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Promillegehalt, Rückfälligkeit und Unfallbeteiligung beim Fahren in angetrunkenem Zustand (FiaZ)


Gassmann, M D. Promillegehalt, Rückfälligkeit und Unfallbeteiligung beim Fahren in angetrunkenem Zustand (FiaZ). 2009, University of Zurich, Faculty of Medicine.

Abstract

Bis anhin gilt in der Schweiz, dass sich Personen ab einer Alkoholisierung von mindestens 2.50 Gew.‰ bei einem erstmaligen FiaZ-Ereignis einer verkehrsmedizinischen Untersuchung unterziehen müssen. In den meisten europäischen Ländern liegt diese Grenze bei einer Alko- holisierung von > 1.60 Gew.‰ und tiefer. Bei dieser Arbeit ging es darum, anhand von ver- schiedenen Kriterien festzustellen, ob dieser Unterschied weiterhin gerechtfertigt ist oder ob in der Schweiz eine Anpassung mit Herabsetzung dieser Grenze zu empfehlen wäre.
Im Jahr 2001 wurde am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich das Blut von insgesamt 4 222 Fahrzeuglenkern, die ein FiaZ-Delikt mit mindestens 0.80 Gew.‰ Alkohol begangen hatten, analysiert. Dieses Kollektiv entspricht rund einem Viertel (23 %) aller FiaZ- Fälle der Schweiz in diesem Jahr (2001). [1]
Das gesamte 2001er-Kollektiv wurde in verschiedene Promillekategorien unterteilt und in Bezug auf Häufigkeit, Geschlecht, Alter, Ereigniszeitpunkt sowie Unfallbeteiligung evaluiert. Durch die Erhebung der „FiaZ-Anamnese“ für die 10 Jahre vor dem Ereignis (seit 1991) und der Zeit nach dem Ereignis bis Ende 2007 konnte sowohl die Häufigkeit der FiaZ-Vorfälle insgesamt als auch die Relation zur einzelnen Promillekategorie und die jeweilige Unfall- beteiligung festgestellt werden.
Von den 4 222 Fahrzeuglenkern waren 29 % (n = 1 211) in der Promillekategorie 0.80- 1.19Gew.‰ und 30% (n=1270) in der Kategorie 1.20-1.59Gew.‰ zu finden. 22% (n = 933) hatten eine Alkoholisierung von 1.60-1.99 Gew.‰ und 14 % (n = 583) eine solche von 2.00-2.49 Gew.‰. Die Gruppe der mit 2.50 Gew.‰ & > Alkoholisierten machte 5 % (n = 225) aus. 11 % waren Frauen (n = 480). Dieser Anteil ist auch unter Berücksichtigung des Anteils der Frauen, die im Besitz eines Führerausweises sind, als sehr tief zu bezeichnen. [2]
Bei der Betrachtung des Alkoholisierungsgrades nach Alterskategorien zeigte sich, dass die jüngsten Fahrzeuglenker (16-25J.) insgesamt zu 20% (n=825) beteiligt waren, davon annähernd die Hälfte (45 %) mit einer Alkoholisierung in der tiefsten Promillekategorie. Bei den übrigen Altersgruppen liess sich eher eine gleichmässige Verteilung der Vorfälle auf alle Promillekategorien feststellen.
Die zeitliche Erhebung zeigte eine Häufung der erfassten FiaZ-Delikte in einem Zeitraum zwischen Mitternacht und 3:59 h (48 %). Anteilsmässig fanden sich in diesen Stunden am wenigsten Personen mit einer hohen Alkoholisierung.
Insgesamt standen 32 % (n = 1 364) der FiaZ-Delikte im Zusammenhang mit einem Unfall- geschehen. Mit steigender Promillekategorie wurde eine höhere Unfallbeteiligung festgestellt: von 27 % bei einer Alkoholisierung von 0.80-1.19 Gew.‰ auf 31 % bei Fahrzeuglenkern mit 1.20-1.59 Gew.‰, auf 36 % in einem Bereich von 1.60-1.99 Gew.‰, auf 38 % bei den mit 2.00-2.49 Gew.‰ Alkoholisierten und letztlich auf 34 % Unfallbeteiligung bei der höchsten Promillekategorie mit 2.50 Gew.‰ & >. Hinsichtlich der verursachten Unfälle waren absolut betrachtet die Lenker im Alter von 26-35 Jahren mit 27 % (n = 362) am häufigsten beteiligt. Auffällig war, dass die jüngsten Fahrzeuglenker (16-25 J.) in jedem Promillebereich einen überdurchschnittlich hohen Unfallanteil aufwiesen. Die Gruppe der ältesten Fahrzeuglenker (66 Jahre und älter) machte am Gesamtkollektiv der Unfälle nur einen kleinen Anteil aus (4 %, n = 49). Gemessen an der Anzahl FiaZ-Vorfälle, die diese Altersgruppe verursachte, waren sie jedoch mit 48 % überdurchschnittlich häufig an Unfällen beteiligt.
