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Diversa diversis : die Visualisierung mittelalterlicher Standespredigten : eine Untersuchung zu den Bildformen, zur Mnemotechnik und zu den Modi der Unterweisung der scholastischen Predigt am Beispiel der Predigtfiguren aus dem Codex Vindobonensis 5393


Khan, Sarah. Diversa diversis : die Visualisierung mittelalterlicher Standespredigten : eine Untersuchung zu den Bildformen, zur Mnemotechnik und zu den Modi der Unterweisung der scholastischen Predigt am Beispiel der Predigtfiguren aus dem Codex Vindobonensis 5393. 2002, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Die von Melk ausgehende Reform hatte in der Mitte des 15. Jahrhunderts das Ziel, drastische Veränderungen im gesellschaftlichen Leben zu bewirken. Neben der Kritik an den klerikalen Mißständen versuchten die benediktinischen Reformer ebenso gegen Auswüchse im Dritten Stand anzukämpfen. Der mnemotechnische Traktat aus dem Cod. Vind. 5393, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts im Skriptorium der Erzabtei St. Peter in Salzburg entstanden ist, legt Zeugnis von diesen gesellschaftlichen Reformversuchen ab. Neben seinen mnemotechnischen Regeln für die Gestaltung und Memorierung von Predigten weist er elf Ständefiguren auf, die mit jeweils zehn ständespezifischen Motiven verknüpft sind. Sie verleihen auf paradigmatische Weise den gesellschaftlichen Vorstellungen der Reformer Ausdruck. Geistesgeschichtlich jedoch können diese visualisierten Ständepredigten an die zweihundert Jahre zuvor festgelegten Beschlüsse des IV. Ökumenischen Laterankonzils von 1215 angebunden werden. Die Untersuchung unternimmt insbesondere den Versuch, die Figuren aus dem Cod. Vind. 5393 an Predigten ad status vom 13. - 15. Jh. rückzubinden. Durch diesen Versuch werden die Figuren zu mehr als nur dem Zeugnis benediktinischer Reformversuche. Sie gewähren Einblicke in didaktische Überlegungen und ihre Anwendungen im Mittelalter. Sie veranschaulichen exemplarisch, auf welche Weise die Wahrnehmung der Welt des mittelalterlichen Menschen durch standesspezifische Predigten beeinflußt werden und sein Wissen über die Welt, in der er lebte, auch durch Predigten konstituiert werden konnte. Ausgehend von der sehr spezifischen, durch den Kontext der Melker Reform gegebenen Fragestellung nach der Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte des mnemotechnischen Traktats aus dem Cod. Vind. 5393 und der Frage nach der Aufgabe seiner Figuren führt die Untersuchung durch ihre Fragestellung an aktuell in der Kunstwissenschaft debattierte Probleme heran, die Erwin Panofskys Konzept des versteckten Symbolismus für mittelalterliche und frühneuzeitliche Tafelbilder betreffen.

The reform initiated by Benedictine monks from Melk in the middle of the fifteenth century sought for drastic changes in social life. Next to their criticism on clerical nuisances the Benedictine reformers also fought against grievances within the third estate. The mnemonic tract from the Cod. Vind. 5393, written in the middle of the 15th century in the scriptorium of the Abby of St. Peter in Salzburg, gives proof of these attempts for a social reform. Besides its mnemonic rules for the construction of sermons, the tract contains eleven figures of sermons ad status, which are linked with ten status specific motives. In a paradigmatic manner, these figures express the social ideas of the reformers. However, in the history of ideas, these visualized status sermons can be traced back to the resolutions of the Fourth Lateran Council of 1215, two hundred years before. The inquiry especially seeks to connect the figures from Cod. Vind. 5393 with sermons ad status from the thirteenth to the fifteenth century. In carrying this out, the figures prove to be more than just testimonies of the reform from Melk, as they allow insight into medieval didactical concepts and their implementation. They exemplify how people in the Middle Ages could perceive their world instructed through status specific sermons and how their knowledge of the world, in which they lived, could equally be constituted through them. Starting from very specific questions considering the genesis of the tract from the Cod. Vind. 5393, its tradition as well as the function of its figures, the inquiry furthermore deals with problems in art history concerning Erwin Panofsky's concept of disguised symbolism and the relevance of the decipherment of medieval and early modern panel paintings with Panofsky's method, recently discussed among art historians.

