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Das Image der Nomaden: Im Alten Israel und in der Ikonographie seiner sesshaften Nachbarn - Zurich Open Repository and Archive


Staubli, Thomas (1991). Das Image der Nomaden: Im Alten Israel und in der Ikonographie seiner sesshaften Nachbarn. Freiburg / Göttingen: Universitätsverlag / Vandenhoeck & Ruprecht.

Abstract

Die Soziologie, die Anthropologie und neuerdings auch die Ethnoarchäologie beschäftigen sich immer häufiger mit nicht-sesshaften Bevölkerungsgruppen im Alten Orient. Dabei stehen alte Texte, Survey-Daten und ethnologisches Vergleichsmaterial als Arbeitsgrundlagen im Vordergrund. In der vorliegenden Arbeit werden die of vernachlässigten altorientalischen Bilddokumente ausgewertet, welche - meistens aus der Perspektive der Sesshaften - nomadische Gruppen abbilden.
Diese Bilddokumente werden in einem ersten Teil nach Grossregionen erfasst und in ihren geopolitischen Kontext gestellt. In Ägypten, wo die Grenzen zwischen Kulturland und Wüste sehr klar verlaufen, gibt es eine gewisse Tradition der Zusammenarbeit mit Nomaden als Viehzüchtern, Erzschürfern oder Reiseleitern im Ausland und der Aufnahme solcher Gruppen in Hungerzeiten. In den Zeiten ägyptischer Dominanz in Vorderasien herrscht jedoch das Bild der barbarischen Feindesmasse vor, und Nomaden werden nur noch als Söldner integriert. In Mesopotamien führen die di- und polymorphen Zonen des Landes zu vielgestaltigen Interaktionen und besonders unter assyrischer Vorherrschaft zu einer Situation des "permanenten Krieges", welche auf grossen Palastreliefs ihren Niederschlag finden. Während Nomaden in diesen Zentren der sesshaften Kultur mehrheitlich als Negativfolie für die Propaganda der eigenen Lebensart missbraucht werden, fliessen in den Randregionen Syriens und Palästinas auch positive Elemente in die Kunst ein, besonders im Motiv des auf einem Esel reitenden Fürsten, in Palmyra auch in Gestalt nomadischer Sitten und Gebräuche.
Der zweite Teil, der sich mit nomadischen Zeichen und Strukturen, aber auch grösseren, für das Nomaden-Image aufschlussreichen Texteinheiten im Alten Testament beschäftigt, macht deutlich, dass in Altisrael selber distanzierte und intime Betrachtungen des Nomadentums möglich waren. Verantwortlich dafür war die äusserst polymorphe Struktur des Landes. Am Rande einer vorwiegend bäuerlichen Kultur mit wenigen kleinen, städtischen Zentren waren immer Nomaden präsent, die in Zeiten kultureller Dekadenz als Usurpatoren verlassener Landstriche an Bedeutung gewannen. Das Nomadentum als Lebensideal gab es nicht. Der Einfluss seiner akephalen Sippenstruktur war jedoch in vielen Lebensbereichen bestimmend. Man fühlte sich mit nomadisierenden Stämmen der Nachbarschaft verwandt, betrachtete andererseits aber eindringende Gruppen als Feinde.
Das Image der Nomaden erweist sich somit als sehr facettenreicher als das bei uns noch vorherrschende Klischee umherziehender Hirten. Die daraus für uns resultierenden terminologischen Unsicherheiten werden durch ikonographische Anschaulichkeit kompensiert. Die nomadische Lebensweise wird zudem durch die Deutung des Bildmaterials aus dem Dunkel der Geschichtslosigkeit herausgerissen. Wie sich besonders anhand der Kameldomestizierung und des Zeltbaus zeigen lässt, hat das Nomadentum für den ganzen Orient bedeutsame Entwicklungen vorzuweisen.