Innerhalb des gesamten beobachteten Zeitraums von 1991 bis 2007 lenkten 30 % oder 1 282 Personen des Gesamtkollektivs (n = 4 222) ihr Fahrzeug mehr als einmal alkoholisiert. Von der Lenkergruppe aus der tiefsten Promillekategorie bis zur Gruppe mit 2.00-2.49 Gew.‰ zeigte sich eine kontinuierliche Steigerung des prozentualen Anteils an Personen mit mehreren FiaZ-Delikten: Bei einer Alkoholisierung von 0.80-1.19 Gew.‰ im Jahr 2001 waren 21 % mit mehr als einem FiaZ-Vorfall belastet; bei der Lenkergruppe aus der Katego- rie von 2.00-2.49 Gew.‰ waren es 42 %. Interessant war die Feststellung, dass bei den am stärksten Alkoholisierten (2.50 Gew.‰ & >) mit einem Anteil von 38 % (n = 85) eine Abnah- me des prozentualen Anteils von Personen mit mehreren FiaZ-Vorfällen zu beobachten war. Dabei zeigte sich ein erheblicher Unterschied in der retrospektiven Betrachtung, bei der diese Gruppe zu 33 % einen weiteren Vorfall hatte, zur prospektiven Betrachtung, bei der diese Gruppe den tiefsten Anteil weiterer Vorfälle aufwies (10 %). Dieses Abfallen kann ohne Weiteres erklärt werden mit der Empfehlung des Bundes [3], die im Jahre 2000 erlassen und ab 2001 in die Praxis umgesetzt wurde, wonach bei einem Erst-FiaZ ab 2.50 Gew.‰ eine verkehrsmedizinische Abklärung notwendig wurde.
Es zeigte sich ausserdem, dass im Falle eines weiteren FiaZ-Vorfalls die Lenker jeweils am häufigsten im gleichen Promillebereich auffällig wurden, in dem sie ihren ersten FiaZ-Vorfall hatten. Eine eher unwesentliche Ausnahme bildeten einzig die Lenker mit 2.50 Gew.‰ & >, die in der prospektiven Betrachtung am meisten Rückfälle in der nächsttieferen Promillekategorie von 2.00-2.49 Gew.‰ hatten.
Anhand der vorliegenden Ergebnisse konnte gezeigt werden, dass die Höhe der Alkoholisie- rung anlässlich eines FiaZ-Ereignisses als Indikator für das Auftreten eines weiteren FiaZ- Vorfalls ein durchaus anwendbarer Parameter ist. Der zum aktuellen Zeitpunkt eine verkehrs- medizinische Untersuchung auslösende Wert von 2.50 Gew.‰ beim Erst-FiaZ-Vorfall ist deutlich zu hoch angesetzt. Die Auswertung der hier untersuchten Daten hat gezeigt, dass es zwar keine klare Trennlinie gibt, ab der von einer erhöhten FiaZ-Gefährdung ausgegangen werden kann. Es hat sich aber auch gezeigt, dass ab einer Alkoholisierung von 1.60 Gew.‰ und mehr sowohl überdurchschnittlich häufig Rückfälle als auch eine überdurchschnittlich hohe Beteiligung an Unfällen beobachtet werden konnten.
Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ist es gerechtfertigt, auch in der Schweiz den eine verkehrsmedizinische Untersuchung auslösenden Promillewert bei FiaZ-Ersttätern auf 1.60 Gew.‰ zu senken. Eine Herabsetzung der Grenze auf 2.00 Gew.‰ ist in jedem Falle angezeigt. Allenfalls ist eine stufenweise Absenkung des aktuellen Grenzwertes von 2.50 Gew.‰ auf vorerst 2.00 Gew.‰ sinnvoll.
Die Feststellung, dass die Junglenker (16-25 J.) in allen Promillebereichen überdurchschnitt- lich häufig in ein Unfallgeschehen involviert waren, lässt postulieren, dass mit einer Einfüh- rung von 0.00 Gew.‰ bei Junglenkern bis 25 Jahre die Unfallzahlen gesenkt werden könnten.

