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Der Kopfimpulstest (KIT) in der Praxis


Hegemann, S C A (2010). Der Kopfimpulstest (KIT) in der Praxis. HNO Kompakt, 18(1):17-20.

Abstract

Der Kopfimpulstest (KIT, englisch head impulse testing oder HIT) ist ein Verfahren, mit welchem ein Hauptteil der Gleichgewichtsrezeptoren, nämlich die Funktion jedes einzelnen Bogenganges, nahezu isoliert untersucht werden kann. Er wurde erstmals vor über 20 Jahren beschrieben [Halmagyi and Curthoys] und hat sich seither als enorm hilfreicher Test in der Vestibularisforschung und im klinischen Alltag weltweit durchgesetzt. Bis dahin waren die einzigen Verfahren zur Messung der Gleichgewichtsfunktion die kalorische vestibuläre Testung (vereinfachend Kalorik genannt) und die Drehstuhluntersuchungen. Beide Verfahren haben deutliche Nachteile gegenüber dem KIT. Beide messen nur die Funktion der horizontalen Bogengänge (sofern der Drehstuhl nicht dreiachsig ist). Die Kalorik liefert eher unpräzise Messwerte und ist nur mit technischen Hilfsmitteln durchführbar. Außerdem misst die Kalorik ausschließlich im sehr niedrigen Frequenzbereich, der für die Blickstabilisierung eine sehr untergeordnete Rolle spielt und in dem vestibuläre Störungen wohl auch klinisch gut zu kompensieren sein sollten. Immerhin tritt bei Patienten mit M. Meniere eine Seitenasymmetrie in der Kalorik offenbar eher auf als im KIT [Palla et al.], womit zumindest bei dieser Diagnose die Kalorik nicht durch den Kopfimpulstest zu ersetzen wäre. Beim M. Fabry scheint allerdings der KIT eher eine Pathologie anzuzeigen als die Kalorik [7], weshalb aktuell beide Verfahren sinnvoll erscheinen. Beim akuten Vestibularisausfall sind KIT und Kalorik in etwa gleich aussagekräftig, im Verlauf scheinen sich die Ergebnisse des KIT aber weniger zu erholen und auch die Korrelation von KIT und Beschwerdefreiheit des Patienten ist signifikant deutlicher als bei der Kalorik [6] Die Drehstuhluntersuchungen benötigen relativ aufwändige technische Systeme für die Durchführung und messen immer beide horizontalen Bogengänge gemeinsam. Quantitativer KIT und Kalorik sind beide nicht schnell und klinisch einfach anwendbar. Immerhin hat Robert Barany für seine Arbeiten zur Kalorik 1914 den Medizinnobelpreis erhalten. Von der klinischen Bedeutung und Anwendbarkeit hätte m. E. eher die Erfindung des KIT einen Nobelpreis verdient. Der Kopfimpulstest soll im Folgenden inklusive seiner physiologischen Grundlagen und klinischen Durchführung beschrieben werden.

Abstract

Der Kopfimpulstest (KIT, englisch head impulse testing oder HIT) ist ein Verfahren, mit welchem ein Hauptteil der Gleichgewichtsrezeptoren, nämlich die Funktion jedes einzelnen Bogenganges, nahezu isoliert untersucht werden kann. Er wurde erstmals vor über 20 Jahren beschrieben [Halmagyi and Curthoys] und hat sich seither als enorm hilfreicher Test in der Vestibularisforschung und im klinischen Alltag weltweit durchgesetzt. Bis dahin waren die einzigen Verfahren zur Messung der Gleichgewichtsfunktion die kalorische vestibuläre Testung (vereinfachend Kalorik genannt) und die Drehstuhluntersuchungen. Beide Verfahren haben deutliche Nachteile gegenüber dem KIT. Beide messen nur die Funktion der horizontalen Bogengänge (sofern der Drehstuhl nicht dreiachsig ist). Die Kalorik liefert eher unpräzise Messwerte und ist nur mit technischen Hilfsmitteln durchführbar. Außerdem misst die Kalorik ausschließlich im sehr niedrigen Frequenzbereich, der für die Blickstabilisierung eine sehr untergeordnete Rolle spielt und in dem vestibuläre Störungen wohl auch klinisch gut zu kompensieren sein sollten. Immerhin tritt bei Patienten mit M. Meniere eine Seitenasymmetrie in der Kalorik offenbar eher auf als im KIT [Palla et al.], womit zumindest bei dieser Diagnose die Kalorik nicht durch den Kopfimpulstest zu ersetzen wäre. Beim M. Fabry scheint allerdings der KIT eher eine Pathologie anzuzeigen als die Kalorik [7], weshalb aktuell beide Verfahren sinnvoll erscheinen. Beim akuten Vestibularisausfall sind KIT und Kalorik in etwa gleich aussagekräftig, im Verlauf scheinen sich die Ergebnisse des KIT aber weniger zu erholen und auch die Korrelation von KIT und Beschwerdefreiheit des Patienten ist signifikant deutlicher als bei der Kalorik [6] Die Drehstuhluntersuchungen benötigen relativ aufwändige technische Systeme für die Durchführung und messen immer beide horizontalen Bogengänge gemeinsam. Quantitativer KIT und Kalorik sind beide nicht schnell und klinisch einfach anwendbar. Immerhin hat Robert Barany für seine Arbeiten zur Kalorik 1914 den Medizinnobelpreis erhalten. Von der klinischen Bedeutung und Anwendbarkeit hätte m. E. eher die Erfindung des KIT einen Nobelpreis verdient. Der Kopfimpulstest soll im Folgenden inklusive seiner physiologischen Grundlagen und klinischen Durchführung beschrieben werden.

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Item Type:Journal Article, not refereed, original work
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > University Hospital Zurich > Clinic for Otorhinolaryngology
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:2010
Deposited On:18 Feb 2011 14:09
Last Modified:05 Apr 2016 14:48
Publisher:R. Kaden Verlag

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