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"Und Action!"? Filmen als vieldeutige Praxis bei Demonstrationen


Hämmerling, Christine (2017). "Und Action!"? Filmen als vieldeutige Praxis bei Demonstrationen. In: Tomkowiak, Ingrid; Frizzoni, Brigitte; Trummer, Manuel. Action! : Artefakt, Ereignis, Erlebnis. Würzburg: Königshausen & Neumann, 225-240.

Abstract

Die Demonstrations- und Protestforschung hat immer wieder darauf hingewiesen, dass das auf die Strasse gehen im Protest eine sowohl das körperliche als auch das kollektive Moment betonende Erfahrung evoziert – eine Erfahrung, die schon immer in Narrativen festgehalten wurde.
Eine auf Reziprozität, Körperlichkeit und Kollektivität setzende Praxis des Demonstrierens wurde und wird aufgrund ihrer Potenziale zum Nicht-Alltäglichen, zur sinnlichen Ausnahmesituation und zur affektiven Aufladung sowohl in Selbstreflexionen der Demonstrierenden, als auch in öffentlichen Debatten (meist in wertender Manier) mit Attributen versehen, die sich aus Sektoren der Unterhaltung und Vergnügung ableiten lassen: So wie der „Demo-Tourismus“ als entpolitisierte Praxis kritisiert wurde, wurden „Spassguerillia“, „Clownsarmee“ als Konzepte des aktions- und spassbetonten Demonstrierens (wieder)belebt. Politisch motiviertes Demonstrieren als Tätigkeit im Kontext von Freizeit und Unterhaltung aufzufassen, hat sich somit als ein in Verhandlung begriffener Diskursstrang herausgebildet, der auf die Praxis als solche zurückwirkt.
Dieses Feld wird mit der Veralltäglichung von Smartphones in einen erweiterten Kontext gestellt. Das Filmen von Demonstrationen wird nicht mehr der Presse überlassen. Und auch die Polizei produziert nicht mehr die einzige audiovisuelle Aufzeichnung von Demo-Ereignissen. Vielmehr werden zahlreiche Handyfilme hergestellt, deren Aufnahme, je nach filmender Akteursgruppe unterschiedlichen Regeln und Zielen unterliegt. Somit verändern sich zum einen die Narrative über das Erleben bei Demonstrationen, zum anderen wird das Filmen als Praxis eingesetzt, um das Maß an „Action“ bei Demonstrationen dokumentierend zu beeinflussen.
Aushandlungsprozesse über Demo-Videos changieren somit zwischen Polizei-Videos, Handyvideos, die als selbstbezügliche Alltagspraxis einzuordnen sind (Ritter/Holfelder 2015), solchen, die intensive Erlebensmomente dokumentieren und möglicherweise provozieren sollen, dem Übergriffe dokumentierenden „filming back“ (Demonstrierende filmen die Polizei) und den zahlreichen Bearbeitungen und Spätnutzungen dieser Videos zu Lehrzwecken, zur Nacherzählung, zur Beweisführung oder zum bewerben weiterer Demonstrationen online. Anhand dieses Phänomens möchte ich argumentieren, dass der Erlebnismodus „Action“ auch im Kontext des Demonstrierens nicht unabhängig von medial-technischen Praxen verläuft.
Die Forschung basiert sowohl auf der Sichtung und Analyse von online-Beständen zu Demo-Filmen und einordnenden Schriftstücken, als auch auf Interviews mit filmenden Demonstrantionsteilnehmenden. Im Rahmen eines Arbeitsberichtes möchte ich somit die Doppeldeutigkeit von „Und Action!“ als zum Filmen einerseits und zum Agieren andererseits animierendem Appell aufnehmen und in ihren kausalen Verbindungen zugleich hinterfragen: Welche Rolle spielt die Frage danach, ob Filmen zu mehr oder zu weniger „Action“ bei Demonstrationen führt, im Diskurs über Handyfilme einerseits und den „Action-Gehalt“ von Demonstrationen andererseits?

