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Digitale Vernetzung und Qualitätsmessung Ausgangslage und Ergebnisse in der Schweizer Grundversorgung


Djalali, Sima. Digitale Vernetzung und Qualitätsmessung Ausgangslage und Ergebnisse in der Schweizer Grundversorgung. 2017, University of Zurich, Faculty of Medicine.

Abstract

Die stete Zunahme chronisch kranker und multimorbider Menschen stellt traditionelle Gesundheitssysteme weltweit vor eine grosse Herausforderung. Insbesondere hochspezialisierte, multisektorielle Gesundheitssysteme wie in der Schweiz stossen an ihre Grenzen, weil geeignete Infrastrukturen und Betreuungsressourcen für die proaktive, koordinierte Versorgung dieser Menschen fehlen. Allen diesbezüglich entwickelten neuen Ansätzen für die Versorgung sind zwei Kernelemente gemein: 1) Die Vernetzung aller an einer Behandlung beteiligten Leistungserbringer über traditionelle Grenzen der Versorgungssektoren und -ebenen hinweg und 2) kontinuierliches Qualitätsmanagement. Implizite Voraussetzung für beides ist die Verfügbarkeit und standardisierte Nutzung von Informationstechnologie (IT) im Praxisalltag der Leistungserbringer. Digitale Vernetzung und Qualitätsmessung werden damit einerseits zum Schlüsselfaktor für die Umsetzung neuer Versorgungsmodelle, andererseits für ihre Evaluation. Die verfügbaren Daten ermöglichen Versorgungsforschung zur Beurteilung der tatsächlichen Effekte neuer Behandlungsformen, und liefern damit evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen für die Restrukturierung des Gesundheitswesens. In dieser Habilitationsschrift werden drei Arbeiten vorgestellt, die die Ausgangslage für die digitale Vernetzung und Qualitätsmessung in der ambulanten medizinischen Grundversorgung der Schweiz untersuchen und erste klinische Qualitätsmessungen im Rahmen eines Forschungsnetzwerks in der Hausarztmedizin darstellen. Zunächst eine Querschnittsstudie, in der der aktuelle Stand der IT-Implementierung in der ambulanten Gesundheitsversorgung der Schweiz untersucht wurde. Besonderer Fokus lag auf der Nutzung strukturierter elektronischer Daten im Vergleich zu unstrukturierten elektronischen Einträgen und papierbasierter Dokumentation. Dies, weil strukturierte elektronische Daten die Voraussetzung für die Erfassung von Prozess- und Outcomeindikatoren für die Qualitätsmessung darstellen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen konkret auf, wo Implementierungsdefizite bestehen. Dann folgen zwei Analysen von Daten aus dem FIRE («Family medicine ICPC Research using Electronic medical records») Projekt, einem hausärztlichen Forschungsnetzwerk, in dessen Datenbank seit 2009 anonymisierte strukturierte elektronische Daten aus der hausärztlichen Routineversorgung der Schweiz gesammelt werden. 3 Die erste Analyse untersucht, ob die verfügbaren strukturierten Daten geeignet sind, um die Qualität der Diabetesversorgung in der Hausarztpraxis mit Indikatoren nach dem Vorbild des britischen «Quality and Outcomes Frameworks» zu messen. Die Diabetesversorgung wurde mit Vorsatz gewählt, weil es sich dabei um eine epidemiologisch relevante Erkrankung handelt, die häufig in der Hausarztpraxis behandelt wird. Die Ergebnisse liefern eine Baseline-Messung der Qualität und zeigen die heute bestehenden Limiten der Qualitätsbeurteilung auf. Die zweite Analyse ist ein Beispiel für Versorgungsforschungsprojekte in der Hausarztmedizin, die mit Hilfe von vollständigen strukturierten elektronischen Datensätzen durchgeführt werden können und zur besseren Adaption von Behandlungsempfehlungen an die Versorgungsrealität der Grundversorgung beitragen. Es wird gezeigt, in welchen Merkmalen sich Hausarzt-Patienten, die eine Langzeittherapie mit Vitamin-K-Antagonisten erhalten, von entsprechenden Patienten in randomisiert-kontrollierten Studien unterscheiden und wie die Qualität der erreichten Antikoagulation (gemessen am International Normalized Ratio [INR]-Wert) differiert. Somit ermöglichen die drei Arbeiten eine Einschätzung darüber, wie bereit die Schweizer Grundversorgung für die nachhaltige Implementierung neuer Versorgungsmodelle ist und welches Qualitätsniveau es in Zukunft zu erhalten, resp. zu erhöhen gilt. In der Habilitationsschrift besprochene Arbeiten 1. Djalali S, Ursprung N, Rosemann T, Senn O, Tandjung R: Undirected health IT implementation in ambulatory care favors paper-based workarounds and limits health data exchange. International Journal of Medical Informatics 2015; 15(84): 920−932. DOI: 10.1016/j.ijmedinf.2015.08.001. 2. Djalali S, Frei A, Tandjung R, Baltensperger A, Rosemann T: Swiss Quality and Outcomes Framework: Quality Indicators for Diabetes Management in Swiss Primary Care based on Electronic Medical Records. Gerontology 2014; 60(3): 263−273. DOI: 10.1159/000357370. 3. Djalali S, Valeri F, Gerber B, Meli D, Senn O: Anticoagulation control in Swiss primary care: Time in therapeutic range percentages exceed benchmarks of phase III trials. Clinical and Applied Thrombosis/Homeostasis 2016; E-Pub first. DOI: 10.1177/1076029616642514

