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Die Selbsttötung in der Lateinischen Literatur der Kaiserzeit bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr.


Müller, Angela Martina. Die Selbsttötung in der Lateinischen Literatur der Kaiserzeit bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. 2003, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Die Werke des Tacitus, Seneca und Lucan und anderer römischer Autoren des 1. Jh. n. Chr. vermitteln den Eindruck, dass zu Beginn der Kaiserzeit die Suizidrate in der römischen Oberschicht deutlich angestiegen war. Gleichzeitig ist in der politischen und intellektuellen Führungsschicht eine intensive Beschäftigung mit dem Thema des Suizides festzustellen. Die vorliegende Arbeit versucht zu zeigen, dass die römische Oberschicht damals eine Art ,Suizidideologie' entwickelt hatte. Sie besagte, dass sich der Suizident auf Grund seiner persönlichen Vorzüge wie Abstammung, politischen oder militärischen Fähigkeiten und moralischen Qualitäten den Hass und die Verfolgung des ihm unterlegenen Princeps provoziert hatte und sich dem drohenden Todesurteil nur durch einen ehrenrettenden Suizid entziehen konnte. In einer Zeit, in der die Oberschicht zu realisieren begann, dass die von Augustus als "primus inter pares" definierte Stellung des Princeps eine Fiktion war und sie ihren politischen Einfluss aus der Zeit der Republik endgültig an einen absoluten und übermächtigen Herrscher verloren hatte, wurde Suizid zu einem Beweis der moralischen Überlegenheit des Suizidenten gegenüber dem Kaiser und zu einem Akt des politischen Widerstands. Die literarische Verherrlichung der aus den sozialen Spannungen zwischen Princeps und Senatsaristokratie resultierenden Suizide ermöglichte es der sozialen Elite, sich für sich selbst und für die anderen Gesellschaftsgruppen klar erkennbar vom allgegenwärtigen Kaiser abzugrenzen und dadurch zu einer neuen Identität und Funktion im geänderten Staatswesen zu finden.

The writings of Tacitus, Seneca or Lucan and other authors of the first century give the impression that during this time suicide and the preoccupation with suicide in the literature were increasingly common in the Roman upper class. The aim of this doctoral thesis is to demonstrate that during this time the Roman upper class had developed an actual "ideology of suicide". This ideology let the Roman nobility believe that because of their pedigree and their political, military or moral excellence they were superior to the emperor. This presumed superiority enraged the emperor who consequently persecuted them and finally left them no other honourable escape than to commit suicide. Thus, suicide became the proof of a moral superiority and a expression of political resistance at a time, when the Roman upper class began to realise that the Augusteian definition of the emperor as a "primus inter pares" was a myth and that in reality their class had lost its political influence of the days of the Roman Republic. The actual act of a politically motivated suicide but also its glorification in the literature allowed the Roman upper class to distinguish themselves from the emperor and by this also to re-define their functions and identities in the new political system.

Abstract

Die Werke des Tacitus, Seneca und Lucan und anderer römischer Autoren des 1. Jh. n. Chr. vermitteln den Eindruck, dass zu Beginn der Kaiserzeit die Suizidrate in der römischen Oberschicht deutlich angestiegen war. Gleichzeitig ist in der politischen und intellektuellen Führungsschicht eine intensive Beschäftigung mit dem Thema des Suizides festzustellen. Die vorliegende Arbeit versucht zu zeigen, dass die römische Oberschicht damals eine Art ,Suizidideologie' entwickelt hatte. Sie besagte, dass sich der Suizident auf Grund seiner persönlichen Vorzüge wie Abstammung, politischen oder militärischen Fähigkeiten und moralischen Qualitäten den Hass und die Verfolgung des ihm unterlegenen Princeps provoziert hatte und sich dem drohenden Todesurteil nur durch einen ehrenrettenden Suizid entziehen konnte. In einer Zeit, in der die Oberschicht zu realisieren begann, dass die von Augustus als "primus inter pares" definierte Stellung des Princeps eine Fiktion war und sie ihren politischen Einfluss aus der Zeit der Republik endgültig an einen absoluten und übermächtigen Herrscher verloren hatte, wurde Suizid zu einem Beweis der moralischen Überlegenheit des Suizidenten gegenüber dem Kaiser und zu einem Akt des politischen Widerstands. Die literarische Verherrlichung der aus den sozialen Spannungen zwischen Princeps und Senatsaristokratie resultierenden Suizide ermöglichte es der sozialen Elite, sich für sich selbst und für die anderen Gesellschaftsgruppen klar erkennbar vom allgegenwärtigen Kaiser abzugrenzen und dadurch zu einer neuen Identität und Funktion im geänderten Staatswesen zu finden.

The writings of Tacitus, Seneca or Lucan and other authors of the first century give the impression that during this time suicide and the preoccupation with suicide in the literature were increasingly common in the Roman upper class. The aim of this doctoral thesis is to demonstrate that during this time the Roman upper class had developed an actual "ideology of suicide". This ideology let the Roman nobility believe that because of their pedigree and their political, military or moral excellence they were superior to the emperor. This presumed superiority enraged the emperor who consequently persecuted them and finally left them no other honourable escape than to commit suicide. Thus, suicide became the proof of a moral superiority and a expression of political resistance at a time, when the Roman upper class began to realise that the Augusteian definition of the emperor as a "primus inter pares" was a myth and that in reality their class had lost its political influence of the days of the Roman Republic. The actual act of a politically motivated suicide but also its glorification in the literature allowed the Roman upper class to distinguish themselves from the emperor and by this also to re-define their functions and identities in the new political system.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Tränkle Hermann
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:870 Latin & Italic literatures
Uncontrolled Keywords:Geschichte 27 V. Chr.-100, Latein, Literatur
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2003
Deposited On:03 May 2019 12:52
Last Modified:15 Apr 2021 14:58
Number of Pages:315
OA Status:Green

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