Abstract

Die Demonstrations- und Protestforschung hat immer wieder darauf hingewiesen, dass das auf die Strasse gehen im Protest eine sowohl das körperliche als auch das kollektive Moment betonende Erfahrung evoziert – eine Erfahrung, die schon immer in Narrativen festgehalten wurde.
Eine auf Reziprozität, Körperlichkeit und Kollektivität setzende Praxis des Demonstrierens wurde und wird aufgrund ihrer Potenziale zum Nicht-Alltäglichen, zur sinnlichen Ausnahmesituation und zur affektiven Aufladung sowohl in Selbstreflexionen der Demonstrierenden, als auch in öffentlichen Debatten (meist in wertender Manier) mit Attributen versehen, die sich aus Sektoren der Unterhaltung und Vergnügung ableiten lassen: So wie der „Demo-Tourismus“ als entpolitisierte Praxis kritisiert wurde, wurden „Spassguerillia“, „Clownsarmee“ als Konzepte des aktions- und spassbetonten Demonstrierens (wieder)belebt. Politisch motiviertes Demonstrieren als Tätigkeit im Kontext von Freizeit und Unterhaltung aufzufassen, hat sich somit als ein in Verhandlung begriffener Diskursstrang herausgebildet, der auf die Praxis als solche zurückwirkt.
Dieses Feld wird mit der Veralltäglichung von Smartphones in einen erweiterten Kontext gestellt. Das Filmen von Demonstrationen wird nicht mehr der Presse überlassen. Und auch die Polizei produziert nicht mehr die einzige audiovisuelle Aufzeichnung von Demo-Ereignissen. Vielmehr werden zahlreiche Handyfilme hergestellt, deren Aufnahme, je nach filmender Akteursgruppe unterschiedlichen Regeln und Zielen unterliegt. Somit verändern sich zum einen die Narrative über das Erleben bei Demonstrationen, zum anderen wird das Filmen als Praxis eingesetzt, um das Maß an „Action“ bei Demonstrationen dokumentierend zu beeinflussen.
Aushandlungsprozesse über Demo-Videos changieren somit zwischen Polizei-Videos, Handyvideos, die als selbstbezügliche Alltagspraxis einzuordnen sind (Ritter/Holfelder 2015), solchen, die intensive Erlebensmomente dokumentieren und möglicherweise provozieren sollen, dem Übergriffe dokumentierenden „filming back“ (Demonstrierende filmen die Polizei) und den zahlreichen Bearbeitungen und Spätnutzungen dieser Videos zu Lehrzwecken, zur Nacherzählung, zur Beweisführung oder zum bewerben weiterer Demonstrationen online. Anhand dieses Phänomens möchte ich argumentieren, dass der Erlebnismodus „Action“ auch im Kontext des Demonstrierens nicht unabhängig von medial-technischen Praxen verläuft.
Die Forschung basiert sowohl auf der Sichtung und Analyse von online-Beständen zu Demo-Filmen und einordnenden Schriftstücken, als auch auf Interviews mit filmenden Demonstrantionsteilnehmenden. Im Rahmen eines Arbeitsberichtes möchte ich somit die Doppeldeutigkeit von „Und Action!“ als zum Filmen einerseits und zum Agieren andererseits animierendem Appell aufnehmen und in ihren kausalen Verbindungen zugleich hinterfragen: Welche Rolle spielt die Frage danach, ob Filmen zu mehr oder zu weniger „Action“ bei Demonstrationen führt, im Diskurs über Handyfilme einerseits und den „Action-Gehalt“ von Demonstrationen andererseits?

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Item Type:Book Section, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Department of Social Anthropology and Cultural Studies
Dewey Decimal Classification:790 Sports, games & entertainment
390 Customs, etiquette & folklore
300 Social sciences, sociology & anthropology
Language:German
Date:September 2017
Deposited On:30 Jan 2018 12:59
Last Modified:19 Mar 2018 10:17
Publisher:Königshausen & Neumann
ISBN:978-3-8260-6274-2
OA Status:Closed
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/ZAD:default_scope:ebi01_prod011026513 (Library Catalogue)
https://www.verlag-koenigshausen-neumann.de/product_info.php/info/p8751_Action--Artefakt--Ereignis--Erlebnis--Kulturen-populaerer-Unterhaltung-und-Vergnuegung--Bd--3-.html (Publisher)
http://www.isek.uzh.ch/de/popul%C3%A4rekulturen/personen/personen/haemmerling.html (Author)

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