Abstract

Die stete Zunahme chronisch kranker und multimorbider Menschen stellt traditionelle Gesundheitssysteme weltweit vor eine grosse Herausforderung. Insbesondere hochspezialisierte, multisektorielle Gesundheitssysteme wie in der Schweiz stossen an ihre Grenzen, weil geeignete Infrastrukturen und Betreuungsressourcen für die proaktive, koordinierte Versorgung dieser Menschen fehlen. Allen diesbezüglich entwickelten neuen Ansätzen für die Versorgung sind zwei Kernelemente gemein: 1) Die Vernetzung aller an einer Behandlung beteiligten Leistungserbringer über traditionelle Grenzen der Versorgungssektoren und -ebenen hinweg und 2) kontinuierliches Qualitätsmanagement. Implizite Voraussetzung für beides ist die Verfügbarkeit und standardisierte Nutzung von Informationstechnologie (IT) im Praxisalltag der Leistungserbringer. Digitale Vernetzung und Qualitätsmessung werden damit einerseits zum Schlüsselfaktor für die Umsetzung neuer Versorgungsmodelle, andererseits für ihre Evaluation. Die verfügbaren Daten ermöglichen Versorgungsforschung zur Beurteilung der tatsächlichen Effekte neuer Behandlungsformen, und liefern damit evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen für die Restrukturierung des Gesundheitswesens. In dieser Habilitationsschrift werden drei Arbeiten vorgestellt, die die Ausgangslage für die digitale Vernetzung und Qualitätsmessung in der ambulanten medizinischen Grundversorgung der Schweiz untersuchen und erste klinische Qualitätsmessungen im Rahmen eines Forschungsnetzwerks in der Hausarztmedizin darstellen. Zunächst eine Querschnittsstudie, in der der aktuelle Stand der IT-Implementierung in der ambulanten Gesundheitsversorgung der Schweiz untersucht wurde. Besonderer Fokus lag auf der Nutzung strukturierter elektronischer Daten im Vergleich zu unstrukturierten elektronischen Einträgen und papierbasierter Dokumentation. Dies, weil strukturierte elektronische Daten die Voraussetzung für die Erfassung von Prozess- und Outcomeindikatoren für die Qualitätsmessung darstellen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen konkret auf, wo Implementierungsdefizite bestehen. Dann folgen zwei Analysen von Daten aus dem FIRE («Family medicine ICPC Research using Electronic medical records») Projekt, einem hausärztlichen Forschungsnetzwerk, in dessen Datenbank seit 2009 anonymisierte strukturierte elektronische Daten aus der hausärztlichen Routineversorgung der Schweiz gesammelt werden. 3 Die erste Analyse untersucht, ob die verfügbaren strukturierten Daten geeignet sind, um die Qualität der Diabetesversorgung in der Hausarztpraxis mit Indikatoren nach dem Vorbild des britischen «Quality and Outcomes Frameworks» zu messen. Die Diabetesversorgung wurde mit Vorsatz gewählt, weil es sich dabei um eine epidemiologisch relevante Erkrankung handelt, die häufig in der Hausarztpraxis behandelt wird. Die Ergebnisse liefern eine Baseline-Messung der Qualität und zeigen die heute bestehenden Limiten der Qualitätsbeurteilung auf. Die zweite Analyse ist ein Beispiel für Versorgungsforschungsprojekte in der Hausarztmedizin, die mit Hilfe von vollständigen strukturierten elektronischen Datensätzen durchgeführt werden können und zur besseren Adaption von Behandlungsempfehlungen an die Versorgungsrealität der Grundversorgung beitragen. Es wird gezeigt, in welchen Merkmalen sich Hausarzt-Patienten, die eine Langzeittherapie mit Vitamin-K-Antagonisten erhalten, von entsprechenden Patienten in randomisiert-kontrollierten Studien unterscheiden und wie die Qualität der erreichten Antikoagulation (gemessen am International Normalized Ratio [INR]-Wert) differiert. Somit ermöglichen die drei Arbeiten eine Einschätzung darüber, wie bereit die Schweizer Grundversorgung für die nachhaltige Implementierung neuer Versorgungsmodelle ist und welches Qualitätsniveau es in Zukunft zu erhalten, resp. zu erhöhen gilt. In der Habilitationsschrift besprochene Arbeiten 1. Djalali S, Ursprung N, Rosemann T, Senn O, Tandjung R: Undirected health IT implementation in ambulatory care favors paper-based workarounds and limits health data exchange. International Journal of Medical Informatics 2015; 15(84): 920−932. DOI: 10.1016/j.ijmedinf.2015.08.001. 2. Djalali S, Frei A, Tandjung R, Baltensperger A, Rosemann T: Swiss Quality and Outcomes Framework: Quality Indicators for Diabetes Management in Swiss Primary Care based on Electronic Medical Records. Gerontology 2014; 60(3): 263−273. DOI: 10.1159/000357370. 3. Djalali S, Valeri F, Gerber B, Meli D, Senn O: Anticoagulation control in Swiss primary care: Time in therapeutic range percentages exceed benchmarks of phase III trials. Clinical and Applied Thrombosis/Homeostasis 2016; E-Pub first. DOI: 10.1177/1076029616642514

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Item Type:Habilitation
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > University Hospital Zurich > Institute of General Practice
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:2017
Deposited On:25 Jan 2018 10:10
Last Modified:19 Mar 2018 10:10
OA Status:Green

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