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Lernwirksame Unterrichtsbesprechungen im Praktikum: Nutzung von Lerngelegenheiten durch Lehramtsstudierende und Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen


Futter, Kathrin. Lernwirksame Unterrichtsbesprechungen im Praktikum: Nutzung von Lerngelegenheiten durch Lehramtsstudierende und Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen. 2016, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Unterrichtspraktika gelten gemeinhin als Kernelement zur Entwicklung berufspraktischer Kompeten- zen und werden von Lehramtsstudierenden in der Regel als wichtige Lernorte betrachtet, da sie an der Schnittstelle zwischen Studium und Praxis angesiedelt sind und daher die Möglichkeit bieten, the- oretische Wissensbestände und situierte Praxiserfahrung zu verknüpfen. Eine Komponente, die we- sentlich zu einem gelungenen Praktikum beiträgt und gleichzeitig einen bedeutsamen Einfluss auf das Lernen der Studierenden ausübt, stellt dabei die Betreuung durch Praxislehrpersonen dar. Aus die- sem Grund können auch Unterrichtsbesprechungen zwischen Praxislehrpersonen und Studierenden in ihrer Funktion als Plattform für den Austausch über Unterricht als wichtige Lernquellen angesehen werden.

Die Erforschung dessen, wie dieses Lernen konkret vor sich geht und wie Unterrichtsbesprechungen von Praxislehrpersonen gestaltet werden, stand im Zentrum der vorliegenden Studie, die drei Haupt- fragestellungen verfolgte: (1) Werden Unterrichtsbesprechungen von Lehramtsstudierenden zum Ler- nen genutzt? (2) Wie gestalten Praxislehrpersonen Unterrichtsbesprechungen? (3) Bestehen Zusam- menhänge zwischen der Gestaltung der Unterrichtsbesprechungen durch die Praxislehrpersonen und dem Lernen der Lehramtsstudierenden? Die Grundlage für die quantifizierenden Gesprächsanalysen bildeten 783 thematisch abgrenzbare Sequenzen, sogenannte „potenzielle Lerngelegenheiten“, die in einer Stichprobe von 61 videografierten Unterrichtsbesprechungen (30 Vorbesprechungen und 31 Nachbesprechungen) zwischen Praxislehrpersonen und Lehramtsstudierenden der Sekundarstufe I identifiziert werden konnten. Als Analyseinstrument diente ein differenziertes Kategoriensystem, das zur Erfassung des Lernens der Studierenden und des Unterstützungsverhaltens der Praxislehrperso- nen entwickelt worden war.

Da die Erhebung des Lernens nicht auf Selbsteinschätzungen der Lehramtsstudierenden beruhte, sondern aus einer Aussenperspektive vorgenommen wurde, musste theoretisch begründet werden, wie sich Lernen in Unterrichtsbesprechungen genau zeigt und woran es erkannt werden kann. Ent- sprechend wurden zwei Gesprächsaktivitäten der Studierenden als eigentliche Lernaktivitäten inter- pretiert: zum einen sogenannt „anspruchsvolle Reflexionen“ und zum anderen deutliche Äusserungen, welche die Absicht bekundeten, das eigene Unterrichtshandeln zu verändern. Andere Gesprächsakti- vitäten wie zum Beispiel das Beschreiben oder Bewerten des eigenen Handelns wurden demgegen- über nicht als Hinweisstellen für Lernen betrachtet. So konnte gezeigt werden, dass die Lehramtsstu- dierenden knapp ein Drittel der sich bietenden potenziellen Lerngelegenheiten zum Lernen genutzt hatten.

Das Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen wurde bezüglich dreier Merkmale untersucht: (1) Gesprächsstil und Rolle, (2) modaler Sprachgebrauch und (3) Interaktionsmuster. Die diesbezüglichen Analysen ergaben, dass ein Gesprächsstil, der weniger direktiv gestaltet ist und den Studierenden vermehrt Möglichkeiten bietet, ihre eigenen Themen ins Gespräch einzubringen, das Lernen eher zu unterstützen vermag. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Praxislehrpersonen in potenziellen Lerngelegenheiten mit Hinweisstellen für Lernen der Studierenden vermehrt modale Satzkonstruktio- nen verwendeten und auf diese Weise den Möglichkeitsraum des Gesprächs vergrösserten. Hinsicht- lich der Interaktionsmuster konnte ein breit abgestützter Befund erneut repliziert werden: Es sind vor allem dialogische Gesprächssequenzen mit Ko-Konstruktion, die das Lernen der zukünftigen Lehrper- sonen besonders fördern.

II Kathrin Futter Summary



Summary

Internships are widely regarded as a key element in the process of developing practical teaching skills. Pre-service teachers usually consider them to be important learning settings, because they are locat- ed at the interface between study and field work. Owing to this intermediate position, internships offer valuable opportunities to link theoretical knowledge and situated field experience. One component that substantially contributes to a successful internship and at the same time exerts a considerable influ- ence on the interns’ learning is the support provided by school-based mentor teachers. In this connec- tion, also one-to-one lesson conferences, performing the function of a platform for an exchange about teaching, can be deemed to be an important source of learning.

