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Einleitung: Zerfall der Öffentlichkeit?


Jarren, Otfried; Imhof, Kurt; Blum, Roger (2000). Einleitung: Zerfall der Öffentlichkeit? In: Jarren, Otfried; Imhof, Kurt; Blum, Roger. Zerfall der Öffentlichkeit. Wiesbaden: Seismo Verlag, 9-15.

Abstract

Der moderne Verfassungsstaat setzt — in der Tradition der Aufklärungsphilosophie — Öffentlichkeit als verfassungsprägendes Prinzip, als Bedingung demokratischer Entscheidungsfindung und als normative Anforderung gegenüber dem Machthandeln der politischen Akteure voraus. Indem das Prinzip Öffentlichkeit sowohl die Entscheidungsfindung als auch die Machtkontrolle gewährleisten muss, ist Öffentlichkeit Bedingung der Legitimität moderner Herrschaftsordnungen, die auf demokratische Zustimmung rekurrieren müssen. Traditionelle Herrschaftsordnungen negieren das Prinzip Öffentlichkeit, indem sie die Legitimität von Machtpositionen und allgemeinverbindlichen Entscheidungen auf Herkunft und traditionelles Recht abstützen. Und moderne totalitäre Herrschaftsordnungen setzen die Grundrechte politischer Partizipation außer Kraft und eliminieren das Öffentlichkeitsprinzip zum Zwecke der Informationssteuerung und der Organisation von Akklamation. Politische Herrschaft in modernen demokratischen Gesellschaften ist dagegen auf Grundrechte abgestützt, zustimmungsabhängig und begründungspflichtig. Zustimmung und Begründung realisieren sich im Wesentlichen durch politische Kommunikation. Mit der Öffentlichkeit sind deshalb die Legitimitätsgeltung moderner Herrschaftsordnungen, die Auseinandersetzungen um ihre Verfasstheit, um ihre Institutionen und ihre Steuerungsfähigkeit untrennbar verknüpft. Dies verleiht dem erneut und auf vielfältige Weise beklagten “Zerfall der Öffentlichkeit” oder dem behaupteten Strukturwandel der Medien sowie des Kommunikationssystems Gewicht.

Abstract

Der moderne Verfassungsstaat setzt — in der Tradition der Aufklärungsphilosophie — Öffentlichkeit als verfassungsprägendes Prinzip, als Bedingung demokratischer Entscheidungsfindung und als normative Anforderung gegenüber dem Machthandeln der politischen Akteure voraus. Indem das Prinzip Öffentlichkeit sowohl die Entscheidungsfindung als auch die Machtkontrolle gewährleisten muss, ist Öffentlichkeit Bedingung der Legitimität moderner Herrschaftsordnungen, die auf demokratische Zustimmung rekurrieren müssen. Traditionelle Herrschaftsordnungen negieren das Prinzip Öffentlichkeit, indem sie die Legitimität von Machtpositionen und allgemeinverbindlichen Entscheidungen auf Herkunft und traditionelles Recht abstützen. Und moderne totalitäre Herrschaftsordnungen setzen die Grundrechte politischer Partizipation außer Kraft und eliminieren das Öffentlichkeitsprinzip zum Zwecke der Informationssteuerung und der Organisation von Akklamation. Politische Herrschaft in modernen demokratischen Gesellschaften ist dagegen auf Grundrechte abgestützt, zustimmungsabhängig und begründungspflichtig. Zustimmung und Begründung realisieren sich im Wesentlichen durch politische Kommunikation. Mit der Öffentlichkeit sind deshalb die Legitimitätsgeltung moderner Herrschaftsordnungen, die Auseinandersetzungen um ihre Verfasstheit, um ihre Institutionen und ihre Steuerungsfähigkeit untrennbar verknüpft. Dies verleiht dem erneut und auf vielfältige Weise beklagten “Zerfall der Öffentlichkeit” oder dem behaupteten Strukturwandel der Medien sowie des Kommunikationssystems Gewicht.

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Item Type:Book Section, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of Sociology
06 Faculty of Arts > Institute of Mass Communication and Media Research
06 Faculty of Arts > Institute for Research on the Public Sphere and Society
Dewey Decimal Classification:700 Arts
300 Social sciences, sociology & anthropology
Language:German
Date:2000
Deposited On:23 Jul 2014 09:27
Last Modified:02 Dec 2016 07:59
Publisher:Seismo Verlag
Series Name:Mediensymposium Luzern
Number:6
ISBN:978-3-531-13555-7
Publisher DOI:https://doi.org/10.1007/978-3-663-07953-8_1

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