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Der Wille zum Sozialen – Lars Clausen und die „Wiederbelebung“ des „Kieler Hausgeistes“ Ferdinand Tönnies


Merz-Benz, Peter-Ulrich (2016). Der Wille zum Sozialen – Lars Clausen und die „Wiederbelebung“ des „Kieler Hausgeistes“ Ferdinand Tönnies. In: Geschlossene Gesellschaften - 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Bamberg, 26 September 2016 - 30 September 2016.

Abstract

»Als wir [1980] das erste Tönnies-Symposion organisierten«, war – wie Lars Clausen in ›Meine Einführung in die Soziologie‹ festhält – Tönnies »fast schon tot«. Tönnies wurde jedoch wiederbelebt, auch und gerade durch die aufkommende Tönnies-Forschung, es erscheint sein Gesamtwerk – dank Lars Clausen –, und jetzt gilt es, die Auseinanderset­zung mit Tönnies weiterzuführen, sprich: Tönnies’ Soziologie dauerhaft ›am Leben‹ zu halten. Dies kann nur heißen, Tönnies’ Soziologie, näherhin seine soziologische Theorie in Kategorien der modernen Soziologie zu übersetzen, mithin die Voraussetzungen schaffend für die (weitere) Bestimmung aktueller sozialer Phänomene – und vielleicht vermögen von Tönnies aus ja sogar Defizite der ›modernen‹ soziologischen Theorie(n) aufgewiesen zu werden. Eine Schlüsselstellung kommt hierbei dem Begriff des Willens zu, auf dessen Bedeutung für die Soziologie auch Lars Clausen wiederholt hingewiesen hat. ›Soziale Verhältnisse zu begreifen stellt‹– so Tönnies – ›die Aufgabe einer theoretischen Wissenschaft‹, der Soziologie ›dar‹. ›Nur der Gedanke vermag‹ die ›Objekte‹ dieser Wissenschaft ›zu erkennen‹. Dazu aber bedarf die Soziologie der entsprechenden Kategorien, wie eben der Kategorie des Willens. Für Tönnies gilt: Der Begriff des Willens als Begriff von Kollektivgebilden, von etwas ›Geltensollendem‹, ist die Möglichkeitsbedin­gung zur Denkbar- und Darstellbarmachung der Aufrechterhaltung von Sozialformen im menschlichen Handelns und durch dieses. Allein mittels handlungstheoretischer Katego­rien vermögen soziale Gebilde nicht bestimmt zu werden. Von hier aus führt der Weg direkt zu Tönnies‘ Kritik an Max Weber den Begriff des ›eigentlichen Gegenstands der theoretischen [...] Soziologie‹ betreffend, zur Rekonstruktion der Tönniesschen Begriffe von Gemeinschaft und Gesellschaft in Kategorien der Handlungstheorie durch Talcott Parsons sowie zur modernen Handlungstheorie. Das Wichtigste aber ist: am Leitfaden des Willensbegriffs ist es möglich, in die prärationale Sphäre der Sozialwelt vorzustoßen

Abstract

»Als wir [1980] das erste Tönnies-Symposion organisierten«, war – wie Lars Clausen in ›Meine Einführung in die Soziologie‹ festhält – Tönnies »fast schon tot«. Tönnies wurde jedoch wiederbelebt, auch und gerade durch die aufkommende Tönnies-Forschung, es erscheint sein Gesamtwerk – dank Lars Clausen –, und jetzt gilt es, die Auseinanderset­zung mit Tönnies weiterzuführen, sprich: Tönnies’ Soziologie dauerhaft ›am Leben‹ zu halten. Dies kann nur heißen, Tönnies’ Soziologie, näherhin seine soziologische Theorie in Kategorien der modernen Soziologie zu übersetzen, mithin die Voraussetzungen schaffend für die (weitere) Bestimmung aktueller sozialer Phänomene – und vielleicht vermögen von Tönnies aus ja sogar Defizite der ›modernen‹ soziologischen Theorie(n) aufgewiesen zu werden. Eine Schlüsselstellung kommt hierbei dem Begriff des Willens zu, auf dessen Bedeutung für die Soziologie auch Lars Clausen wiederholt hingewiesen hat. ›Soziale Verhältnisse zu begreifen stellt‹– so Tönnies – ›die Aufgabe einer theoretischen Wissenschaft‹, der Soziologie ›dar‹. ›Nur der Gedanke vermag‹ die ›Objekte‹ dieser Wissenschaft ›zu erkennen‹. Dazu aber bedarf die Soziologie der entsprechenden Kategorien, wie eben der Kategorie des Willens. Für Tönnies gilt: Der Begriff des Willens als Begriff von Kollektivgebilden, von etwas ›Geltensollendem‹, ist die Möglichkeitsbedin­gung zur Denkbar- und Darstellbarmachung der Aufrechterhaltung von Sozialformen im menschlichen Handelns und durch dieses. Allein mittels handlungstheoretischer Katego­rien vermögen soziale Gebilde nicht bestimmt zu werden. Von hier aus führt der Weg direkt zu Tönnies‘ Kritik an Max Weber den Begriff des ›eigentlichen Gegenstands der theoretischen [...] Soziologie‹ betreffend, zur Rekonstruktion der Tönniesschen Begriffe von Gemeinschaft und Gesellschaft in Kategorien der Handlungstheorie durch Talcott Parsons sowie zur modernen Handlungstheorie. Das Wichtigste aber ist: am Leitfaden des Willensbegriffs ist es möglich, in die prärationale Sphäre der Sozialwelt vorzustoßen

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Item Type:Conference or Workshop Item (Speech), refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of Philosophy
Dewey Decimal Classification:100 Philosophy
Uncontrolled Keywords:Wille; Vertrag; Sozialverhältnis; Sozialität; Gemeinschaft und Gesellschaft; Handlungstheorie
Language:German
Event End Date:30 September 2016
Deposited On:11 Jan 2018 13:13
Last Modified:02 Feb 2018 12:34
Publisher:s.n.
OA Status:Green
Official URL:http://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband_2016/article/view/710

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