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Warum Krieg? : die Sinndeutung des Krieges in der deutschen Militärelite, 1871-1945


Meier, Niklaus. Warum Krieg? : die Sinndeutung des Krieges in der deutschen Militärelite, 1871-1945. 2010, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Im Zentrum der Dissertation steht die Frage, wie in Deutschland in der Zeit ab der Reichsgründung 1871 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 das Phänomen Krieg gedeutet und begründet wurde bzw. wie über den Sinn und die Berechtigung des Krieges – und zwar über strategisch und operativ-taktische Gesichtspunkte hinaus – reflektiert wurde. Der Fokus der Untersuchung richtet sich hierbei auf die Institution, deren Existenzgrund und Kernkompetenz der Krieg bildet: das Militär. Auf der Basis militärischer Publizistik und militärischen Schrifttums (Bücher, Fachzeitschriften, Kriegserinnerungen, Briefe, Erlasse, Schulungsmaterialien) werden die verschiedenen Formen der vorherrschenden Kriegsdeutungen in der militärischen Elite der Armee des Kaiserreiches, der Reichswehr der Weimarer Republik und der Wehrmacht des Dritten Reiches analysiert. Die Arbeit ordnet sich einer kulturgeschichtlich orientierten Militärgeschichte zu und versteht sich als ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Krieges. Um die Denkformen und Deutungen in Bezug auf Krieg beschreiben und untersuchen zu können, bedient sich die Arbeit in theoretisch-methodischer Hinsicht der historischen Diskursanalyse.

Folgende Themenfelder werden untersucht: Die politische und machtstaatliche Kriegsauffassung leitete die Legitimation des Krieges aus der Existenz des Staates und den Beziehungen der Staaten untereinander ab. Die bellizistische Kriegsdeutung fasste den Krieg als eine Notwendigkeit des weltgeschichtlichen und kulturellen Fortschritts sowie als Medium der Katharsis und Tugendbewährung auf. Die sozialdarwinistisch geprägte Interpretation des Krieges verstand diesen als unabänderliches Naturgesetz, als eine biologisch gerechtfertigte Auslese, um das „Recht des Stärkeren“ durchzusetzen. Die Totalisierung und Entgrenzung des Krieges drückte sich in Vernichtungskriegs- und Rassenkampfvorstellungen sowie in der Deutung des Krieges als existentieller-apokalyptischer Kampf um „Sein oder Nichtsein“ aus. Why War? The Interpretation of War in the German Military Elite 1871 – 1945

This dissertation focuses on the question of how war was interpreted and reasoned for in Germany from the time of the foundation of the German Reich 1871 until the end of WWII 1945, respectively, how the meaning of, and the reason for war were reflected above and beyond the strategic and operational-tactical perspective. Special emphasis will be given to the institution of the military, which exists because of – and has its core competence in – war. On the basis of military journalism and literature (books, professional journals, recollections of war, letters, decrees, training materials), the various forms of the predominant interpretations of war in the military elite of the armed forces of the German Empire, the Weimar Republic and the Third Reich are analyzed. The paper forms part of a military history with a cultural-historical orientation and is itself a contribution to the cultural history of war. From a theoretical-methodical point of view, this paper refers to historical discourse analysis in order to describe and analyze the interpretations and thinking patterns in relation to war.

The following subject areas are investigated: the political interpretation of war, as well as the interpretation of war by the power-state [Machtstaat], derived war’s legitimacy from the existence of a state and the relationships between the states. The bellicist interpretation understood war as a necessity of historical and cultural advancement as well as a medium for catharsis and the perpetuation of virtue. The social Darwinistic interpretation of war saw it as an unalterable natural law, a biologically justified selection that enforces the law of the stronger. The totalization and transgression of all limitations found its expression in ideas of a war of annihilation and racial conflicts, as well as in the interpretation of war as an existential-apocalyptic battle of „to be or not to be“.

