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Anti-Ritual, Medieninszenierung und Transnationalität: kulturwissenschaftliche Aspekte von '68'


Fahlenbrach, Kathrin; Klimke, Martin; Scharloth, Joachim (2008). Anti-Ritual, Medieninszenierung und Transnationalität: kulturwissenschaftliche Aspekte von '68'. Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, 21(3):106-117.

Abstract

Historische Bedeutung und Folgen von ‚68‘ lassen sich jenseits der Berücksichtigung kultureller Formen und Praktiken nicht erschließen. Der Beitrag demonstriert daher in drei Fallstudien die Leistungsfähigkeit eines kulturwissenschaftlichen Ansatzes. Erstens lässt sich ‚68‘ als genuin ritualkritische Bewegung interpretieren. Der Protest operierte mit Ritualstörungen und der Entwicklung von ‚Anti-Ritualen‘ (Umfunktionieren von Vorlesungen, Störungen von Staatsbesuchen, Verfahren der Vollversammlung und der öffentlichen Diskussion) und bahnte damit einen kulturellen Wandel an. Wichtige Voraussetzungen der Erzeugung kultureller Resonanzen waren dabei – zweitens – Medieninszenierungen im Kontext einer medienhistorischen Schwellensituation. Mit der Durchsetzung des Fernsehens als Leitmedium stellte sich die mediale Kommunikation auf Prinzipien der Visualität und die Ausrichtung am Spektakulären um und bot selbst angesichts manifester Abgrenzungen dem Protest einen dankbaren Resonanzboden (Ikonisierung des Nacktfotos der Kommunarden, Dutschke-Interview im TV). Die Verwebung instrumenteller und expressiver Protestkommunikation verweist dabei – drittens – auch auf transnationale Dimensionen. Im Rahmen transnationaler Austauschprozesse entwickelte sich die ‚globale Zirkulation eines revoltierenden Lebensstils‘. Die US-amerikanische Friedens- und Bürgerrechtsbewegung (Peace- Zeichen, Sit-Ins), aber auch nationale Befreiungsbewegungen der Dritten Welt (Che Guevara-, Ho Chi Minh-Portraits) fungierten dabei als symbolisches Reservoir. Die so entstandene internationale Protestidentität stellt ein wesentliches Charakteristikum der 68er-Bewegung dar. Als Langzeitfolge bleibt jenseits einer mythisierten Avantgarderolle der 68er die erhebliche Erweiterung des soziokulturellen Spektrums der Bundesrepublik festzuhalten.

Abstract

Historische Bedeutung und Folgen von ‚68‘ lassen sich jenseits der Berücksichtigung kultureller Formen und Praktiken nicht erschließen. Der Beitrag demonstriert daher in drei Fallstudien die Leistungsfähigkeit eines kulturwissenschaftlichen Ansatzes. Erstens lässt sich ‚68‘ als genuin ritualkritische Bewegung interpretieren. Der Protest operierte mit Ritualstörungen und der Entwicklung von ‚Anti-Ritualen‘ (Umfunktionieren von Vorlesungen, Störungen von Staatsbesuchen, Verfahren der Vollversammlung und der öffentlichen Diskussion) und bahnte damit einen kulturellen Wandel an. Wichtige Voraussetzungen der Erzeugung kultureller Resonanzen waren dabei – zweitens – Medieninszenierungen im Kontext einer medienhistorischen Schwellensituation. Mit der Durchsetzung des Fernsehens als Leitmedium stellte sich die mediale Kommunikation auf Prinzipien der Visualität und die Ausrichtung am Spektakulären um und bot selbst angesichts manifester Abgrenzungen dem Protest einen dankbaren Resonanzboden (Ikonisierung des Nacktfotos der Kommunarden, Dutschke-Interview im TV). Die Verwebung instrumenteller und expressiver Protestkommunikation verweist dabei – drittens – auch auf transnationale Dimensionen. Im Rahmen transnationaler Austauschprozesse entwickelte sich die ‚globale Zirkulation eines revoltierenden Lebensstils‘. Die US-amerikanische Friedens- und Bürgerrechtsbewegung (Peace- Zeichen, Sit-Ins), aber auch nationale Befreiungsbewegungen der Dritten Welt (Che Guevara-, Ho Chi Minh-Portraits) fungierten dabei als symbolisches Reservoir. Die so entstandene internationale Protestidentität stellt ein wesentliches Charakteristikum der 68er-Bewegung dar. Als Langzeitfolge bleibt jenseits einer mythisierten Avantgarderolle der 68er die erhebliche Erweiterung des soziokulturellen Spektrums der Bundesrepublik festzuhalten.

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Item Type:Journal Article, not refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of German Studies
Dewey Decimal Classification:430 German & related languages
Language:German
Date:2008
Deposited On:27 Feb 2009 12:17
Last Modified:06 Dec 2017 19:01
Publisher:Lucius & Lucius
ISSN:0933-9361
Additional Information:Titel von Heft Nr. 3: 1968 – Alles nur Geschichte? Aktualität und Folgen eines bewegten Jahres
Official URL:http://fjnsb.parallel-universum.info/fjnsb/pages/jahrgang/2008/inhalt308.htm
Related URLs:http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=001371340

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