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Unheilsmächte und Schutzgenien, Antiwesen und Grenzgänger: Vorstellungen von "Dämonen" im alten Israel


Frey-Anthes, Henrike (2007). Unheilsmächte und Schutzgenien, Antiwesen und Grenzgänger: Vorstellungen von "Dämonen" im alten Israel. Fribourg, Switzerland / Göttingen, Germany: Academic Press / Vandenhoeck & Ruprecht.

Abstract

Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist der forschungsgeschichtliche Befund, dass unter dem Begriff "Dämon" eine Vielfalt von Phänomenen subsumiert wird. Der Gebrauch dieses Sammelbegriffs ohne semitisches Äquivalent suggeriert eine Einheitlichkeit der Quellen (Bilder und Texte), die sich bei näherer Betrachtung nicht bestätigt. Werden in Studien zur Ikonographie (bedrohliche) Mischwesen als "Dämonen" bezeichnet, so sind es in den Texten Krankheiten ebenso wie depotenzierte Götter oder Wesen, die die Peripherie der Zivilisation bevölkern, aus der Umwelt Israels übernommene Gestalten wie Lilit und A_modai oder Grenzgänger und Mittlergestalten wie die Figur des Satans. Die vorliegende Arbeit überprüft deshalb sowohl in terminologischer als auch funktionaler Hinsicht verschiedene Bestimmungsmerkmale des Phänomens "Dämon" (Aussehen: Mischwesen; Herkunft: depotenzierte Götter; Ort: Gegenwelten; Kommunikationsmittler: Grenzgänger; Bedrohung: Schadensgeister; Hilfe: Schutzgenien) hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf den ikonographischen Befund in Syrien-Palästina sowie auf alttestamentliche Texte. Dabei zeigt sich, dass verschiedene Zugänge zum Phänomen "Dämon" sich funktional jeweils nur auf bestimmte Texte bzw. Bilder anwenden lassen, auf andere aber nicht. Ein Überbegriff "Dämon/Dämonen" sollte deshalb für das alte Israel vermieden werden. Die beschriebenen Phänomene müssen vielmehr einzeln betrachtet und in einem zweiten Schritt auf ihre jeweiligen funktionalen Gemeinsamkeiten hin überprüft werden. In religionsgeschichtlicher Hinsicht führt die Untersuchung zum Ergebnis, dass sich über einen ausgeprägten Glauben an (negativ-)numinose Mächte neben Jahwe kaum dezidierte Aussagen machen lassen. In der Glyptik werden Schadensgeister nicht dargestellt. Statt dessen steht die Schutzthematik im Vordergrund, was lediglich als indirekter Hinweis darauf gewertet werden kann, dass es Gefahren gab, vor denen man sich schützen wollte. Im literarischen Bereich zeigt sich, dass man im alten Israel zwar Phänomene aus der Umwelt in die eigene Religion integrierte, sie zugleich aber theologisch instrumentalisierte. Nicht an Dämonologie, sondern an Theologie ist den Texten gelegen: Jahwe ist nicht nur ein omnipotenter Arzt, sondern vor allem ein omnipotenter Herrscher, dessen Macht alle anderen Mächte überstrahlt. Das Fehlen einer dezidierten Dämonologie und eines damit verbundenen Beschwörungssystems dürfte politische, ökonomische und theologische Gründe haben: Dem Herrscher Jahwe selbst eigneten zunächst positive wie negative Seiten. Mit dem voll ausgebildeten Monotheismus von Judentum und Christentum, der Gott von negativen und unheimlichen Elementen befreien will, verschiebt sich allerdings die theologische Einsicht der Alleinursächlichkeit Jahwes. Die Ausbildung einer Hierarchie von Engeln und Dämonen entlastet in gewisser Weise das Gottesbild; zugleich führt der Glaube an Engel und Dämonen aber dazu, dass in den monotheistischen Religionen ein unterschwelliger Polytheismus aufrechterhalten wird.