Abstract

Im Zentrum der Dissertation steht die Frage, wie in Deutschland in der Zeit ab der Reichsgründung 1871 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 das Phänomen Krieg gedeutet und begründet wurde bzw. wie über den Sinn und die Berechtigung des Krieges – und zwar über strategisch und operativ-taktische Gesichtspunkte hinaus – reflektiert wurde. Der Fokus der Untersuchung richtet sich hierbei auf die Institution, deren Existenzgrund und Kernkompetenz der Krieg bildet: das Militär. Auf der Basis militärischer Publizistik und militärischen Schrifttums (Bücher, Fachzeitschriften, Kriegserinnerungen, Briefe, Erlasse, Schulungsmaterialien) werden die verschiedenen Formen der vorherrschenden Kriegsdeutungen in der militärischen Elite der Armee des Kaiserreiches, der Reichswehr der Weimarer Republik und der Wehrmacht des Dritten Reiches analysiert. Die Arbeit ordnet sich einer kulturgeschichtlich orientierten Militärgeschichte zu und versteht sich als ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Krieges. Um die Denkformen und Deutungen in Bezug auf Krieg beschreiben und untersuchen zu können, bedient sich die Arbeit in theoretisch-methodischer Hinsicht der historischen Diskursanalyse.

Folgende Themenfelder werden untersucht: Die politische und machtstaatliche Kriegsauffassung leitete die Legitimation des Krieges aus der Existenz des Staates und den Beziehungen der Staaten untereinander ab. Die bellizistische Kriegsdeutung fasste den Krieg als eine Notwendigkeit des weltgeschichtlichen und kulturellen Fortschritts sowie als Medium der Katharsis und Tugendbewährung auf. Die sozialdarwinistisch geprägte Interpretation des Krieges verstand diesen als unabänderliches Naturgesetz, als eine biologisch gerechtfertigte Auslese, um das „Recht des Stärkeren“ durchzusetzen. Die Totalisierung und Entgrenzung des Krieges drückte sich in Vernichtungskriegs- und Rassenkampfvorstellungen sowie in der Deutung des Krieges als existentieller-apokalyptischer Kampf um „Sein oder Nichtsein“ aus. Why War? The Interpretation of War in the German Military Elite 1871 – 1945

This dissertation focuses on the question of how war was interpreted and reasoned for in Germany from the time of the foundation of the German Reich 1871 until the end of WWII 1945, respectively, how the meaning of, and the reason for war were reflected above and beyond the strategic and operational-tactical perspective. Special emphasis will be given to the institution of the military, which exists because of – and has its core competence in – war. On the basis of military journalism and literature (books, professional journals, recollections of war, letters, decrees, training materials), the various forms of the predominant interpretations of war in the military elite of the armed forces of the German Empire, the Weimar Republic and the Third Reich are analyzed. The paper forms part of a military history with a cultural-historical orientation and is itself a contribution to the cultural history of war. From a theoretical-methodical point of view, this paper refers to historical discourse analysis in order to describe and analyze the interpretations and thinking patterns in relation to war.

The following subject areas are investigated: the political interpretation of war, as well as the interpretation of war by the power-state [Machtstaat], derived war’s legitimacy from the existence of a state and the relationships between the states. The bellicist interpretation understood war as a necessity of historical and cultural advancement as well as a medium for catharsis and the perpetuation of virtue. The social Darwinistic interpretation of war saw it as an unalterable natural law, a biologically justified selection that enforces the law of the stronger. The totalization and transgression of all limitations found its expression in ideas of a war of annihilation and racial conflicts, as well as in the interpretation of war as an existential-apocalyptic battle of „to be or not to be“.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Jaun Rudolf, Förster Stig
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:350 Public administration & military science
940 History of Europe
Uncontrolled Keywords:Geschichte 1871-1945, Elite, Krieg, Militär, Sinn, Deutschland, War (Philosophy), Germany, History, Military, Germany, History, Military
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2010
Deposited On:31 May 2019 08:45
Last Modified:15 Aug 2021 21:54
Number of Pages:365
OA Status:Green
  • Content: Published Version
  • Language: German