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Perzeption von Zoonosen in der Veterinärmedizin und Gesellschaft : transdisziplinäre Untersuchung in Natur- und Geisteswissenschaft : veterinärmedizinischer Teil


Paganini, Claudio. Perzeption von Zoonosen in der Veterinärmedizin und Gesellschaft : transdisziplinäre Untersuchung in Natur- und Geisteswissenschaft : veterinärmedizinischer Teil. 2005, University of Zurich, Vetsuisse Faculty.

Abstract

Im Rahmen eines transdisziplinären Projektes zwischen Veterinärmedizin und Geschichtswissenschaft wurde in der vorliegenden Arbeit das Augenmerk auf Infektionskrankheiten gerichtet, welche im Tierseuchengesetz Eingang gefunden haben oder als bekämpfungswürdig diskutiert wurden (BSE, die Brucellose, die Neosporose und die Tuberkulose). Diese veterinärmedizinische Recherche bezweckte einen Vergleich dieser Seuchen und gilt als komplementär zum historischen Teil. In der Synthese wird geschildert, welche wissenschaftlichen oder aber auch gesellschaftlichen Ereignisse dazu geführt haben, dass eine Seuche als solche anerkannt und effizient bekämpft wurde. Das augenfälligste Ergebnis besteht in der Erkenntnis der unterschiedlichen Risikoperzeption. Neben der Erweiterung des öffentlichen Interesses ist von einer veränderten Perzeption des Risikos auszugehen. Die Medien bestimmen mit, ob eine Zoonose als gefährlich eingestuft wird oder nicht. Risiken können überbewertet oder heruntergespielt, die Angst der Konsumenten geschürt oder herabgesetzt werden. Bei allen vier untersuchten Krankheiten haben sich im Laufe der Zeit Technologien und Methoden der Diagnostik verändert und verfeinert. Es gilt festzuhalten, dass oft eine einmal etablierte Methode sich halten konnte. Die angewendete Therapie führte oft zu Trägertieren, die eine Seuchenbekämpfung verunmöglichen. Dies erfolgt vor allem dann, wenn eine reine Symptomtherapie statt einer gezielten Therapie zur Eliminierung des infektiösen Agens aus dem betreffenden Tier erfolgt. In den vier untersuchten Krankheiten spielte die staatliche Seuchenbekämpfung eine unterschiedliche Rolle. Während im Fall der Brucellose und der Tuberkulose staatliche Massnahmen eher am Ende eines Aushandungsprozesses zwischen Interessenvertretern standen, versuchte man bei BSE und Neosporosen die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Anfang an umzusetzen.Vor der Bekämpfung der Brucellose, wurden nur solche Erkrankungen als Tier-Seuche bezeichnet, welche das Leben der Tiere gefährdeten. Erst danach wurden die wirtschaftlichen Schäden und vor allem die Gefährdung der Menschen mitberücksichtigt. Die Resultate der vier untersuchten Infektionskrankheiten haben gezeigt, dass die Zeitspanne zwischen der ersten Definition der Krankheit und den staatlichen Bekämpfungsmassnahmen stark variieren kann. In der heutigen postmodernen Informationsgesellschaft, verkürzt die Anerkennung eines Zoonosepotentials die Zeit zwischen Aufklärung und Bekämpfung einer Tierkrankheit. Gleichzeitig erhöht die Feststellung einer Krankheit als Zoonose deren gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Das grössere öffentliche Interesse fällt mit dem Wechsel zur "evidence based medecine" zusammen, welche die Expertenmeinung ablöst und durch die kritische Anerkennung der verfügbaren wissenschaftlichen Information ersetzt. Erfolgt die Informationsbeschaffung von den Interessenvertretern zielgerichtet, können auch öffentliche Gelder eingespart werden. Ohne Aufklärung wird die Akzeptanz einer neuen Massnahme verzögert. Die beste Gelegenheit, ihre Kunden aufzuklären, haben die Praktiker, seien es Human- oder Tiermediziner. Es wird sich noch erweisen, wie diese Erkenntnisse mit den Resultaten geschichtswissenschaftlicher Arbeiten vereinbar sind.

