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Eindrucksvolle Formbarkeit: Das Gehirn von erwachsenen Analphabeten verändert sich tiefgreifend durch Lesenlernen


Kucian, Karin (2018). Eindrucksvolle Formbarkeit: Das Gehirn von erwachsenen Analphabeten verändert sich tiefgreifend durch Lesenlernen. Lernen und Lernstörungen, 7(4):265.

Abstract

Das Thema Analphabetismus ist äußerst tabubehaftet. Die Studie von Skeide et al. (2017) zeigte allerdings eindrucksvoll, dass bereits nach 6 monatigem Lesetraining Analphabetinnen erstaunliche Lernerfolge erzielten. Dies ist ein ermutigendes Signal für erwachsene Analphabeten.
Die Studie wurde in Indien durchgeführt, einem Land mit einer 39 prozentigen Analphabetismusrate, die überwiegend Frauen betrifft. Total wurden 30 analphabetische Frauen untersucht, wobei 21 ein Lesetraining während 6 Monaten erhalten haben und 9 keine Leseinstruktion. Neben der Erfassung von Verhaltensdaten wurde vor und nach dem Lesetraining das Gehirn mittels Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht.
Eindrucksvoll zeigten die Ergebnisse, dass die Leseinstruktion nicht nur zu Veränderungen in der Großhirnrinde führte, sondern sie bis in den Thalamus und den Hirnstamm reichten. Thalamus und Hirnstamm helfen wichtige Information aus dem visuellen Reizstrom herauszufiltern, bevor diese an den visuellen Kortex gelangen. Die Autoren konnten weiter zeigen, dass je besser die Lesefähigkeiten ausgeprägt waren, desto effizienter arbeiteten Thalamus, Hirnstamm und der visuelle Kortex zusammen. Sie schließen, dass auf diese Weise geübte Leser vermutlich besser durch Texte navigieren können.
Die Ergebnisse ergänzen die bisherigen neuronalen Modelle des Lesenlernens, indem sie erstmals aufzeigen, dass durch das Lesenlernen bereits die frühesten visuellen Verarbeitungszentren verändert werden, bevor der visuelle Kortex erreicht wird. Es bleibt zu überprüfen, ob Defizite in diesen subkortikalen Arealen, Thalamus und Hirnstamm, die Konsequenz einer reduzierten Leseerfahrung bei Dyslexikern oder eine potentielle Ursache für Dyslexie darstellt.

Abstract

Das Thema Analphabetismus ist äußerst tabubehaftet. Die Studie von Skeide et al. (2017) zeigte allerdings eindrucksvoll, dass bereits nach 6 monatigem Lesetraining Analphabetinnen erstaunliche Lernerfolge erzielten. Dies ist ein ermutigendes Signal für erwachsene Analphabeten.
Die Studie wurde in Indien durchgeführt, einem Land mit einer 39 prozentigen Analphabetismusrate, die überwiegend Frauen betrifft. Total wurden 30 analphabetische Frauen untersucht, wobei 21 ein Lesetraining während 6 Monaten erhalten haben und 9 keine Leseinstruktion. Neben der Erfassung von Verhaltensdaten wurde vor und nach dem Lesetraining das Gehirn mittels Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht.
Eindrucksvoll zeigten die Ergebnisse, dass die Leseinstruktion nicht nur zu Veränderungen in der Großhirnrinde führte, sondern sie bis in den Thalamus und den Hirnstamm reichten. Thalamus und Hirnstamm helfen wichtige Information aus dem visuellen Reizstrom herauszufiltern, bevor diese an den visuellen Kortex gelangen. Die Autoren konnten weiter zeigen, dass je besser die Lesefähigkeiten ausgeprägt waren, desto effizienter arbeiteten Thalamus, Hirnstamm und der visuelle Kortex zusammen. Sie schließen, dass auf diese Weise geübte Leser vermutlich besser durch Texte navigieren können.
Die Ergebnisse ergänzen die bisherigen neuronalen Modelle des Lesenlernens, indem sie erstmals aufzeigen, dass durch das Lesenlernen bereits die frühesten visuellen Verarbeitungszentren verändert werden, bevor der visuelle Kortex erreicht wird. Es bleibt zu überprüfen, ob Defizite in diesen subkortikalen Arealen, Thalamus und Hirnstamm, die Konsequenz einer reduzierten Leseerfahrung bei Dyslexikern oder eine potentielle Ursache für Dyslexie darstellt.

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Item Type:Journal Article, refereed, further contribution
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > University Children's Hospital Zurich > Medical Clinic
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:1 October 2018
Deposited On:25 Jan 2019 08:25
Last Modified:29 Jul 2020 08:34
Publisher:Hogrefe Verlag
ISSN:2235-0977
OA Status:Closed
Publisher DOI:https://doi.org/10.1024/2235-0977/a000243

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