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Sexueller Zwang bei Primaten: Evolutionäre Ursachen und Gegenstrategien der Weibchen


Weingrill, T; van Schaik, C P (2011). Sexueller Zwang bei Primaten: Evolutionäre Ursachen und Gegenstrategien der Weibchen. Zeitschrift für Sexualforschung, 24(2):111-133.

Abstract

Im Tierreich konkurrieren Männchen in der Regel um Zugang zu Weibchen und die Weibchen sind wählerisch in Bezug auf ihre Paarungspartner. Das führt zu intersexueller und intrasexueller Selektion, aber auch zu Konflikten zwischen den Geschlechtern. Dieser sexuelle Konflikt hat Konsequenzen für Verhalten, Morphologie und Physiologie beider Geschlechter. Sexueller Zwang (sexual coercion) durch Männchen, der vor allem bei Arten mit ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus vorkommt, kann als Anpassung an diesen Konflikt gesehen werden. Eine extreme Form von sexuellem Zwang ist Infantizid, der eine adaptive Reproduktionsstrategie der Männchen sein kann. Das Risiko, Nachkommen durch Infantizid zu verlieren, ist für Primatenweibchen besonders hoch, da die Laktationsperiode länger als die Trächtigkeit dauert und die verkürzten Geburtsintervalle für kindstötende Männchen einen großen Vorteil bieten. Vor allem bei Altweltaffen findet man als Gegenstrategie der Weibchen eine Tendenz zur Verschleierung der Vaterschaft durch Promiskuität, einhergehend mit langen, rezeptiven Perioden. Auch bei Menschen kommen Kopulationen über den ganzen Zyklus und auch während der Schwangerschaft vor. Bei uns scheint diese Eigenschaft eine weitere Funktion zu haben: sie fördert langfristige Paarbeziehungen innerhalb gemischtgeschlechtlicher Gruppen. Warum sexueller Zwang trotzdem so häufig auftritt, wird anhand der Primatenbefunde und Daten von Jäger- und Sammlergesellschaften diskutiert.

Abstract

Im Tierreich konkurrieren Männchen in der Regel um Zugang zu Weibchen und die Weibchen sind wählerisch in Bezug auf ihre Paarungspartner. Das führt zu intersexueller und intrasexueller Selektion, aber auch zu Konflikten zwischen den Geschlechtern. Dieser sexuelle Konflikt hat Konsequenzen für Verhalten, Morphologie und Physiologie beider Geschlechter. Sexueller Zwang (sexual coercion) durch Männchen, der vor allem bei Arten mit ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus vorkommt, kann als Anpassung an diesen Konflikt gesehen werden. Eine extreme Form von sexuellem Zwang ist Infantizid, der eine adaptive Reproduktionsstrategie der Männchen sein kann. Das Risiko, Nachkommen durch Infantizid zu verlieren, ist für Primatenweibchen besonders hoch, da die Laktationsperiode länger als die Trächtigkeit dauert und die verkürzten Geburtsintervalle für kindstötende Männchen einen großen Vorteil bieten. Vor allem bei Altweltaffen findet man als Gegenstrategie der Weibchen eine Tendenz zur Verschleierung der Vaterschaft durch Promiskuität, einhergehend mit langen, rezeptiven Perioden. Auch bei Menschen kommen Kopulationen über den ganzen Zyklus und auch während der Schwangerschaft vor. Bei uns scheint diese Eigenschaft eine weitere Funktion zu haben: sie fördert langfristige Paarbeziehungen innerhalb gemischtgeschlechtlicher Gruppen. Warum sexueller Zwang trotzdem so häufig auftritt, wird anhand der Primatenbefunde und Daten von Jäger- und Sammlergesellschaften diskutiert.

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Item Type:Journal Article, refereed, original work
Communities & Collections:07 Faculty of Science > Department of Anthropology
Dewey Decimal Classification:300 Social sciences, sociology & anthropology
Language:German
Date:2011
Deposited On:29 Feb 2012 17:12
Last Modified:05 Apr 2016 15:30
Publisher:Thieme
ISSN:0932-8114
Publisher DOI:https://doi.org/10.1055/s-0031-1271474

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