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Räber, Michael Ivo (2018). Kultur. In: Festl, Michael G. Handbuch Pragmatismus. Stuttgart: J.B. Metzler Verlag, 94-100.

Abstract

Der Begriff Kultur wird im Alltag wie auch in den Kulturwissenschaften in mannigfachen Bedeutungen verwendet. Angesichts dieser Ausgangslage scheint es angezeigt, von Kulturbegriffen im Plural anstatt von einem singulären Kulturbegriff zu sprechen. Einfachheitshalber wird der Begriff im Folgenden dennoch im Singular verwendet. Ungeachtet dieser Bedeutungsvielfalt können zwei grundlegend verschiedene Verständnisse des Kulturbegriffs unterschieden werden, wie sie seit dem 19. Jahrhundert in Verwendung sind. Kultur im ersten Sinne bezieht sich auf die Herstellung und Wertschätzung von akademischem Wissen und schönen Künsten. Für diesen ersten Sinn von Kultur steht exemplarisch im Kontext der im 19. Jahrhundert aufkommenden Begriffsverwendung Matthew Arnolds Kulturtheorie. Arnold wurde so rezipiert, dass er eine Definition von Kultur vorschlägt, die Kultur idealistisch als elitäres Unterfangen versteht, Produkte hervorzubringen, die primär den wenigen begünstigten Gebildeten und Begüterten zugänglich sind (Arnold 2015). Diesem elitären Kulturverständnis steht ein zweites, anthropologisches Verständnis von Kultur zur Seite, das Arnolds Zeitgenosse Edward B. Tylor (Tylor 1994) formuliert hat: Kultur wird hier in einer weiten, ethnographisch-anthropologischen Bedeutung als das komplexe Ganze von Wissen, Glauben, Künsten, Moralvorstellungen, Gesetzen, Bräuchen und allen weiteren Fähigkeiten und Gewohnheiten verstanden, die Menschen als Mitglieder von Gesellschaften hervorbringen und sich aneignen. Sowohl im klassischen Pragmatismus wie auch bei einigen zeitgenössischen Neopragmatisten, ebenso überhaupt in den Geistes- und Sozialwissenschaften des 20. Jahrhunderts und der bis heute aktuellen in den Kulturwissenschaften, wird der Kulturbegriff hauptsächlich in diesem zweiten, anthropologischen Sinne verwendet

Abstract

Der Begriff Kultur wird im Alltag wie auch in den Kulturwissenschaften in mannigfachen Bedeutungen verwendet. Angesichts dieser Ausgangslage scheint es angezeigt, von Kulturbegriffen im Plural anstatt von einem singulären Kulturbegriff zu sprechen. Einfachheitshalber wird der Begriff im Folgenden dennoch im Singular verwendet. Ungeachtet dieser Bedeutungsvielfalt können zwei grundlegend verschiedene Verständnisse des Kulturbegriffs unterschieden werden, wie sie seit dem 19. Jahrhundert in Verwendung sind. Kultur im ersten Sinne bezieht sich auf die Herstellung und Wertschätzung von akademischem Wissen und schönen Künsten. Für diesen ersten Sinn von Kultur steht exemplarisch im Kontext der im 19. Jahrhundert aufkommenden Begriffsverwendung Matthew Arnolds Kulturtheorie. Arnold wurde so rezipiert, dass er eine Definition von Kultur vorschlägt, die Kultur idealistisch als elitäres Unterfangen versteht, Produkte hervorzubringen, die primär den wenigen begünstigten Gebildeten und Begüterten zugänglich sind (Arnold 2015). Diesem elitären Kulturverständnis steht ein zweites, anthropologisches Verständnis von Kultur zur Seite, das Arnolds Zeitgenosse Edward B. Tylor (Tylor 1994) formuliert hat: Kultur wird hier in einer weiten, ethnographisch-anthropologischen Bedeutung als das komplexe Ganze von Wissen, Glauben, Künsten, Moralvorstellungen, Gesetzen, Bräuchen und allen weiteren Fähigkeiten und Gewohnheiten verstanden, die Menschen als Mitglieder von Gesellschaften hervorbringen und sich aneignen. Sowohl im klassischen Pragmatismus wie auch bei einigen zeitgenössischen Neopragmatisten, ebenso überhaupt in den Geistes- und Sozialwissenschaften des 20. Jahrhunderts und der bis heute aktuellen in den Kulturwissenschaften, wird der Kulturbegriff hauptsächlich in diesem zweiten, anthropologischen Sinne verwendet

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Item Type:Book Section, not_refereed, original work
Communities & Collections:01 Faculty of Theology > Center for Ethics
06 Faculty of Arts > Institute of Philosophy
Dewey Decimal Classification:100 Philosophy
Language:German
Date:28 May 2018
Deposited On:12 Sep 2018 13:09
Last Modified:07 Apr 2020 07:10
Publisher:J.B. Metzler Verlag
ISBN:978-3-476-04556-0
OA Status:Green
Publisher DOI:https://doi.org/10.1007/978-3-476-04557-7_13
Official URL:https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-476-04557-7_13
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=ebi01_prod011257620&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&isFrbr=true&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)
https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=ebi01_prod011272445&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&isFrbr=true&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)
https://www.metzlerverlag.de/suche/# (Publisher)

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