auftrag der verschiedenen Bildungsinstitutionen, unter Berücksichtigung der Rechts- und der Chancengleichheit sowie des Schutzes der Gesundheit der Schüler und Studierenden zulässig wäre und welche Herausforderungen sich dem Gesetzgeber bei der Implementierung eines Verbots stellen würden. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass es kein entsprechendes Verbot für Arbeitnehmende gibt, dass es schwierig wäre, lediglich einzelne Substanzen zu verbieten, dass einzelne kranke Schüler (insbesondere solche mit ADHS) auf die Behandlung mit den für ihre gesunden Kollegen verbotenen Medikamenten angewiesen sind und dass der Besuch von Nachhilfeunterricht oder andere nur gegen Bezahlung erhältliche Fördermittel, die nur Kindern begüterter Eltern offenstehen, nicht verboten sind. Zuletzt wird zusammengetragen, welche anderen Massnahmen Schulen und Universitäten ergreifen können, um ihre Schüler und Studenten vor der Einnahme von Neuroenhancern und deren möglichen schädlichen Nebenwirkungen zu bewahren. Es sind dies insbesondere Information und Prävention oder das Anpassen der Prüfungsgestaltung und die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Angeboten zu Lerntechniken. Der Illustration dienen die einschlägigen Normen für die Schulen und Universitäten aus Bayern und aus dem Kanton Zürich. This article analyzes if schools and universities in Germany (e.g. Bavaria) and in Switzerland (e.g. Canton of Zurich) are – according to current law – entitled to impose sanctions against healthy teenagers and young adults who use substances to enhance mood or cognitive function before exams. In a second step, the article answers the question whether or not neuroenhancement in schools and universities could be de lege ferenda prohibited.

Abstract

Dieser Beitrag fragt nach den Gefahren von Neuroenhancement für die konsumierenden Schüler und Studenten, für ihre Mitschüler respektive Kommilitonen und für die Bildungsinstitutionen. Neuroenhancement meint, dass gesunde Schüler und Studierende pharmakologische Stoffe einneh-men, von denen sie eine leistungssteigernde Wirkung erwarten, und zwar insbesondere während der Prüfungsvorbereitung, unmittelbar vor einem Examen oder während der Prüfung. Ob die Einnahme der betreffenden Substanzen den Konsumenten tatsächlich einen Vorteil verschafft und wie er straf- oder medizinrechtlich zu würdigen wäre, ist nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, ob der Einsatz von leistungssteigernden Stoffen in Deutschland und der Schweiz einen Prüfungsbetrug darstellt und ob Schulen und Universitäten gemäss geltendem Recht Sanktionen wegen des Konsums von leistungssteigernden pharmakologischen Stoffen aussprechen dürfen. In einem nächsten Schritt wird untersucht, ob ein Verbot des Neuroenhancement an Schulen und Universitäten mit Blick auf den Auftrag der verschiedenen Bildungsinstitutionen, unter Berücksichtigung der Rechts- und der Chancengleichheit sowie des Schutzes der Gesundheit der Schüler und Studierenden zulässig wäre und welche Herausforderungen sich dem Gesetzgeber bei der Implementierung eines Verbots stellen würden. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass es kein entsprechendes Verbot für Arbeitnehmende gibt, dass es schwierig wäre, lediglich einzelne Substanzen zu verbieten, dass einzelne kranke Schüler (insbesondere solche mit ADHS) auf die Behandlung mit den für ihre gesunden Kollegen verbotenen Medikamenten angewiesen sind und dass der Besuch von Nachhilfeunterricht oder andere nur gegen Bezahlung erhältliche Fördermittel, die nur Kindern begüterter Eltern offenstehen, nicht verboten sind. Zuletzt wird zusammengetragen, welche anderen Massnahmen Schulen und Universitäten ergreifen können, um ihre Schüler und Studenten vor der Einnahme von Neuroenhancern und deren möglichen schädlichen Nebenwirkungen zu bewahren. Es sind dies insbesondere Information und Prävention oder das Anpassen der Prüfungsgestaltung und die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Angeboten zu Lerntechniken. Der Illustration dienen die einschlägigen Normen für die Schulen und Universitäten aus Bayern und aus dem Kanton Zürich. This article analyzes if schools and universities in Germany (e.g. Bavaria) and in Switzerland (e.g. Canton of Zurich) are – according to current law – entitled to impose sanctions against healthy teenagers and young adults who use substances to enhance mood or cognitive function before exams. In a second step, the article answers the question whether or not neuroenhancement in schools and universities could be de lege ferenda prohibited.

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Item Type:Book Section, refereed, original work
Communities & Collections:02 Faculty of Law > Institute of Legal Sciences > Civil Law
Dewey Decimal Classification:340 Law
Uncontrolled Keywords:Neuroenhancement Hirndoping Schule Universität Ausbildung Prüfung Prüfungsbetrug Examen Leistung ADHS Selbstbestimmung Lernen Rechtsgleichheit Chancengleichheit
Language:German
Date:2016
Deposited On:13 Oct 2016 12:32
Last Modified:13 Oct 2016 12:34
Publisher:Nomos
Number:22
ISBN:978-3-8487-3279-1
Related URLs:http://www.nomos-shop.de/Lindner-neuronale-Selbstbestimmung-Menschen/productview.aspx?product=27755 (Publisher)

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