Header

UZH-Logo

Maintenance Infos

Mundus poetarum. A.G. Baumgartens Fiktionstheorie


Berndt, Frauke (2017). Mundus poetarum. A.G. Baumgartens Fiktionstheorie. In: Koschorke, Albrecht. Komplexität und Einfachheit : DFG-Symposion 2015. Stuttgart: J.B. Metzler, 316-338.

Abstract

Alexander Gottlieb Baumgarten gilt als Diskursivitätsbegründer der modernen Ästhetik, als Begründer der Kulturwissenschaft en, und er legt den Grundstein für die moderne Literaturtheorie – genauer und besser gesagt: für eine literarische Epistemologie, wie sie in dieser Form bis heute ihresgleichen sucht. Der Komplexitätsbegriff
taucht dabei das erste Mal in seiner Geschichte als philosophischer Schlüsselbegriff auf: Komplex in ihrer Darstellung sind nämlich sowohl die literarischen Texte, die Baumgarten beobachtet, um auf dieser Grundlage die Gesetze der sinnlichen Erkenntnis zu formulieren; diese Komplexität lässt sich als Fülle oder Mannigfaltigkeit der Darstellung wie der Erkenntnis selbst begreifen und hat einen durchaus quantitativen Aspekt. ›Einfach‹ und ›komplex‹ bilden in dieser Hinsicht ein Kontinuum: Je mehr Elemente die sinnliche Darstellung bzw. Erkenntnis verarbeitet, desto komplexer ist dieser Prozess, je weniger, desto einfacher. Komplex ist aber gleichzeitig auch das System, das Baumgarten der sinnlichen Erkenntnis unterlegt; diese Komplexität zeichnet sich durch einen hohen Grad an Diff erenzierung aus und ist qualitativ zu verstehen. ›Einfach‹ und ›komplex‹ bilden in dieser Hinsicht Gegensätze: Je unordentlicher, desto einfacher ist eine solche Ordnung, je ordentlicher und begründeter, desto komplexer. Im Spannungsfeld dieser jeweils doppelt perspektivierten Komplexität bzw. Einfachheit entsteht um 1750 die moderne Literaturtheorie, weil und indem Alexander Gottlieb Baumgarten die Formatvorlage des rhetorischen Systems dadurch sprengt, dass er ihr eine Erkenntnistheorie aufpfropft (I.). Im Zentrum der literarischen Epistemologie steht der quantitativ-komplexe Begriff : conceptus complexus (II.). Dieser wird – innerhalb der qualitativ-komplexen Systematik – zu einer Fiktionstheorie erweitert, die Erzeugungsfunktion (a), Gestaltungsfunktion (b) und Wahrheitsfunktion (c) komplexer Welten umfasst (III.) und im Horizont des Modells unscharfer Erkenntnis reflektiert (IV.).

Abstract

Alexander Gottlieb Baumgarten gilt als Diskursivitätsbegründer der modernen Ästhetik, als Begründer der Kulturwissenschaft en, und er legt den Grundstein für die moderne Literaturtheorie – genauer und besser gesagt: für eine literarische Epistemologie, wie sie in dieser Form bis heute ihresgleichen sucht. Der Komplexitätsbegriff
taucht dabei das erste Mal in seiner Geschichte als philosophischer Schlüsselbegriff auf: Komplex in ihrer Darstellung sind nämlich sowohl die literarischen Texte, die Baumgarten beobachtet, um auf dieser Grundlage die Gesetze der sinnlichen Erkenntnis zu formulieren; diese Komplexität lässt sich als Fülle oder Mannigfaltigkeit der Darstellung wie der Erkenntnis selbst begreifen und hat einen durchaus quantitativen Aspekt. ›Einfach‹ und ›komplex‹ bilden in dieser Hinsicht ein Kontinuum: Je mehr Elemente die sinnliche Darstellung bzw. Erkenntnis verarbeitet, desto komplexer ist dieser Prozess, je weniger, desto einfacher. Komplex ist aber gleichzeitig auch das System, das Baumgarten der sinnlichen Erkenntnis unterlegt; diese Komplexität zeichnet sich durch einen hohen Grad an Diff erenzierung aus und ist qualitativ zu verstehen. ›Einfach‹ und ›komplex‹ bilden in dieser Hinsicht Gegensätze: Je unordentlicher, desto einfacher ist eine solche Ordnung, je ordentlicher und begründeter, desto komplexer. Im Spannungsfeld dieser jeweils doppelt perspektivierten Komplexität bzw. Einfachheit entsteht um 1750 die moderne Literaturtheorie, weil und indem Alexander Gottlieb Baumgarten die Formatvorlage des rhetorischen Systems dadurch sprengt, dass er ihr eine Erkenntnistheorie aufpfropft (I.). Im Zentrum der literarischen Epistemologie steht der quantitativ-komplexe Begriff : conceptus complexus (II.). Dieser wird – innerhalb der qualitativ-komplexen Systematik – zu einer Fiktionstheorie erweitert, die Erzeugungsfunktion (a), Gestaltungsfunktion (b) und Wahrheitsfunktion (c) komplexer Welten umfasst (III.) und im Horizont des Modells unscharfer Erkenntnis reflektiert (IV.).

Statistics

Altmetrics

Downloads

0 downloads since deposited on 10 Feb 2018
0 downloads since 12 months

Additional indexing

Item Type:Book Section, refereed, original work
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Institute of German Studies
Dewey Decimal Classification:430 German & related languages
Language:German
Date:2017
Deposited On:10 Feb 2018 17:36
Last Modified:24 Sep 2019 23:15
Publisher:J.B. Metzler
ISBN:978-3-476-04357-3
OA Status:Closed
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/ZAD:default_scope:ebi01_prod010892869 (Library Catalogue)
http://www.springer.com/de/book/9783476043566?referer=springer.de (Publisher)

Download

Closed Access: Download allowed only for UZH members