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Endocrine stress responses in critical care nurses : a possible relation to job turnover?


Kreyer, Ingo. Endocrine stress responses in critical care nurses : a possible relation to job turnover? 2003, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Beide Studien, die den Kern dieser Dissertation bilden, beschäftigen sich mit der Messung der Cortisolkonzentration im Speichel von Menschen am Arbeitsplatz und damit verbundenen Phänomenen. Die Konzentration des ungebundenen Cortisols im Speichel zeigt normalerweise einen Anstieg beim Erwachen, gefolgt von einem kontinuierlichen Abfall über den Tag hinweg. Das Fehlen dieses Musters, also abgeflachte Cortisolkurven wurden bisher außer bei klinisch auffälligen Personengruppen nur in Verbindung mit Arbeitslosigkeit (Ockenfels 1995), einer guten Beziehungsqualität zwischen Müttern und ihren Kindern (Adam 2001) und erhöhtem Arbeitsstress (Caplan 1979) gefunden. Verschiedene Studien haben Personen mit flacher Cortisolkurve identifiziert (Smyth 1997; Stone 2001), ohne dieses Phänomen jedoch erklären zu können. Die erste der beiden Studien hatte zum Ziel, diese Befunde zu replizieren und mit Hilfe moderner Multilevel-Modelle (Rasbash 2000) zu analysieren. Insgesamt wurden 3806 Speichelproben von 123 Ärtzten und Krankenschwestern während Früh-, Spät- und Nachtschichten in einer Abteilung für tertiäre pediatrische Intensivpflege jeweils im 2-Stunden-Rhythmus gesammelt. Die einfache statistische Modellierung der Daten, die auch von den Studien verwendet wurde, die über das Auftreten flacher Cortisolkurven berichteten, bestätigte die bisherigen Befunde: 12% aller Arbeitsschichten wiesen flache Cortisolkurven auf, und 10% aller Individuen zeigten intraindividuell gemittelte flache Kurven. Die Unterschiede auf Ebene der Individuen blieben jedoch nicht länger signifikant, nachdem das Multilevel-Modell um weitere erklärende Variablen, wie z. B. Geschlecht und Aufwachzeit, ergänzt wurde. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, das die Cortisolausschüttung im Tagesverlauf einem stabilen Muster folgt, das interindividuell sehr stabil ist. "Flache" Kurven können auf die Variabilität innerhalb der Tagesverläufe eines Individuums oder auf die Variabilität innerhalb der Speichelproben zurückgeführt werden. Die zweite Studie beschäftigte sich mit stressbedingter Cortisolausschüttung. Es sollte überprüft werden, ob die Wahrnehmung von akutem Stress oder endokriner Stressreaktionen den Verbleib von Intensivpflegeschwestern in ihrem Job beeinflussen. Hohe Fluktuation des Personals und die Schwierigkeit, erfahrende Krankenschwestern zu halten, stellt weltweit ein großes Problem für Intensivpflegeabteilungen dar. Als Ursache wird u. a. die permanente Einwirkung von Stress und das dadurch begünstigte Auftreten eines Burnouts gesehen. Verlaufsstudien, die die akut gemessene Stresswahrnehmung mit endokrinen Stressindikatoren verbinden sind rar. In der vorliegenden Studie wurden die Arbeitschichten von 112 qualifizierte Krankenschwestern wurden zu Studienbeginn aufgezeichnet. Als Verbleib definierten wir die Zeit, die seit Studienbeginn bis zum Verlassen des Jobs vergangen war. Die Beobachtungszeit betrug 4,5 Jahre. Als Stressmaße bei Kohorteneintritt wurden 3 verschieden Indikatoren erhoben: 1) die Häufigkeit endokriner Stressreaktionen (Erhöhung der Speichelcortisolkonzentration um mindestens 50% in Bezug auf die Baseline; 2) Mit jeder Speichelprobe wurde auch die subjektive Wahrnehmung des akuten Stresses erfasst; 3) Die Arbeitsbedingungen wurden über einen Fragebogen zu Studienbeginn und mit einem Fragebogen zum Ende jeder Schicht erhoben. Krankenschwestern, deren Häufigkeit endokriner Reaktionen unterhalb des Medians (< 12.8% aller Proben) lag, verließen ihre Abteilung früher (p = 0.06). Zwischen dem Verbleib und der subjektiven Stresswahrnehmung konnte kein Zusammenhang festgestellt werden. Krankenschwestern, deren Beurteilung ihrer Arbeitsbedingungen für den kombinierten Faktor Teamklima, Führungsstil und Arbeitszufriedenheit im untersten Terzil lag, verließen ihre Abteilung signifikant früher als die anderen (p = 0.03).