Abstract

Bis anhin gilt in der Schweiz, dass sich Personen ab einer Alkoholisierung von mindestens 2.50 Gew.‰ bei einem erstmaligen FiaZ-Ereignis einer verkehrsmedizinischen Untersuchung unterziehen müssen. In den meisten europäischen Ländern liegt diese Grenze bei einer Alko- holisierung von > 1.60 Gew.‰ und tiefer. Bei dieser Arbeit ging es darum, anhand von ver- schiedenen Kriterien festzustellen, ob dieser Unterschied weiterhin gerechtfertigt ist oder ob in der Schweiz eine Anpassung mit Herabsetzung dieser Grenze zu empfehlen wäre.
Im Jahr 2001 wurde am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich das Blut von insgesamt 4 222 Fahrzeuglenkern, die ein FiaZ-Delikt mit mindestens 0.80 Gew.‰ Alkohol begangen hatten, analysiert. Dieses Kollektiv entspricht rund einem Viertel (23 %) aller FiaZ- Fälle der Schweiz in diesem Jahr (2001). [1]
Das gesamte 2001er-Kollektiv wurde in verschiedene Promillekategorien unterteilt und in Bezug auf Häufigkeit, Geschlecht, Alter, Ereigniszeitpunkt sowie Unfallbeteiligung evaluiert. Durch die Erhebung der „FiaZ-Anamnese“ für die 10 Jahre vor dem Ereignis (seit 1991) und der Zeit nach dem Ereignis bis Ende 2007 konnte sowohl die Häufigkeit der FiaZ-Vorfälle insgesamt als auch die Relation zur einzelnen Promillekategorie und die jeweilige Unfall- beteiligung festgestellt werden.
Von den 4 222 Fahrzeuglenkern waren 29 % (n = 1 211) in der Promillekategorie 0.80- 1.19Gew.‰ und 30% (n=1270) in der Kategorie 1.20-1.59Gew.‰ zu finden. 22% (n = 933) hatten eine Alkoholisierung von 1.60-1.99 Gew.‰ und 14 % (n = 583) eine solche von 2.00-2.49 Gew.‰. Die Gruppe der mit 2.50 Gew.‰ & > Alkoholisierten machte 5 % (n = 225) aus. 11 % waren Frauen (n = 480). Dieser Anteil ist auch unter Berücksichtigung des Anteils der Frauen, die im Besitz eines Führerausweises sind, als sehr tief zu bezeichnen. [2]
Bei der Betrachtung des Alkoholisierungsgrades nach Alterskategorien zeigte sich, dass die jüngsten Fahrzeuglenker (16-25J.) insgesamt zu 20% (n=825) beteiligt waren, davon annähernd die Hälfte (45 %) mit einer Alkoholisierung in der tiefsten Promillekategorie. Bei den übrigen Altersgruppen liess sich eher eine gleichmässige Verteilung der Vorfälle auf alle Promillekategorien feststellen.
Die zeitliche Erhebung zeigte eine Häufung der erfassten FiaZ-Delikte in einem Zeitraum zwischen Mitternacht und 3:59 h (48 %). Anteilsmässig fanden sich in diesen Stunden am wenigsten Personen mit einer hohen Alkoholisierung.
Insgesamt standen 32 % (n = 1 364) der FiaZ-Delikte im Zusammenhang mit einem Unfall- geschehen. Mit steigender Promillekategorie wurde eine höhere Unfallbeteiligung festgestellt: von 27 % bei einer Alkoholisierung von 0.80-1.19 Gew.‰ auf 31 % bei Fahrzeuglenkern mit 1.20-1.59 Gew.‰, auf 36 % in einem Bereich von 1.60-1.99 Gew.‰, auf 38 % bei den mit 2.00-2.49 Gew.‰ Alkoholisierten und letztlich auf 34 % Unfallbeteiligung bei der höchsten Promillekategorie mit 2.50 Gew.‰ & >. Hinsichtlich der verursachten Unfälle waren absolut betrachtet die Lenker im Alter von 26-35 Jahren mit 27 % (n = 362) am häufigsten beteiligt. Auffällig war, dass die jüngsten Fahrzeuglenker (16-25 J.) in jedem Promillebereich einen überdurchschnittlich hohen Unfallanteil aufwiesen. Die Gruppe der ältesten Fahrzeuglenker (66 Jahre und älter) machte am Gesamtkollektiv der Unfälle nur einen kleinen Anteil aus (4 %, n = 49). Gemessen an der Anzahl FiaZ-Vorfälle, die diese Altersgruppe verursachte, waren sie jedoch mit 48 % überdurchschnittlich häufig an Unfällen beteiligt.
