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Online-Anfragen zu Übergewicht und Adipositas an die Klinische Telemedizin am UniversitätsSpital Zürich im Zeitraum 1999 bis 2016


Barresi, Fabio. Online-Anfragen zu Übergewicht und Adipositas an die Klinische Telemedizin am UniversitätsSpital Zürich im Zeitraum 1999 bis 2016. 2018, University of Zurich, Faculty of Medicine.

Abstract

Übergewicht und Adipositas gehören zu den wichtigsten medizinischen Problemen unserer Zeit. Sie sind wesentliche Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Ausserdem kann Übergewicht auch psychosoziale Auswirkungen haben. Ärzte der Grundversorgung spielen eine Schlüsselrolle in der Begleitung von Patienten mit Übergewicht und Adipositas. Telemedizin kann eine Möglichkeit darstellen, übergewichtigen Menschen zu helfen, dies in Ergänzung und Unterstützung der Ärzte in der Grundversorgung. Telemedizin wird definiert als die Benutzung von Telekommunikations-Technologien zur Bereitstellung von medizinischen Informationen und Dienstleistungen und dient beispielsweise dazu, den Patienten professionelle Informationen zur Verfügung zu stellen, wenn Patient und Arzt sich an verschiedenen Orten befinden. Das USZ bietet seit 1999 eine medizinische Onlineberatung an, und über diesen Service erhalten Patienten Zugriff zu individuellen Gesundheitsfragen. In dieser Arbeit wurden alle eingehenden Anfragen an die Onlineberatung USZ zum Thema Übergewicht oder Adipositas im Zeitraum 1999 bis 2016 untersucht. Der Inhalt der Fragen der Patienten und der Antworten der Ärzte wurden qualitativ anhand der Methode nach Mayring analysiert. Alle bedeutungstragenden Texteinheiten wurden dabei induktiv kategorisiert, indem sie einer Hauptkategorie und sukzessiv einer Subkategorie zugeordnet wurden. Die Daten der Kategorien und Unterkategorien wurden statistisch ausgewertet. Für die Zeitperiode 1999 bis 2016 konnten 284 Anfragen zum Thema Übergewicht und Adipositas für die inhaltliche Analyse verwendet werden. Die meisten dieser Anfragen (n=179, 63%) wurden in den Jahren 2004 bis 2007 gestellt. Der Anteil der weiblichen Anfragenden betrug 68.7% (n=195); das Durchschnittsalter der Anfragenden lag bei 34.3 Jahren; der Durschnitts-BMI lag bei 32.6kg/m2. Am häufigsten wurde nach Fachinformationen gefragt (n=300, Mehrfach-Anfragen pro Anfragender möglich), hierunter vor allem nach Gewichtsreduktionsmethoden (n=224, 74.7%), und hierunter wurde wiederum am häufigsten nach chirurgischen Gewichtsreduktionsmethoden gefragt (n=79, 38.3%). Zu den Gründen, weshalb sich die Anfragenden an die Onlineberatung wandten, wurden unter anderen genannt: Einholen einer Zweitmeinung; Scham, den Hausarzt oder einen anderen Arzt zu konsultieren; Enttäuschung über den behandelnden Arzt beim Umgang mit dem Thema Übergewicht. Es gaben n=33 (11.6% von 284) Anfragenden in ihrer Anfrage zum Thema Übergewicht an, an depressiven Beschwerden zu leiden. Die Anfragenden berichteten über erfolglose Gewichtsreduktions-Versuche (n=81, 28.5% von 284 Anfragenden) und fragten nach Adressen für eine professionelle Hilfe bei ihrem