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Äquivalenzprüfung als Standard in international vergleichenden Inhaltsanalysen


Wirth, Werner; Wettstein, Martin; Reichel, Katrin; Kühne, Rinaldo (2013). Äquivalenzprüfung als Standard in international vergleichenden Inhaltsanalysen. In: Naab, Teresa; Schlütz, Daniela; Möhring, Wiebke; Matthes, Jörg. Standardisierung und Flexibilisierung als Herausforderung der kommunikations- und publizistikwissenschaftlichen Forschung. Köln: von Halem, 258-284.

Abstract

Standards werden unter anderem auch in der komparativen (auch kulturvergleichenden) Forschung diskutiert. In diesem speziell auf den Vergleich zwischen Nationen oder Kulturen ausgerichteten Forschungszweig wird ein Problem virulent, das zumindest implizit nahezu jeder Art von empirischer Forschung zugrunde liegt1: Inwiefern sind die Resultate solcher Vergleiche valide und damit aussagekräftig? Wenn die Konstrukte in allen verglichenen Kulturen die gleiche Bedeutung haben und auf die gleiche Weise gemessen wurden, dann spricht man allgemein von Äquivalenz, andernfalls ist man mit Verzerrungen (im Folgenden wird synonym der Begriff ›Bias‹ verwendet) konfrontiert. Nur wenn die zu vergleichenden Daten als äquivalent angesehen werden können, ist eine Interpretationder Befunde zulässig.
Die komparative Forschung hat Verfahren ausgearbeitet, wie Äquivalenz gesichert und getestet werden kann, die mittlerweile als Quasi-Standards bezeichnet werden können. Sie werden in der Soziologie, der Politikwissenschaft und der Psychologie schon seit Längerem befolgt (vgl. den Überblick in Wirth/Kolb 2004). Zumindest für die in diesen Disziplinen zumeist vorherrschende Umfrageforschung gibt es eine entsprechende Tradition sowie eine lebendige Methodenforschung (z. B. David ov/Schmidt/Billiet 2011). Ein Beispiel ist die Erfassung der zehn universellen Werte-Orientierungen (Schwartz 1992). Die Skala besteht aus 57 Items, wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und auf mehr als 40 Länder angewendet (Spini 2003). Mit Ausnahme von nur wenigen Ländern erwies sich die Skala wenigstens als partiell äquivalent in all diesen Ländern (zur partiellen Äquivalenz siehe Abschnitt 2.4).
In der Kommunikationswissenschaft finden Fragen der funktionalen Äquivalenz erst seit Kurzem Beachtung (Medin a/Smith/Long 2009; Wirth/ Kolb 2004, 2012). In der Forschungspraxis steht die Prüfung auf Äquivalenz noch in den Anfängen, sie kann jedoch auf den Erfahrungsschatz aus anderen Disziplinen zugreifen (siehe Kühne/Schemer/Matthes 2012).
Anders sieht es bei der Inhaltsanalyse aus. Hier wurde die Äquivalenzproblematik bislang auf Plausibilitätsebene mit Best-Practice-Empfehlungen behandelt (Wirth/Kolb 2004). Allerdings wird inzwischen gefordert, dass sich die komparative Inhaltsanalyse ebenso wie komparative Umfrageforschung den Problemen der statistischen Prüfung auf Äquivalenz stellen muss (Wirth/Kolb 2012: 476). Da sich die Inhaltsanalyse von der Befragungsmethode in vielen Punkten erheblich unterscheidet, müssen die Verfahren zur Sicherstellung und Optimierung von Äquivalenz adaptiert werden. Dabei betritt die Kommunikationswissenschaft Neuland! Dieser Beitrag ist daher dem Problem der Äquivalenz in der inhaltsanalytischen Forschung gewidmet. Im zweiten und dritten Abschnitt werden zunächst die Grundbegriffe der Äquivalenz und anschließend der statistische Nachweis von Äquivalenz aus der Perspektive der Umfrageforschung referiert. Der dritte Abschnitt diskutiert die Möglichkeit und Notwendigkeit der Äquivalenzprüfung in der inhaltsanalytischen Forschung. Im vierten Abschnitt werden zwei Beispiele für eine inhaltsanalytische Prüfung auf Messinvarianz präsentiert. Der fünfte und letzte Abschnitt diskutiert die Konsequenzen der in diesem Beitrag behandelten Problematik für die künftige komparative inhaltsanalytische Forschung.