Abstract

Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist der forschungsgeschichtliche Befund, dass unter dem Begriff "Dämon" eine Vielfalt von Phänomenen subsumiert wird. Der Gebrauch dieses Sammelbegriffs ohne semitisches Äquivalent suggeriert eine Einheitlichkeit der Quellen (Bilder und Texte), die sich bei näherer Betrachtung nicht bestätigt. Werden in Studien zur Ikonographie (bedrohliche) Mischwesen als "Dämonen" bezeichnet, so sind es in den Texten Krankheiten ebenso wie depotenzierte Götter oder Wesen, die die Peripherie der Zivilisation bevölkern, aus der Umwelt Israels übernommene Gestalten wie Lilit und A_modai oder Grenzgänger und Mittlergestalten wie die Figur des Satans. Die vorliegende Arbeit überprüft deshalb sowohl in terminologischer als auch funktionaler Hinsicht verschiedene Bestimmungsmerkmale des Phänomens "Dämon" (Aussehen: Mischwesen; Herkunft: depotenzierte Götter; Ort: Gegenwelten; Kommunikationsmittler: Grenzgänger; Bedrohung: Schadensgeister; Hilfe: Schutzgenien) hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf den ikonographischen Befund in Syrien-Palästina sowie auf alttestamentliche Texte. Dabei zeigt sich, dass verschiedene Zugänge zum Phänomen "Dämon" sich funktional jeweils nur auf bestimmte Texte bzw. Bilder anwenden lassen, auf andere aber nicht. Ein Überbegriff "Dämon/Dämonen" sollte deshalb für das alte Israel vermieden werden. Die beschriebenen Phänomene müssen vielmehr einzeln betrachtet und in einem zweiten Schritt auf ihre jeweiligen funktionalen Gemeinsamkeiten hin überprüft werden. In religionsgeschichtlicher Hinsicht führt die Untersuchung zum Ergebnis, dass sich über einen ausgeprägten Glauben an (negativ-)numinose Mächte neben Jahwe kaum dezidierte Aussagen machen lassen. In der Glyptik werden Schadensgeister nicht dargestellt. Statt dessen steht die Schutzthematik im Vordergrund, was lediglich als indirekter Hinweis darauf gewertet werden kann, dass es Gefahren gab, vor denen man sich schützen wollte. Im literarischen Bereich zeigt sich, dass man im alten Israel zwar Phänomene aus der Umwelt in die eigene Religion integrierte, sie zugleich aber theologisch instrumentalisierte. Nicht an Dämonologie, sondern an Theologie ist den Texten gelegen: Jahwe ist nicht nur ein omnipotenter Arzt, sondern vor allem ein omnipotenter Herrscher, dessen Macht alle anderen Mächte überstrahlt. Das Fehlen einer dezidierten Dämonologie und eines damit verbundenen Beschwörungssystems dürfte politische, ökonomische und theologische Gründe haben: Dem Herrscher Jahwe selbst eigneten zunächst positive wie negative Seiten. Mit dem voll ausgebildeten Monotheismus von Judentum und Christentum, der Gott von negativen und unheimlichen Elementen befreien will, verschiebt sich allerdings die theologische Einsicht der Alleinursächlichkeit Jahwes. Die Ausbildung einer Hierarchie von Engeln und Dämonen entlastet in gewisser Weise das Gottesbild; zugleich führt der Glaube an Engel und Dämonen aber dazu, dass in den monotheistischen Religionen ein unterschwelliger Polytheismus aufrechterhalten wird.

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Item Type:Monograph
Communities & Collections:Special Collections > Orbis Biblicus et Orientalis
Dewey Decimal Classification:200 Religion
290 Other religions
930 History of ancient world (to ca. 499)
Language:German
Date:2007
Deposited On:14 Feb 2018 16:45
Last Modified:18 Feb 2018 13:18
Publisher:Academic Press / Vandenhoeck & Ruprecht
Series Name:Orbis Biblicus et Orientalis
Volume:227
Number of Pages:363
ISBN:978-3-7278-1591-1
Additional Information:Digitalisat erstellt durch Florina Tischhauser, Religionswissenschaftliches Seminar, Universität Zürich
OA Status:Green
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Language: German
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