Vorhaben, Gewicht zu reduzieren (n=53, 18.7% von 284 Anfragenden). Zur Motivation für die Gewichtsreduktion wurden ästhetische Gründe aber auch psychische und physische Belastung durch das Übergewicht genannt, wobei erstere tendenziell eher von den jüngeren Anfragestellern und letztere tendenziell eher von älteren Anfragestellern angegeben wurden. Bei den Antworten der Telemediziner liessen sich bei den n=284 analysierten Anfragen insgesamt n=984 Empfehlungen oder Informationen zählen. Am häufigsten wurden in den Antworten der Telemediziner medizinische Sachverhalte laienverständlich erklärt (n=157, 16.0%), am zweithäufigsten gaben die Telemediziner Hinweise auf eine beratende Stelle am USZ (n=148, 15.0%), an welche sich die Anfragenden mit ihrem Anliegen wenden konnten. Die Telemediziner gaben zudem unter anderem auch Tipps zu körperlichen Aktivitäten und Ernährung (n=68, 6.9%). Betreffend Verständlichkeit bzw. Nutzen der Antworten der Telemediziner liessen sich n=97 bzw. n=96 Rückmeldungen der Anfragenden finden (entspricht 33.8% bzw. 34.2% von 284 Anfragen). Es bewerteten n=92 (94.8% von 97) bzw. n=73 (76.0% von 96) der Anfragenden die Verständlichkeit bzw. den Nutzen der Antworten der Telemediziner als „gut“ oder „sehr gut“. Adipositas-Patienten leiden häufig unter einer Stigmatisierung ihrer Erkrankung, und es besteht eine bidirektionale Beziehung zwischen Adipositas und Depression. Scham kann unter anderem ein Grund sein, weshalb Adipositas-Patienten das Thema Adipositas beim behandelnden Arzt nicht ansprechen. Zeitmangel kann ebenfalls ein Grund sein dafür. Auch das Geschlecht scheint eine Rolle zu spielen: verglichen mit Frauen tendieren Männer eher dazu, das Thema Adipositas beim behandelnden Arzt nicht anzusprechen. Mit einer E-Mail-basierten Telekonsultation kann Patienten, welche an Übergewicht oder Adipositas leiden, ein niederschwelliges Angebot zu qualitativ hochstehenden Gesundheitsinformationen angeboten werden. Der Zugang zu diesen Gesundheitsinformationen ist zudem nicht zeit- oder ortsgebunden. Der Anfragende kann seine Frage am heimischen Computer in Ruhe und unabhängig von emotionellen Einflüssen der Arzt-Patient-Beziehung präzise formulieren, und die Beratungsmöglichkeit kann unabhängig von Öffnungszeiten und anonym in Anspruch genommen werden. Übergewicht und Adipositas können mit einer erhöhten Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen einhergehen. Patienten wünschen zunehmend mehr medizinische Informationen und möchten sich gerne an ärztlichen Entscheidungen beteiligen. Patienten suchen Sicherheit, wenn es um Gesundheitsthemen geht. Die Bereitstellung professioneller Gesundheitsinformationen durch die Onlineberatung am USZ leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Gesundheitskompetenz der Patienten und kann zudem dazu beitragen, Kosten im Gesundheitswesen zu sparen. Die Onlineberater am USZ haben ausserdem die Möglichkeit, Anfragende auf eine Fachstelle am USZ hinzuweisen, wo die Anfragenden kompetent, multidisziplinär und nach dem aktuellsten Wissenstand beraten oder behandelt werden können.