The thesis consists of two papers dealing with the measurement of salivary cortisol levels of people at work and several related phenomena. The concentration of free salivary cortisol shows an awakening increase with subsequent decline throughout the day. The absence of this pattern with "flattened" slopes have been observed within non-clinical groups in connection with unemployness (Ockenfels 1995), a good relationship functioning (Adam 2001) and high levels of work stress (Caplan 1979). Several studies have identified individuals with flattened cortisol slopes (Smyth 1997; Stone 2001), without being able to explain this phenomenon. The goal of the first study was designed to replicate these findings using advanced multilevel statistical models (Rasbash 2000). 3806 probes from 123 physicians and nurses during early, late and nightshifts in a tertiary pediatric intensive care unit have been collected at two-hourly intervals. The first model, used by the earlier studies reporting flattened cortisol slope, confirmed their findings: 12% of the shifts showed flattened slopes, and 10% of all individuals had flattened averaged slopes. In the multilevel model, slope terms no longer retained significant between subject variance, after entering appropriate additional explanatory variables such as gender, awakening time. These data suggest that circadian cortisol secretion follows a stable pattern across individuals. "Flattened" slopes arise from between day variance within individuals or from between-samples variance. The second paper explores stress-related cortisol levels. We tried to elucidate whether acute stress perception or endocrine stress reactions are related to retention of critical care nurses. High turnover rates of staff and failure to retain experienced nurses is a major concern for critical care units worldwide. Part of this problem has been attributed to critical care nurses' consistent exposure to stress and ensuing burnout. Empirical data that prospectively relate acutely measured stress perception or endocrine stress reactions to retention are scarce. The working shifts of 112 qualified nurses were scheduled during the cohort entry period. Retention was defined as the time elapsing from cohort entry until leaving the job. Observation time was 4.5 years. Exposure determined at cohort entry was a) the frequency of endocrine stress responses based on two- hourly measurement of salivary cortisol (response defined as increase by at least 50% over baseline); b) the subjective perception of acute stress recorded with each sample; and c) work characteristics as assessed by baseline- and end-of-shift questionnaires. Nurses with below median frequency (< 12.8% of all samples) tended to leave the unit earlier (p = 0.06). No association with retention was found for subjective stress perception. Nurses scoring in the lowest tercile of a factor consisting of perceived team climate, leadership style and job satisfaction left the unit significantly earlier (p = 0.03).

Abstract

Beide Studien, die den Kern dieser Dissertation bilden, beschäftigen sich mit der Messung der Cortisolkonzentration im Speichel von Menschen am Arbeitsplatz und damit verbundenen Phänomenen. Die Konzentration des ungebundenen Cortisols im Speichel zeigt normalerweise einen Anstieg beim Erwachen, gefolgt von einem kontinuierlichen Abfall über den Tag hinweg. Das Fehlen dieses Musters, also abgeflachte Cortisolkurven wurden bisher außer bei klinisch auffälligen Personengruppen nur in Verbindung mit Arbeitslosigkeit (Ockenfels 1995), einer guten Beziehungsqualität zwischen Müttern und ihren Kindern (Adam 2001) und erhöhtem Arbeitsstress (Caplan 1979) gefunden. Verschiedene Studien haben Personen mit flacher Cortisolkurve identifiziert (Smyth 1997; Stone 2001), ohne dieses Phänomen jedoch erklären zu können. Die erste der beiden Studien hatte zum Ziel, diese Befunde zu replizieren und mit Hilfe moderner Multilevel-Modelle (Rasbash 2000) zu analysieren. Insgesamt wurden 3806 Speichelproben von 123 Ärtzten und Krankenschwestern während Früh-, Spät- und Nachtschichten in einer Abteilung für tertiäre pediatrische Intensivpflege jeweils im 2-Stunden-Rhythmus gesammelt. Die einfache statistische Modellierung der Daten, die auch von den Studien verwendet wurde, die über das Auftreten flacher Cortisolkurven berichteten, bestätigte die bisherigen Befunde: 12% aller Arbeitsschichten wiesen flache Cortisolkurven auf, und 10% aller Individuen zeigten intraindividuell gemittelte flache Kurven. Die Unterschiede auf Ebene der Individuen blieben jedoch nicht länger signifikant, nachdem das Multilevel-Modell um weitere erklärende Variablen, wie z. B. Geschlecht und Aufwachzeit, ergänzt wurde. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, das die Cortisolausschüttung im Tagesverlauf einem stabilen Muster folgt, das interindividuell sehr stabil ist. "Flache" Kurven können auf die Variabilität innerhalb der Tagesverläufe eines Individuums oder auf die Variabilität innerhalb der Speichelproben zurückgeführt werden. Die zweite Studie beschäftigte sich mit stressbedingter Cortisolausschüttung. Es sollte überprüft werden, ob die Wahrnehmung von akutem Stress oder endokriner Stressreaktionen den Verbleib von Intensivpflegeschwestern in ihrem Job beeinflussen. Hohe Fluktuation des Personals und die Schwierigkeit, erfahrende Krankenschwestern zu halten, stellt weltweit ein großes Problem für Intensivpflegeabteilungen dar. Als Ursache wird u. a. die permanente Einwirkung von Stress und das dadurch begünstigte Auftreten eines Burnouts gesehen. Verlaufsstudien, die die akut gemessene Stresswahrnehmung mit endokrinen Stressindikatoren verbinden sind rar. In der vorliegenden Studie wurden die Arbeitschichten von 112 qualifizierte Krankenschwestern wurden zu Studienbeginn aufgezeichnet. Als Verbleib definierten wir die Zeit, die seit Studienbeginn bis zum Verlassen des Jobs vergangen war. Die Beobachtungszeit betrug 4,5 Jahre. Als Stressmaße bei Kohorteneintritt wurden 3 verschieden Indikatoren erhoben: 1) die Häufigkeit endokriner Stressreaktionen (Erhöhung der Speichelcortisolkonzentration um mindestens 50% in Bezug auf die Baseline; 2) Mit jeder Speichelprobe wurde auch die subjektive Wahrnehmung des akuten Stresses erfasst; 3) Die Arbeitsbedingungen wurden über einen Fragebogen zu Studienbeginn und mit einem Fragebogen zum Ende jeder Schicht erhoben. Krankenschwestern, deren Häufigkeit endokriner Reaktionen unterhalb des Medians (< 12.8% aller Proben) lag, verließen ihre Abteilung früher (p = 0.06). Zwischen dem Verbleib und der subjektiven Stresswahrnehmung konnte kein Zusammenhang festgestellt werden. Krankenschwestern, deren Beurteilung ihrer Arbeitsbedingungen für den kombinierten Faktor Teamklima, Führungsstil und Arbeitszufriedenheit im untersten Terzil lag, verließen ihre Abteilung signifikant früher als die anderen (p = 0.03).

