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Determinants and consequences of social support during and after women's return to work after maternity leave


Seiger, Christine Pascale. Determinants and consequences of social support during and after women's return to work after maternity leave. 2009, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Menschen brauchen soziale Beziehungen, um ihr grundlegendes Bedürfnis nach Bindung und Anschluss zu befriedigen (Baumeister & Leary, 1995; Bowlby, 1980; Harlow, 1958). Nicht nur häufige Kontakte und die Einbindung in ein soziales Netz sind wichtig, sondern auch das Gefühl, dass andere sich sorgen (Baumeister & Leary, 1995). Soziale Unterstützung betrifft Letzteres, die qualitative Ebene sozialer Beziehungen. Soziale Unterstützung führt zu besserem Wohlbefinden, besserer Gesundheit und einer höheren Lebenserwartung (z. B. Cohen & Wills, 1985; House, Landis et al., 1988; Uchino et al., 1996). Doch die Konsequenzen sozialer Unterstützung sind nicht immer nur positiv, ihre Wirkmechanismen komplex und ihre Determinanten teilweise noch ungeklärt. Ein Ziel dieser Arbeit ist es, das Konzept der erhaltenen Unterstützung besser zu verstehen und zu beleuchten, wie sie mit affektivem Wohlbefinden und Beruf-Familie Konflikten zusammenhängt. Weil ausserdem bekannt ist, dass soziale Unterstützung zeitabhängig wirkt, also beispielsweise abhängig davon, ob Menschen gerade akuten oder chronischen Stress erleben (z. B. Bolger et al., 2000; Kaniasty & Norris, 1993, 1996), wird sie deshalb im Kontext einer Transition betrachtet, nämlich des beruflichen Wiedereinstiegs von Müttern nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung. Da der erste Arbeitstag planbar ist, können einerseits Zusammenhänge vor und nach dem Wiedereinstieg untersucht werden, andererseits ist für alle Frauen mindestens zeitlich vergleichbar, wie weit sie in der Transition schon fortgeschritten sind. Diese Arbeit gliedert sich in drei Teile, die verschiedene Fragen behandeln. In Teil I geht es um ein besseres Verständnis erhaltener Unterstützung. Fragt man Empfänger und Geber sozialer Unterstützung nach konkreten Unterstützungsleistungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, so hängen diese Angaben erhaltener und gegebener Unterstützung nur moderat miteinander zusammen (z. B. Burkert et al., 2006a) und es ist noch weitgehend unklar, welche Merkmale eine Diskrepanz dieser Angaben vorhersagt. Anhand von Fragebogendaten von 207 Wiedereinsteigerinnen und ihren Partnern werden drei Determinanten aus der Sicht der Empfängerin untersucht: ihre Persönlichkeitseigenschaften (Big Five), die Beziehungsqualität, sowie ihre Beziehungsüberzeugungen in Bezug auf den Wiedereinstieg. Letztere umfassen zwei Konzepte, die für die Studie entwickelt wurden: die Einstellung des Partners zum beruflichen Wiedereinstieg aus der Sicht der Frau und ihre paarbezogenen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen hinsichtlich des Wiedereinstiegs, also ob sie glaubt, mit vereinten Kräften die Berufsrückkehr meistern zu können. Entgegen den Erwartungen hängen die Persönlichkeitseigenschaften der Frau nicht mit dem Diskrepanzmass zusammen. Eine höhere Partnerschaftszufriedenheit sagt hingegen eine geringere Diskrepanz vorher – allerdings nur, wenn nicht zugleich Selbstwirksamkeitsüberzeugungen in die Analysen mit einbezogen wurden: Ausgeprägte paarbezogene Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zwei Wochen vor dem Wiedereinstieg sagen – als einzig signifikanter Prädiktor – eine geringere Diskrepanz einen Monat nach dem Wiedereinstieg vorher. Teil II beleuchtet, wie emotionale, instrumentelle, informationale und so genannte companionship Unterstützung durch den Partner mit positivem und negativem Affekt der Frau beim Wiedereinstieg zusammenhängen. Ferner wird untersucht, ob bestätigte oder enttäuschte Erwartungen an diese Unterstützung darüber hinaus zur Vorhersage beitragen. Dazu wurden Fragebogenangaben der Frauen zwei Wochen vor ihrem Wiedereinstieg, einen Monat und zwei Monate danach analysiert. Erhaltene Unterstützung hängt mit erhöhtem affektiven Wohlbefinden beim Wiedereinstieg zusammen, allerdings abhängig vom Zeitpunkt in der Transition. Emotionale Unterstützung hat dabei von allen Unterstützungsformen den stärksten Einfluss. Erwartungen an die Unterstützung tragen ausserdem zur Vorhersage des affektiven Befindens der Frau bei und scheinen im Zeitverlauf wichtiger zu werden. In Teil III wird untersucht, ob und auf welche Weise soziale Unterstützung durch verschiedene Quellen, nämlich durch den Partner, die Familie, Vorgesetzte und Arbeitskollegen, mit Konflikten zwischen Beruf und Familie zusammenhängt. Es werden Fragebogendaten von 107 berufstätigen Müttern analysiert sowie Tagebuchangaben einer Substichprobe von 69 Müttern. Zwei theoretische Modelle werden überprüft: erstens ein Antezedenzmodell, in welchem soziale Unterstützung nicht direkt auf Beruf-Familie Konflikte wirkt sondern vermittelt über die Beanspruchung durch Beruf und Familie, zweitens ein Moderatormodell, in dem soziale Unterstützung abhängig von der erlebten Beanspruchung auf die Konflikte wirkt, also die vorhandene Korrelation zwischen Beanspruchung und Konflikten schwächt. Die Ergebnisse bestätigen teilweise das Antezedenzmodell, während sich für das Moderatormodell keine Belege finden. Fragebogen- und Tagebuchangaben führen zu verschiedenen Resultaten. Eine umfassende Diskussion integriert die Ergebnisse der drei Teile und liefert Ideen für künftige Forschung.
In three parts, this thesis explores received social support and the role it plays in the well-being of working mothers and women re-entering the workforce after maternity leave. Part I examines whether women returning to work report the same amount of received social support as their partners indicate that they provided, and whether personality, relationship quality, and transition-related beliefs predict the discrepancy between these reports. It analyzes data from 207 women and their partners. As in previous research, received and provided support are only moderately correlated. Whereas personality traits were not related to the discrepancy, couple-related self-efficacy two weeks before return to work predicted a smaller discrepancy one month after re-entry. Part II investigates whether emotional, instrumental, informational, and companionship support from the partner predict women’s positive and negative affect. It analyzes questionnaires filled out by 292 women two weeks before their return to work and one and two months afterwards. Findings show that received support is positively related to positive affect and negatively related to negative affect and that emotional support has the strongest impact. Influences depend on the timing in the transition, and support decreases after return to work. Fulfilled support expectations have an additional impact on well-being. Part III examines how social support in the workplace and at home is related to work-family conflicts. Using cross-sectional questionnaire data from 107 working mothers and mini-longitudinal diary data from a subsample (n = 69), it tests two models against each other: The antecedence model, which assumes that the influence of support on work-family conflicts is mediated by strain, and the moderating model, whereby support weakens the relationship between stress and strain. Results partially confirm the antecedence model, depending on the level of analysis, i.e. whether questionnaire or diary data are examined. An Overall Discussion integrates the findings and provides ideas for further research.