Innerhalb des gesamten beobachteten Zeitraums von 1991 bis 2007 lenkten 30 % oder 1 282 Personen des Gesamtkollektivs (n = 4 222) ihr Fahrzeug mehr als einmal alkoholisiert. Von der Lenkergruppe aus der tiefsten Promillekategorie bis zur Gruppe mit 2.00-2.49 Gew.‰ zeigte sich eine kontinuierliche Steigerung des prozentualen Anteils an Personen mit mehreren FiaZ-Delikten: Bei einer Alkoholisierung von 0.80-1.19 Gew.‰ im Jahr 2001 waren 21 % mit mehr als einem FiaZ-Vorfall belastet; bei der Lenkergruppe aus der Katego- rie von 2.00-2.49 Gew.‰ waren es 42 %. Interessant war die Feststellung, dass bei den am stärksten Alkoholisierten (2.50 Gew.‰ & >) mit einem Anteil von 38 % (n = 85) eine Abnah- me des prozentualen Anteils von Personen mit mehreren FiaZ-Vorfällen zu beobachten war. Dabei zeigte sich ein erheblicher Unterschied in der retrospektiven Betrachtung, bei der diese Gruppe zu 33 % einen weiteren Vorfall hatte, zur prospektiven Betrachtung, bei der diese Gruppe den tiefsten Anteil weiterer Vorfälle aufwies (10 %). Dieses Abfallen kann ohne Weiteres erklärt werden mit der Empfehlung des Bundes [3], die im Jahre 2000 erlassen und ab 2001 in die Praxis umgesetzt wurde, wonach bei einem Erst-FiaZ ab 2.50 Gew.‰ eine verkehrsmedizinische Abklärung notwendig wurde.
Es zeigte sich ausserdem, dass im Falle eines weiteren FiaZ-Vorfalls die Lenker jeweils am häufigsten im gleichen Promillebereich auffällig wurden, in dem sie ihren ersten FiaZ-Vorfall hatten. Eine eher unwesentliche Ausnahme bildeten einzig die Lenker mit 2.50 Gew.‰ & >, die in der prospektiven Betrachtung am meisten Rückfälle in der nächsttieferen Promillekategorie von 2.00-2.49 Gew.‰ hatten.
Anhand der vorliegenden Ergebnisse konnte gezeigt werden, dass die Höhe der Alkoholisie- rung anlässlich eines FiaZ-Ereignisses als Indikator für das Auftreten eines weiteren FiaZ- Vorfalls ein durchaus anwendbarer Parameter ist. Der zum aktuellen Zeitpunkt eine verkehrs- medizinische Untersuchung auslösende Wert von 2.50 Gew.‰ beim Erst-FiaZ-Vorfall ist deutlich zu hoch angesetzt. Die Auswertung der hier untersuchten Daten hat gezeigt, dass es zwar keine klare Trennlinie gibt, ab der von einer erhöhten FiaZ-Gefährdung ausgegangen werden kann. Es hat sich aber auch gezeigt, dass ab einer Alkoholisierung von 1.60 Gew.‰ und mehr sowohl überdurchschnittlich häufig Rückfälle als auch eine überdurchschnittlich hohe Beteiligung an Unfällen beobachtet werden konnten.
Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ist es gerechtfertigt, auch in der Schweiz den eine verkehrsmedizinische Untersuchung auslösenden Promillewert bei FiaZ-Ersttätern auf 1.60 Gew.‰ zu senken. Eine Herabsetzung der Grenze auf 2.00 Gew.‰ ist in jedem Falle angezeigt. Allenfalls ist eine stufenweise Absenkung des aktuellen Grenzwertes von 2.50 Gew.‰ auf vorerst 2.00 Gew.‰ sinnvoll.
Die Feststellung, dass die Junglenker (16-25 J.) in allen Promillebereichen überdurchschnitt- lich häufig in ein Unfallgeschehen involviert waren, lässt postulieren, dass mit einer Einfüh- rung von 0.00 Gew.‰ bei Junglenkern bis 25 Jahre die Unfallzahlen gesenkt werden könnten.

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Item Type:Dissertation
Referees:Bär W
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > Institute of Legal Medicine
Dewey Decimal Classification:340 Law
610 Medicine & health
Language:German
Date:2009
Deposited On:25 Sep 2009 08:46
Last Modified:06 Dec 2017 20:28
Number of Pages:53

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