Abstract

Die Soziologie, die Anthropologie und neuerdings auch die Ethnoarchäologie beschäftigen sich immer häufiger mit nicht-sesshaften Bevölkerungsgruppen im Alten Orient. Dabei stehen alte Texte, Survey-Daten und ethnologisches Vergleichsmaterial als Arbeitsgrundlagen im Vordergrund. In der vorliegenden Arbeit werden die of vernachlässigten altorientalischen Bilddokumente ausgewertet, welche - meistens aus der Perspektive der Sesshaften - nomadische Gruppen abbilden.
Diese Bilddokumente werden in einem ersten Teil nach Grossregionen erfasst und in ihren geopolitischen Kontext gestellt. In Ägypten, wo die Grenzen zwischen Kulturland und Wüste sehr klar verlaufen, gibt es eine gewisse Tradition der Zusammenarbeit mit Nomaden als Viehzüchtern, Erzschürfern oder Reiseleitern im Ausland und der Aufnahme solcher Gruppen in Hungerzeiten. In den Zeiten ägyptischer Dominanz in Vorderasien herrscht jedoch das Bild der barbarischen Feindesmasse vor, und Nomaden werden nur noch als Söldner integriert. In Mesopotamien führen die di- und polymorphen Zonen des Landes zu vielgestaltigen Interaktionen und besonders unter assyrischer Vorherrschaft zu einer Situation des "permanenten Krieges", welche auf grossen Palastreliefs ihren Niederschlag finden. Während Nomaden in diesen Zentren der sesshaften Kultur mehrheitlich als Negativfolie für die Propaganda der eigenen Lebensart missbraucht werden, fliessen in den Randregionen Syriens und Palästinas auch positive Elemente in die Kunst ein, besonders im Motiv des auf einem Esel reitenden Fürsten, in Palmyra auch in Gestalt nomadischer Sitten und Gebräuche.
Der zweite Teil, der sich mit nomadischen Zeichen und Strukturen, aber auch grösseren, für das Nomaden-Image aufschlussreichen Texteinheiten im Alten Testament beschäftigt, macht deutlich, dass in Altisrael selber distanzierte und intime Betrachtungen des Nomadentums möglich waren. Verantwortlich dafür war die äusserst polymorphe Struktur des Landes. Am Rande einer vorwiegend bäuerlichen Kultur mit wenigen kleinen, städtischen Zentren waren immer Nomaden präsent, die in Zeiten kultureller Dekadenz als Usurpatoren verlassener Landstriche an Bedeutung gewannen. Das Nomadentum als Lebensideal gab es nicht. Der Einfluss seiner akephalen Sippenstruktur war jedoch in vielen Lebensbereichen bestimmend. Man fühlte sich mit nomadisierenden Stämmen der Nachbarschaft verwandt, betrachtete andererseits aber eindringende Gruppen als Feinde.
Das Image der Nomaden erweist sich somit als sehr facettenreicher als das bei uns noch vorherrschende Klischee umherziehender Hirten. Die daraus für uns resultierenden terminologischen Unsicherheiten werden durch ikonographische Anschaulichkeit kompensiert. Die nomadische Lebensweise wird zudem durch die Deutung des Bildmaterials aus dem Dunkel der Geschichtslosigkeit herausgerissen. Wie sich besonders anhand der Kameldomestizierung und des Zeltbaus zeigen lässt, hat das Nomadentum für den ganzen Orient bedeutsame Entwicklungen vorzuweisen.

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Item Type:Monograph
Communities & Collections:Special Collections > Orbis Biblicus et Orientalis
Dewey Decimal Classification:200 Religion
290 Other religions
930 History of ancient world (to ca. 499)
Language:German
Date:1991
Deposited On:11 Jul 2017 12:54
Last Modified:11 Jul 2017 13:06
Publisher:Universitätsverlag / Vandenhoeck & Ruprecht
Series Name:Orbis Biblicus et Orientalis
Volume:107
Number of Pages:308
ISBN:3-7278-0769-5
Additional Information:Digitalisat erstellt durch Florian Lippke, Departement für Biblische Studien, Universität Freiburg Schweiz.
Related URLs:http://www.zora.uzh.ch/54117/

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