Abstract

Menschen brauchen soziale Beziehungen, um ihr grundlegendes Bedürfnis nach Bindung und Anschluss zu befriedigen (Baumeister & Leary, 1995; Bowlby, 1980; Harlow, 1958). Nicht nur häufige Kontakte und die Einbindung in ein soziales Netz sind wichtig, sondern auch das Gefühl, dass andere sich sorgen (Baumeister & Leary, 1995). Soziale Unterstützung betrifft Letzteres, die qualitative Ebene sozialer Beziehungen. Soziale Unterstützung führt zu besserem Wohlbefinden, besserer Gesundheit und einer höheren Lebenserwartung (z. B. Cohen & Wills, 1985; House, Landis et al., 1988; Uchino et al., 1996). Doch die Konsequenzen sozialer Unterstützung sind nicht immer nur positiv, ihre Wirkmechanismen komplex und ihre Determinanten teilweise noch ungeklärt. Ein Ziel dieser Arbeit ist es, das Konzept der erhaltenen Unterstützung besser zu verstehen und zu beleuchten, wie sie mit affektivem Wohlbefinden und Beruf-Familie Konflikten zusammenhängt. Weil ausserdem bekannt ist, dass soziale Unterstützung zeitabhängig wirkt, also beispielsweise abhängig davon, ob Menschen gerade akuten oder chronischen Stress erleben (z. B. Bolger et al., 2000; Kaniasty & Norris, 1993, 1996), wird sie deshalb im Kontext einer Transition betrachtet, nämlich des beruflichen Wiedereinstiegs von Müttern nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung. Da der erste Arbeitstag planbar ist, können einerseits Zusammenhänge vor und nach dem Wiedereinstieg untersucht werden, andererseits ist für alle Frauen mindestens zeitlich vergleichbar, wie weit sie in der Transition schon fortgeschritten sind. Diese Arbeit gliedert sich in drei Teile, die verschiedene Fragen behandeln. In Teil I geht es um ein besseres Verständnis erhaltener Unterstützung. Fragt man Empfänger und Geber sozialer Unterstützung nach konkreten Unterstützungsleistungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, so hängen diese Angaben erhaltener und gegebener Unterstützung nur moderat miteinander zusammen (z. B. Burkert et al., 2006a) und es ist noch weitgehend unklar, welche Merkmale eine Diskrepanz dieser Angaben vorhersagt. Anhand von Fragebogendaten von 207 Wiedereinsteigerinnen und ihren Partnern werden drei Determinanten aus der Sicht der Empfängerin untersucht: ihre Persönlichkeitseigenschaften (Big Five), die Beziehungsqualität, sowie ihre Beziehungsüberzeugungen in Bezug auf den Wiedereinstieg. Letztere umfassen zwei Konzepte, die für die Studie entwickelt wurden: die Einstellung des Partners zum beruflichen Wiedereinstieg aus der Sicht der Frau und ihre paarbezogenen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen hinsichtlich des Wiedereinstiegs, also ob sie glaubt, mit vereinten Kräften die Berufsrückkehr meistern zu können. Entgegen den Erwartungen hängen die Persönlichkeitseigenschaften der Frau nicht mit dem Diskrepanzmass zusammen. Eine höhere Partnerschaftszufriedenheit sagt hingegen eine geringere Diskrepanz vorher – allerdings nur, wenn nicht zugleich Selbstwirksamkeitsüberzeugungen in die Analysen mit einbezogen wurden: Ausgeprägte paarbezogene Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zwei Wochen vor dem Wiedereinstieg sagen – als einzig signifikanter Prädiktor – eine geringere Diskrepanz einen Monat nach dem Wiedereinstieg vorher. Teil II beleuchtet, wie emotionale, instrumentelle, informationale und so genannte companionship Unterstützung durch den Partner mit positivem und negativem Affekt der Frau beim Wiedereinstieg zusammenhängen. Ferner wird untersucht, ob bestätigte oder enttäuschte Erwartungen an diese Unterstützung darüber hinaus zur Vorhersage beitragen. Dazu wurden Fragebogenangaben der Frauen zwei Wochen vor ihrem Wiedereinstieg, einen Monat und zwei Monate danach analysiert. Erhaltene Unterstützung hängt mit erhöhtem affektiven Wohlbefinden beim Wiedereinstieg zusammen, allerdings abhängig vom