An exploration of how learning in this particular setting proceeds and of how mentor teachers support their interns in the context of lesson conferences lay at the heart of this study. For this purpose, it pur- sued the following three major research questions: (1) Do pre-service teachers take advantage of lesson conferences as far as their learning is concerned? (2) What features are characteristic of the mentor teachers’ mentoring style exhibited in their lesson conferences? (3) Are there correlations be- tween the mentoring style exhibited in lesson conferences and the pre-service teachers’ learning? The quantifying conversation analyses were based on 783 thematically distinct and separable sequences, so-called “potential learning opportunities”. They had been identified in a sample of 61 video-recorded lesson conferences (30 pre-lesson conferences and 31 post-lesson conferences) held between school-based mentor teachers and pre-service teachers who followed a preparation programme for secondary level I teaching. The research tool consisted in a sophisticated system of categories that had been developed for analysing the interns’ learning and the mentor teachers’ support behaviour.

As the identification of potential learning opportunities did not rely on the participating pre-service teachers’ self-assessments but was to be conducted from an external perspective, there was a need to work out a theoretically substantiated concept of how learning manifests itself in lesson conferences and, correspondingly, to define the features that render it identifiable. Eventually, two discursive activi- ties on the part of the interns were interpreted as actual learning activities: so-called “higher order reflections” and statements that clearly expressed the intention to change one’s own teaching practic- es. Other discursive activities like, for example, describing or assessing one’s own teaching were not regarded as indicators of learning. An evaluation of the coded conversations showed that, altogether, the interns had taken advantage of approximately one third of the potential learning opportunities that occurred in the course of the lesson conferences under investigation.

The mentor teachers’ support behaviour was analysed in terms of to three features: (1) conversation style and role, (2) use of modality, and (3) interaction patterns. The analyses revealed that a conversa- tion style that is only moderately directive and provides the interns with the opportunity to bring up topics themselves tends to be conducive to learning. Furthermore, the mentor teachers uttered more modal structures in the context of potential learning activities that contained indicators of learning. By doing so, they linguistically extended the space of possibilities within the dialogue, and thus opened up the discussion to negotiation and the consideration of alternative proposals. Concerning the interaction patterns, an already well corroborated result could be replicated once more: especially dialogic se- quences with co-constructive elements are likely to enhance pre-service teachers’ learning in lesson conferences.



III Kathrin Futter

Abstract

Unterrichtspraktika gelten gemeinhin als Kernelement zur Entwicklung berufspraktischer Kompeten- zen und werden von Lehramtsstudierenden in der Regel als wichtige Lernorte betrachtet, da sie an der Schnittstelle zwischen Studium und Praxis angesiedelt sind und daher die Möglichkeit bieten, the- oretische Wissensbestände und situierte Praxiserfahrung zu verknüpfen. Eine Komponente, die we- sentlich zu einem gelungenen Praktikum beiträgt und gleichzeitig einen bedeutsamen Einfluss auf das Lernen der Studierenden ausübt, stellt dabei die Betreuung durch Praxislehrpersonen dar. Aus die- sem Grund können auch Unterrichtsbesprechungen zwischen Praxislehrpersonen und Studierenden in ihrer Funktion als Plattform für den Austausch über Unterricht als wichtige Lernquellen angesehen werden.

Die Erforschung dessen, wie dieses Lernen konkret vor sich geht und wie Unterrichtsbesprechungen von Praxislehrpersonen gestaltet werden, stand im Zentrum der vorliegenden Studie, die drei Haupt- fragestellungen verfolgte: (1) Werden Unterrichtsbesprechungen von Lehramtsstudierenden zum Ler- nen genutzt? (2) Wie gestalten Praxislehrpersonen Unterrichtsbesprechungen? (3) Bestehen Zusam- menhänge zwischen der Gestaltung der Unterrichtsbesprechungen durch die Praxislehrpersonen und dem Lernen der Lehramtsstudierenden? Die Grundlage für die quantifizierenden Gesprächsanalysen bildeten 783 thematisch abgrenzbare Sequenzen, sogenannte „potenzielle Lerngelegenheiten“, die in einer Stichprobe von 61 videografierten Unterrichtsbesprechungen (30 Vorbesprechungen und 31 Nachbesprechungen) zwischen Praxislehrpersonen und Lehramtsstudierenden der Sekundarstufe I identifiziert werden konnten. Als Analyseinstrument diente ein differenziertes Kategoriensystem, das zur Erfassung des Lernens der Studierenden und des Unterstützungsverhaltens der Praxislehrperso- nen entwickelt worden war.