Abstract

Standards werden unter anderem auch in der komparativen (auch kulturvergleichenden) Forschung diskutiert. In diesem speziell auf den Vergleich zwischen Nationen oder Kulturen ausgerichteten Forschungszweig wird ein Problem virulent, das zumindest implizit nahezu jeder Art von empirischer Forschung zugrunde liegt1: Inwiefern sind die Resultate solcher Vergleiche valide und damit aussagekräftig? Wenn die Konstrukte in allen verglichenen Kulturen die gleiche Bedeutung haben und auf die gleiche Weise gemessen wurden, dann spricht man allgemein von Äquivalenz, andernfalls ist man mit Verzerrungen (im Folgenden wird synonym der Begriff ›Bias‹ verwendet) konfrontiert. Nur wenn die zu vergleichenden Daten als äquivalent angesehen werden können, ist eine Interpretationder Befunde zulässig.
Die komparative Forschung hat Verfahren ausgearbeitet, wie Äquivalenz gesichert und getestet werden kann, die mittlerweile als Quasi-Standards bezeichnet werden können. Sie werden in der Soziologie, der Politikwissenschaft und der Psychologie schon seit Längerem befolgt (vgl. den Überblick in Wirth/Kolb 2004). Zumindest für die in diesen Disziplinen zumeist vorherrschende Umfrageforschung gibt es eine entsprechende Tradition sowie eine lebendige Methodenforschung (z. B. David ov/Schmidt/Billiet 2011). Ein Beispiel ist die Erfassung der zehn universellen Werte-Orientierungen (Schwartz 1992). Die Skala besteht aus 57 Items, wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und auf mehr als 40 Länder angewendet (Spini 2003). Mit Ausnahme von nur wenigen Ländern erwies sich die Skala wenigstens als partiell äquivalent in all diesen Ländern (zur partiellen Äquivalenz siehe Abschnitt 2.4).
In der Kommunikationswissenschaft finden Fragen der funktionalen Äquivalenz erst seit Kurzem Beachtung (Medin a/Smith/Long 2009; Wirth/ Kolb 2004, 2012). In der Forschungspraxis steht die Prüfung auf Äquivalenz noch in den Anfängen, sie kann jedoch auf den Erfahrungsschatz aus anderen Disziplinen zugreifen (siehe Kühne/Schemer/Matthes 2012).
Anders sieht es bei der Inhaltsanalyse aus. Hier wurde die Äquivalenzproblematik bislang auf Plausibilitätsebene mit Best-Practice-Empfehlungen behandelt (Wirth/Kolb 2004). Allerdings wird inzwischen gefordert, dass sich die komparative Inhaltsanalyse ebenso wie komparative Umfrageforschung den Problemen der statistischen Prüfung auf Äquivalenz stellen muss (Wirth/Kolb 2012: 476). Da sich die Inhaltsanalyse von der Befragungsmethode in vielen Punkten erheblich unterscheidet, müssen die Verfahren zur Sicherstellung und Optimierung von Äquivalenz adaptiert werden. Dabei betritt die Kommunikationswissenschaft Neuland! Dieser Beitrag ist daher dem Problem der Äquivalenz in der inhaltsanalytischen Forschung gewidmet. Im zweiten und dritten Abschnitt werden zunächst die Grundbegriffe der Äquivalenz und anschließend der statistische Nachweis von Äquivalenz aus der Perspektive der Umfrageforschung referiert. Der dritte Abschnitt diskutiert die Möglichkeit und Notwendigkeit der Äquivalenzprüfung in der inhaltsanalytischen Forschung. Im vierten Abschnitt werden zwei Beispiele für eine inhaltsanalytische Prüfung auf Messinvarianz präsentiert. Der fünfte und letzte Abschnitt diskutiert die Konsequenzen der in diesem Beitrag behandelten Problematik für die künftige komparative inhaltsanalytische Forschung.

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Item Type:Book Section, not refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of Mass Communication and Media Research
Dewey Decimal Classification:700 Arts
Language:German
Date:2013
Deposited On:12 Dec 2013 11:32
Last Modified:05 Apr 2016 17:14
Publisher:von Halem
Series Name:Methoden und Forschungslogik der Kommunikationswissenschaft
Number:9
ISBN:978-3-86962-077-0
Official URL:http://www.halem-verlag.de/2013/standardisierung-und-flexibilisierung-als-herausforderungen-der-kommunikations-und-publizistikwissenschaftlichen-forschung/

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