Zeitpunkt in der Transition. Emotionale Unterstützung hat dabei von allen Unterstützungsformen den stärksten Einfluss. Erwartungen an die Unterstützung tragen ausserdem zur Vorhersage des affektiven Befindens der Frau bei und scheinen im Zeitverlauf wichtiger zu werden. In Teil III wird untersucht, ob und auf welche Weise soziale Unterstützung durch verschiedene Quellen, nämlich durch den Partner, die Familie, Vorgesetzte und Arbeitskollegen, mit Konflikten zwischen Beruf und Familie zusammenhängt. Es werden Fragebogendaten von 107 berufstätigen Müttern analysiert sowie Tagebuchangaben einer Substichprobe von 69 Müttern. Zwei theoretische Modelle werden überprüft: erstens ein Antezedenzmodell, in welchem soziale Unterstützung nicht direkt auf Beruf-Familie Konflikte wirkt sondern vermittelt über die Beanspruchung durch Beruf und Familie, zweitens ein Moderatormodell, in dem soziale Unterstützung abhängig von der erlebten Beanspruchung auf die Konflikte wirkt, also die vorhandene Korrelation zwischen Beanspruchung und Konflikten schwächt. Die Ergebnisse bestätigen teilweise das Antezedenzmodell, während sich für das Moderatormodell keine Belege finden. Fragebogen- und Tagebuchangaben führen zu verschiedenen Resultaten. Eine umfassende Diskussion integriert die Ergebnisse der drei Teile und liefert Ideen für künftige Forschung.
In three parts, this thesis explores received social support and the role it plays in the well-being of working mothers and women re-entering the workforce after maternity leave. Part I examines whether women returning to work report the same amount of received social support as their partners indicate that they provided, and whether personality, relationship quality, and transition-related beliefs predict the discrepancy between these reports. It analyzes data from 207 women and their partners. As in previous research, received and provided support are only moderately correlated. Whereas personality traits were not related to the discrepancy, couple-related self-efficacy two weeks before return to work predicted a smaller discrepancy one month after re-entry. Part II investigates whether emotional, instrumental, informational, and companionship support from the partner predict women’s positive and negative affect. It analyzes questionnaires filled out by 292 women two weeks before their return to work and one and two months afterwards. Findings show that received support is positively related to positive affect and negatively related to negative affect and that emotional support has the strongest impact. Influences depend on the timing in the transition, and support decreases after return to work. Fulfilled support expectations have an additional impact on well-being. Part III examines how social support in the workplace and at home is related to work-family conflicts. Using cross-sectional questionnaire data from 107 working mothers and mini-longitudinal diary data from a subsample (n = 69), it tests two models against each other: The antecedence model, which assumes that the influence of support on work-family conflicts is mediated by strain, and the moderating model, whereby support weakens the relationship between stress and strain. Results partially confirm the antecedence model, depending on the level of analysis, i.e. whether questionnaire or diary data are examined. An Overall Discussion integrates the findings and provides ideas for further research.

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Additional indexing

Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Wiese Bettina S, Freund Alexandra M
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:English
Place of Publication:Zurich
Date:2009
Deposited On:15 May 2019 10:22
Last Modified:25 Sep 2019 00:12
Number of Pages:145
OA Status:Green
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