An interdisciplinary project was undertaken by veterinarians and historians to investigate various aspects of potential zoonotic diseases that were classified, or have been seriously considered as, reportable diseases in Switzerland (bovine spongiform encephalopathy [BSE], brucellosis, neosporosis, tuberculosis. In this second part, which follows a first part on the history of these 4 diseases, we examined the scientific and also the societal background that led to the inclusion of certain infectious diseases in the list of reportable diseases and to specific efforts for their eradication. Major findings of this study were that the general public has become more interested in topics such as public health and zoonoses, but the risk perception varied greatly among different segments of the public. The media have assumed a role in determining whether or not a certain zoonosis should be classified as a reportable disease. This, however, allows manipulation of the public; risks can be over- or underestimated and consumer fear can be wilfully heightened or lowered. Although the diagnostic techniques have evolved and improved considerably over time in all four zoonoses that were studied, some older diagnostic methods have been or still are retained in the national eradication programs. In the past, the treatment of affected animals commonly resulted in clinically healthy carriers, especially when the treatment was symptomatic rather than specifically directed against the infectious agent. (Brucellosis and Tuberculosis). The four zoonoses dealt with in this study differ with regard to the involvement of the state in their control. It was at a relatively late stage that the state became involved with the control of tuberculosis and brucellosis, after negotiations among various representatives of different interest groups. In contrast, knowledge gained from scientific studies was employed in very early control measures targeting BSE and neosporosis. Before the era of eradication of brucellosis, only those infectious diseases that posed a danger to the animal's life were considered reportable. Later, other factors such as the economic impact and the possible transmission to humans were also considered. This study has shown that the time interval between the first recognition of an infectious disease and the implementation of national control measures can vary greatly. In a post-modern information-based society, this interval becomes much shorter when the disease in question has a zoonotic potential. This phenomenon is concurrent with a move towards evidence-based medicine from expert opinion, in which decisions are made mainly on the basis of critical acceptance of scientific information. Information that is specifically targeted towards representatives of different interest groups will also help preserve public funds. Failure to provide detailed and open information about control measures will delay their implementation. Physicians and veterinarians are in an ideal position to inform and educate their patients and clients. It remains to be seen whether the findings of this study conform to those of historical research

Abstract

Im Rahmen eines transdisziplinären Projektes zwischen Veterinärmedizin und Geschichtswissenschaft wurde in der vorliegenden Arbeit das Augenmerk auf Infektionskrankheiten gerichtet, welche im Tierseuchengesetz Eingang gefunden haben oder als bekämpfungswürdig diskutiert wurden (BSE, die Brucellose, die Neosporose und die Tuberkulose). Diese veterinärmedizinische Recherche bezweckte einen Vergleich dieser Seuchen und gilt als komplementär zum historischen Teil. In der Synthese wird geschildert, welche wissenschaftlichen oder aber auch gesellschaftlichen Ereignisse dazu geführt haben, dass eine Seuche als solche anerkannt und effizient bekämpft wurde. Das augenfälligste Ergebnis besteht in der Erkenntnis der unterschiedlichen Risikoperzeption. Neben der Erweiterung des öffentlichen Interesses ist von einer veränderten Perzeption des Risikos auszugehen. Die Medien bestimmen mit, ob eine Zoonose als gefährlich eingestuft wird oder nicht. Risiken können überbewertet oder heruntergespielt, die Angst der Konsumenten geschürt oder herabgesetzt werden. Bei allen vier untersuchten Krankheiten haben sich im Laufe der Zeit Technologien und Methoden der Diagnostik verändert und verfeinert. Es gilt festzuhalten, dass oft eine einmal etablierte Methode sich halten konnte. Die angewendete Therapie führte oft zu Trägertieren, die eine Seuchenbekämpfung verunmöglichen. Dies erfolgt vor allem dann, wenn eine reine Symptomtherapie statt einer gezielten Therapie zur Eliminierung des infektiösen Agens aus dem betreffenden Tier erfolgt. In den vier untersuchten Krankheiten spielte die staatliche Seuchenbekämpfung eine unterschiedliche Rolle. Während im Fall der Brucellose und der Tuberkulose staatliche Massnahmen eher am Ende eines Aushandungsprozesses zwischen Interessenvertretern standen, versuchte man bei BSE und Neosporosen die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Anfang an umzusetzen.Vor der Bekämpfung der Brucellose, wurden nur solche Erkrankungen als Tier-Seuche bezeichnet, welche das Leben der Tiere gefährdeten. Erst danach wurden die wirtschaftlichen Schäden und vor allem die Gefährdung der Menschen mitberücksichtigt. Die Resultate der vier untersuchten Infektionskrankheiten haben gezeigt, dass die Zeitspanne zwischen der ersten Definition der Krankheit und den staatlichen Bekämpfungsmassnahmen stark variieren kann. In der heutigen postmodernen Informationsgesellschaft, verkürzt die Anerkennung eines Zoonosepotentials die Zeit zwischen Aufklärung und Bekämpfung einer Tierkrankheit. Gleichzeitig erhöht die Feststellung einer Krankheit als Zoonose deren gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Das grössere öffentliche Interesse fällt mit dem Wechsel zur "evidence based medecine" zusammen, welche die Expertenmeinung ablöst und durch die kritische Anerkennung der verfügbaren wissenschaftlichen Information ersetzt. Erfolgt die Informationsbeschaffung von den Interessenvertretern zielgerichtet, können auch öffentliche Gelder eingespart werden. Ohne Aufklärung wird die Akzeptanz einer neuen Massnahme verzögert. Die beste Gelegenheit, ihre Kunden aufzuklären, haben die Praktiker, seien es Human- oder Tiermediziner. Es wird sich noch erweisen, wie diese Erkenntnisse mit den Resultaten geschichtswissenschaftlicher Arbeiten vereinbar sind.