The thesis consists of two papers dealing with the measurement of salivary cortisol levels of people at work and several related phenomena. The concentration of free salivary cortisol shows an awakening increase with subsequent decline throughout the day. The absence of this pattern with "flattened" slopes have been observed within non-clinical groups in connection with unemployness (Ockenfels 1995), a good relationship functioning (Adam 2001) and high levels of work stress (Caplan 1979). Several studies have identified individuals with flattened cortisol slopes (Smyth 1997; Stone 2001), without being able to explain this phenomenon. The goal of the first study was designed to replicate these findings using advanced multilevel statistical models (Rasbash 2000). 3806 probes from 123 physicians and nurses during early, late and nightshifts in a tertiary pediatric intensive care unit have been collected at two-hourly intervals. The first model, used by the earlier studies reporting flattened cortisol slope, confirmed their findings: 12% of the shifts showed flattened slopes, and 10% of all individuals had flattened averaged slopes. In the multilevel model, slope terms no longer retained significant between subject variance, after entering appropriate additional explanatory variables such as gender, awakening time. These data suggest that circadian cortisol secretion follows a stable pattern across individuals. "Flattened" slopes arise from between day variance within individuals or from between-samples variance. The second paper explores stress-related cortisol levels. We tried to elucidate whether acute stress perception or endocrine stress reactions are related to retention of critical care nurses. High turnover rates of staff and failure to retain experienced nurses is a major concern for critical care units worldwide. Part of this problem has been attributed to critical care nurses' consistent exposure to stress and ensuing burnout. Empirical data that prospectively relate acutely measured stress perception or endocrine stress reactions to retention are scarce. The working shifts of 112 qualified nurses were scheduled during the cohort entry period. Retention was defined as the time elapsing from cohort entry until leaving the job. Observation time was 4.5 years. Exposure determined at cohort entry was a) the frequency of endocrine stress responses based on two- hourly measurement of salivary cortisol (response defined as increase by at least 50% over baseline); b) the subjective perception of acute stress recorded with each sample; and c) work characteristics as assessed by baseline- and end-of-shift questionnaires. Nurses with below median frequency (< 12.8% of all samples) tended to leave the unit earlier (p = 0.06). No association with retention was found for subjective stress perception. Nurses scoring in the lowest tercile of a factor consisting of perceived team climate, leadership style and job satisfaction left the unit significantly earlier (p = 0.03).

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Ehlert Ulrike, Fischer Joachim
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:English
Place of Publication:Zürich
Date:2003
Deposited On:08 May 2019 13:28
Last Modified:07 Apr 2020 07:15
Number of Pages:106
OA Status:Green
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