Abstract

Übergewicht und Adipositas gehören zu den wichtigsten medizinischen Problemen unserer Zeit. Sie sind wesentliche Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Ausserdem kann Übergewicht auch psychosoziale Auswirkungen haben. Ärzte der Grundversorgung spielen eine Schlüsselrolle in der Begleitung von Patienten mit Übergewicht und Adipositas. Telemedizin kann eine Möglichkeit darstellen, übergewichtigen Menschen zu helfen, dies in Ergänzung und Unterstützung der Ärzte in der Grundversorgung. Telemedizin wird definiert als die Benutzung von Telekommunikations-Technologien zur Bereitstellung von medizinischen Informationen und Dienstleistungen und dient beispielsweise dazu, den Patienten professionelle Informationen zur Verfügung zu stellen, wenn Patient und Arzt sich an verschiedenen Orten befinden. Das USZ bietet seit 1999 eine medizinische Onlineberatung an, und über diesen Service erhalten Patienten Zugriff zu individuellen Gesundheitsfragen. In dieser Arbeit wurden alle eingehenden Anfragen an die Onlineberatung USZ zum Thema Übergewicht oder Adipositas im Zeitraum 1999 bis 2016 untersucht. Der Inhalt der Fragen der Patienten und der Antworten der Ärzte wurden qualitativ anhand der Methode nach Mayring analysiert. Alle bedeutungstragenden Texteinheiten wurden dabei induktiv kategorisiert, indem sie einer Hauptkategorie und sukzessiv einer Subkategorie zugeordnet wurden. Die Daten der Kategorien und Unterkategorien wurden statistisch ausgewertet. Für die Zeitperiode 1999 bis 2016 konnten 284 Anfragen zum Thema Übergewicht und Adipositas für die inhaltliche Analyse verwendet werden. Die meisten dieser Anfragen (n=179, 63%) wurden in den Jahren 2004 bis 2007 gestellt. Der Anteil der weiblichen Anfragenden betrug 68.7% (n=195); das Durchschnittsalter der Anfragenden lag bei 34.3 Jahren; der Durschnitts-BMI lag bei 32.6kg/m2. Am häufigsten wurde nach Fachinformationen gefragt (n=300, Mehrfach-Anfragen pro Anfragender möglich), hierunter vor allem nach Gewichtsreduktionsmethoden (n=224, 74.7%), und hierunter wurde wiederum am häufigsten nach chirurgischen Gewichtsreduktionsmethoden gefragt (n=79, 38.3%). Zu den Gründen, weshalb sich die Anfragenden an die Onlineberatung wandten, wurden unter anderen genannt: Einholen einer Zweitmeinung; Scham, den Hausarzt oder einen anderen Arzt zu konsultieren; Enttäuschung über den behandelnden Arzt beim Umgang mit dem Thema Übergewicht. Es gaben n=33 (11.6% von 284) Anfragenden in ihrer Anfrage zum Thema Übergewicht an, an depressiven Beschwerden zu leiden. Die Anfragenden berichteten über erfolglose Gewichtsreduktions-Versuche (n=81, 28.5% von 284 Anfragenden) und fragten nach Adressen für eine professionelle Hilfe bei ihrem Vorhaben, Gewicht zu reduzieren (n=53, 18.7% von 284 Anfragenden). Zur Motivation für die Gewichtsreduktion wurden ästhetische Gründe aber auch psychische und physische Belastung durch das Übergewicht genannt, wobei erstere tendenziell eher von den jüngeren Anfragestellern und letztere tendenziell eher von älteren Anfragestellern angegeben wurden. Bei den Antworten der Telemediziner liessen sich bei den n=284 analysierten Anfragen insgesamt n=984 Empfehlungen oder Informationen zählen. Am häufigsten wurden in den Antworten der Telemediziner medizinische Sachverhalte laienverständlich erklärt (n=157, 16.0%), am zweithäufigsten gaben die Telemediziner Hinweise auf eine beratende Stelle am USZ (n=148, 15.0%), an welche sich die Anfragenden mit ihrem Anliegen wenden konnten. Die Telemediziner gaben zudem unter anderem auch Tipps zu körperlichen Aktivitäten und Ernährung (n=68, 6.9%). Betreffend Verständlichkeit bzw. Nutzen der Antworten der Telemediziner liessen sich n=97 bzw. n=96 Rückmeldungen der Anfragenden finden (entspricht 33.8% bzw. 34.2% von 284 Anfragen). Es bewerteten n=92 (94.8% von 97) bzw. n=73 (76.0% von 96) der Anfragenden die Verständlichkeit bzw. den Nutzen der Antworten der Telemediziner als „gut“ oder „sehr gut“. Adipositas-Patienten leiden häufig unter einer Stigmatisierung ihrer Erkrankung, und es besteht eine bidirektionale Beziehung zwischen Adipositas und Depression. Scham kann unter anderem ein Grund sein, weshalb Adipositas-Patienten das Thema Adipositas beim behandelnden Arzt nicht ansprechen. Zeitmangel kann ebenfalls ein Grund sein dafür. Auch das Geschlecht scheint eine Rolle zu spielen: verglichen mit Frauen tendieren Männer eher dazu, das Thema Adipositas beim behandelnden Arzt nicht anzusprechen. Mit einer E-Mail-basierten Telekonsultation kann Patienten, welche an Übergewicht oder Adipositas leiden, ein niederschwelliges Angebot zu qualitativ hochstehenden Gesundheitsinformationen angeboten werden. Der Zugang zu diesen Gesundheitsinformationen ist zudem nicht zeit- oder ortsgebunden. Der Anfragende kann seine Frage am heimischen Computer in Ruhe und unabhängig von emotionellen Einflüssen der Arzt-Patient-Beziehung präzise formulieren, und die Beratungsmöglichkeit kann unabhängig von Öffnungszeiten und anonym in Anspruch genommen werden. Übergewicht und Adipositas können mit einer erhöhten Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen einhergehen. Patienten wünschen zunehmend mehr medizinische Informationen und möchten sich gerne an ärztlichen Entscheidungen beteiligen. Patienten suchen Sicherheit, wenn es um Gesundheitsthemen geht. Die Bereitstellung professioneller Gesundheitsinformationen durch die Onlineberatung am USZ leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Gesundheitskompetenz der Patienten und kann zudem dazu beitragen, Kosten im Gesundheitswesen zu sparen. Die Onlineberater am USZ haben ausserdem die Möglichkeit, Anfragende auf eine Fachstelle am USZ hinzuweisen, wo die Anfragenden kompetent, multidisziplinär und nach dem aktuellsten Wissenstand beraten oder behandelt werden können.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Schmidt-Weitmann S, Brockes Christiane
Communities & Collections:04 Faculty of Medicine > University Hospital Zurich > Clinic and Policlinic for Internal Medicine
Dewey Decimal Classification:610 Medicine & health
Language:German
Date:December 2018
Deposited On:26 Dec 2018 17:34
Last Modified:26 Dec 2018 17:37
OA Status:Green

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