Abstract

Die von Melk ausgehende Reform hatte in der Mitte des 15. Jahrhunderts das Ziel, drastische Veränderungen im gesellschaftlichen Leben zu bewirken. Neben der Kritik an den klerikalen Mißständen versuchten die benediktinischen Reformer ebenso gegen Auswüchse im Dritten Stand anzukämpfen. Der mnemotechnische Traktat aus dem Cod. Vind. 5393, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts im Skriptorium der Erzabtei St. Peter in Salzburg entstanden ist, legt Zeugnis von diesen gesellschaftlichen Reformversuchen ab. Neben seinen mnemotechnischen Regeln für die Gestaltung und Memorierung von Predigten weist er elf Ständefiguren auf, die mit jeweils zehn ständespezifischen Motiven verknüpft sind. Sie verleihen auf paradigmatische Weise den gesellschaftlichen Vorstellungen der Reformer Ausdruck. Geistesgeschichtlich jedoch können diese visualisierten Ständepredigten an die zweihundert Jahre zuvor festgelegten Beschlüsse des IV. Ökumenischen Laterankonzils von 1215 angebunden werden. Die Untersuchung unternimmt insbesondere den Versuch, die Figuren aus dem Cod. Vind. 5393 an Predigten ad status vom 13. - 15. Jh. rückzubinden. Durch diesen Versuch werden die Figuren zu mehr als nur dem Zeugnis benediktinischer Reformversuche. Sie gewähren Einblicke in didaktische Überlegungen und ihre Anwendungen im Mittelalter. Sie veranschaulichen exemplarisch, auf welche Weise die Wahrnehmung der Welt des mittelalterlichen Menschen durch standesspezifische Predigten beeinflußt werden und sein Wissen über die Welt, in der er lebte, auch durch Predigten konstituiert werden konnte. Ausgehend von der sehr spezifischen, durch den Kontext der Melker Reform gegebenen Fragestellung nach der Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte des mnemotechnischen Traktats aus dem Cod. Vind. 5393 und der Frage nach der Aufgabe seiner Figuren führt die Untersuchung durch ihre Fragestellung an aktuell in der Kunstwissenschaft debattierte Probleme heran, die Erwin Panofskys Konzept des versteckten Symbolismus für mittelalterliche und frühneuzeitliche Tafelbilder betreffen.

The reform initiated by Benedictine monks from Melk in the middle of the fifteenth century sought for drastic changes in social life. Next to their criticism on clerical nuisances the Benedictine reformers also fought against grievances within the third estate. The mnemonic tract from the Cod. Vind. 5393, written in the middle of the 15th century in the scriptorium of the Abby of St. Peter in Salzburg, gives proof of these attempts for a social reform. Besides its mnemonic rules for the construction of sermons, the tract contains eleven figures of sermons ad status, which are linked with ten status specific motives. In a paradigmatic manner, these figures express the social ideas of the reformers. However, in the history of ideas, these visualized status sermons can be traced back to the resolutions of the Fourth Lateran Council of 1215, two hundred years before. The inquiry especially seeks to connect the figures from Cod. Vind. 5393 with sermons ad status from the thirteenth to the fifteenth century. In carrying this out, the figures prove to be more than just testimonies of the reform from Melk, as they allow insight into medieval didactical concepts and their implementation. They exemplify how people in the Middle Ages could perceive their world instructed through status specific sermons and how their knowledge of the world, in which they lived, could equally be constituted through them. Starting from very specific questions considering the genesis of the tract from the Cod. Vind. 5393, its tradition as well as the function of its figures, the inquiry furthermore deals with problems in art history concerning Erwin Panofsky's concept of disguised symbolism and the relevance of the decipherment of medieval and early modern panel paintings with Panofsky's method, recently discussed among art historians.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Claussen Peter Cornelius, Schmugge Ludwig
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2002
Deposited On:03 May 2019 12:52
Last Modified:15 Apr 2021 14:57
Number of Pages:468
Additional Information:Enthält Auszüge in lateinischer Sprache
OA Status:Green

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Language: German
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