Da die Erhebung des Lernens nicht auf Selbsteinschätzungen der Lehramtsstudierenden beruhte, sondern aus einer Aussenperspektive vorgenommen wurde, musste theoretisch begründet werden, wie sich Lernen in Unterrichtsbesprechungen genau zeigt und woran es erkannt werden kann. Ent- sprechend wurden zwei Gesprächsaktivitäten der Studierenden als eigentliche Lernaktivitäten inter- pretiert: zum einen sogenannt „anspruchsvolle Reflexionen“ und zum anderen deutliche Äusserungen, welche die Absicht bekundeten, das eigene Unterrichtshandeln zu verändern. Andere Gesprächsakti- vitäten wie zum Beispiel das Beschreiben oder Bewerten des eigenen Handelns wurden demgegen- über nicht als Hinweisstellen für Lernen betrachtet. So konnte gezeigt werden, dass die Lehramtsstu- dierenden knapp ein Drittel der sich bietenden potenziellen Lerngelegenheiten zum Lernen genutzt hatten.

Das Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen wurde bezüglich dreier Merkmale untersucht: (1) Gesprächsstil und Rolle, (2) modaler Sprachgebrauch und (3) Interaktionsmuster. Die diesbezüglichen Analysen ergaben, dass ein Gesprächsstil, der weniger direktiv gestaltet ist und den Studierenden vermehrt Möglichkeiten bietet, ihre eigenen Themen ins Gespräch einzubringen, das Lernen eher zu unterstützen vermag. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Praxislehrpersonen in potenziellen Lerngelegenheiten mit Hinweisstellen für Lernen der Studierenden vermehrt modale Satzkonstruktio- nen verwendeten und auf diese Weise den Möglichkeitsraum des Gesprächs vergrösserten. Hinsicht- lich der Interaktionsmuster konnte ein breit abgestützter Befund erneut repliziert werden: Es sind vor allem dialogische Gesprächssequenzen mit Ko-Konstruktion, die das Lernen der zukünftigen Lehrper- sonen besonders fördern.

II Kathrin Futter Summary



Summary

Internships are widely regarded as a key element in the process of developing practical teaching skills. Pre-service teachers usually consider them to be important learning settings, because they are locat- ed at the interface between study and field work. Owing to this intermediate position, internships offer valuable opportunities to link theoretical knowledge and situated field experience. One component that substantially contributes to a successful internship and at the same time exerts a considerable influ- ence on the interns’ learning is the support provided by school-based mentor teachers. In this connec- tion, also one-to-one lesson conferences, performing the function of a platform for an exchange about teaching, can be deemed to be an important source of learning.

An exploration of how learning in this particular setting proceeds and of how mentor teachers support their interns in the context of lesson conferences lay at the heart of this study. For this purpose, it pur- sued the following three major research questions: (1) Do pre-service teachers take advantage of lesson conferences as far as their learning is concerned? (2) What features are characteristic of the mentor teachers’ mentoring style exhibited in their lesson conferences? (3) Are there correlations be- tween the mentoring style exhibited in lesson conferences and the pre-service teachers’ learning? The quantifying conversation analyses were based on 783 thematically distinct and separable sequences, so-called “potential learning opportunities”. They had been identified in a sample of 61 video-recorded lesson conferences (30 pre-lesson conferences and 31 post-lesson conferences) held between school-based mentor teachers and pre-service teachers who followed a preparation programme for secondary level I teaching. The research tool consisted in a sophisticated system of categories that had been developed for analysing the interns’ learning and the mentor teachers’ support behaviour.

As the identification of potential learning opportunities did not rely on the participating pre-service teachers’ self-assessments but was to be conducted from an external perspective, there was a need to work out a theoretically substantiated concept of how learning manifests itself in lesson conferences and, correspondingly, to define the features that render it identifiable. Eventually, two discursive activi- ties on the part of the interns were interpreted as actual learning activities: so-called “higher order reflections” and statements that clearly expressed the intention to change one’s own teaching practic- es. Other discursive activities like, for example, describing or assessing one’s own teaching were not regarded as indicators of learning. An evaluation of the coded conversations showed that, altogether, the interns had taken advantage of approximately one third of the potential learning opportunities that occurred in the course of the lesson conferences under investigation.

The mentor teachers’ support behaviour was analysed in terms of to three features: (1) conversation style and role, (2) use of modality, and (3) interaction patterns. The analyses revealed that a conversa- tion style that is only moderately directive and provides the interns with the opportunity to bring up topics themselves tends to be conducive to learning. Furthermore, the mentor teachers uttered more modal structures in the context of potential learning activities that contained indicators of learning. By doing so, they linguistically extended the space of possibilities within the dialogue, and thus opened up the discussion to negotiation and the consideration of alternative proposals. Concerning the interaction patterns, an already well corroborated result could be replicated once more: especially dialogic se- quences with co-constructive elements are likely to enhance pre-service teachers’ learning in lesson conferences.



III Kathrin Futter

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Staub Fritz, Reusser K
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:370 Education
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2016
Deposited On:01 Feb 2017 13:53
Last Modified:09 Mar 2020 16:18
Number of Pages:345
OA Status:Green
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