An interdisciplinary project was undertaken by veterinarians and historians to investigate various aspects of potential zoonotic diseases that were classified, or have been seriously considered as, reportable diseases in Switzerland (bovine spongiform encephalopathy [BSE], brucellosis, neosporosis, tuberculosis. In this second part, which follows a first part on the history of these 4 diseases, we examined the scientific and also the societal background that led to the inclusion of certain infectious diseases in the list of reportable diseases and to specific efforts for their eradication. Major findings of this study were that the general public has become more interested in topics such as public health and zoonoses, but the risk perception varied greatly among different segments of the public. The media have assumed a role in determining whether or not a certain zoonosis should be classified as a reportable disease. This, however, allows manipulation of the public; risks can be over- or underestimated and consumer fear can be wilfully heightened or lowered. Although the diagnostic techniques have evolved and improved considerably over time in all four zoonoses that were studied, some older diagnostic methods have been or still are retained in the national eradication programs. In the past, the treatment of affected animals commonly resulted in clinically healthy carriers, especially when the treatment was symptomatic rather than specifically directed against the infectious agent. (Brucellosis and Tuberculosis). The four zoonoses dealt with in this study differ with regard to the involvement of the state in their control. It was at a relatively late stage that the state became involved with the control of tuberculosis and brucellosis, after negotiations among various representatives of different interest groups. In contrast, knowledge gained from scientific studies was employed in very early control measures targeting BSE and neosporosis. Before the era of eradication of brucellosis, only those infectious diseases that posed a danger to the animal's life were considered reportable. Later, other factors such as the economic impact and the possible transmission to humans were also considered. This study has shown that the time interval between the first recognition of an infectious disease and the implementation of national control measures can vary greatly. In a post-modern information-based society, this interval becomes much shorter when the disease in question has a zoonotic potential. This phenomenon is concurrent with a move towards evidence-based medicine from expert opinion, in which decisions are made mainly on the basis of critical acceptance of scientific information. Information that is specifically targeted towards representatives of different interest groups will also help preserve public funds. Failure to provide detailed and open information about control measures will delay their implementation. Physicians and veterinarians are in an ideal position to inform and educate their patients and clients. It remains to be seen whether the findings of this study conform to those of historical research

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Hässig Michael, Herren Madeleine
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Uncontrolled Keywords:Geschichte, Tierseuche, Wahrnehmung
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2005
Deposited On:05 Jun 2019 14:18
Last Modified:07 Apr 2020 07:15
Number of Pages:223
OA Status:Green
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=ebi01_prod005118377&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)

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