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Individuelles und dyadisches Coping sowie posttraumatische Reifung bei Eltern, deren Kind an einer lebenslimitierenden Krankheit verstorben ist : eine explorative Studie


Inglin, Susanne. Individuelles und dyadisches Coping sowie posttraumatische Reifung bei Eltern, deren Kind an einer lebenslimitierenden Krankheit verstorben ist : eine explorative Studie. 2011, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Hintergrund Der Verlust eines Kindes stellt für Eltern eine enorme Belastung dar. Mütter und Väter versuchen diese Belastung mit den ihnen zur Verfügung stehenden Bewältigungsstrategien zu verarbeiten. Auf der dyadischen Ebene des Elternpaares sind zusätzlich gemeinsame Bewältigungsstrategien von Bedeutung. Der Verlust eines Kindes kann auch als ein traumatisches Ereignis betrachtet werden. In der Traumaforschung wird gegenwärtig untersucht, in welchem Ausmass Personen nach einem traumatischen Ereignis eine posttraumatische Reifung erleben. Fragestellung (1) Wie bewältigen Eltern individuell und als Paar den Tod ihres Kindes und die damit verbundene Trauer? (2) Kommt es bei Eltern im Zusammenhang mit der Trauerbewältigung zu einer posttraumatischen Reifung und wie wird diese wahrgenommen? Methodik Für diese explorative Studie wurden 46 Mütter und Väter (23 Elternpaare) getrennt interviewt. Bei 14 Elternpaaren war das Kind aufgrund einer onkologischen Erkrankung verstorben, bei neun aufgrund einer anderen, nicht-onkologischen Erkrankung (neurodegenerative Erkrankung, Herzerkrankung oder angeborene Immunschwäche). Mit Hilfe eines semi-strukturierten Leitfadeninterviews wurden die Eltern zu den Themen pädiatrische Palliative Care, individuelles und dyadisches Coping sowie zur posttraumatischen Reifung befragt. Ergebnisse Die individuelle Bewältigung der Mütter und Väter beinhaltete eine aktive Trauerbewältigung und eine kognitive Auseinandersetzung mit dem Trauerprozess. Zur aktiven Trauerbewältigung zählte unter anderem die Aufrechterhaltung der Präsenz des Kindes innerhalb der Familie und im sozialen Umfeld. In Bezug auf die dyadische Trauerbewältigung versuchten Eltern, offen über ihre Bedürfnisse zu kommunizieren und eine gegenseitige Akzeptanz der individuellen Trauerbewältigung zu erlangen. Eltern, die eine posttraumatische Reifung wahrnahmen, erlebten sich vor allem als persönlich gestärkt im Bewusstsein darüber, jederzeit eintretende schwerwiegende Ereignisse mit dem Partner zusammen meistern zu können. Schlussfolgerung Aus den Ergebnissen lassen sich praktische Implikationen für die Trauerbegleitung von Familien ableiten. Die professionelle Begleitung vor wie nach dem Tod eines Kindes kann positiv zur Trauerverarbeitung der Eltern beitragen. Abbrüche in der Betreuung können zu zusätzlichen Verletzungen führen und sollten deshalb vermieden werden. Die Unterschiedlichkeit des Trauererlebens von Paaren zu antizipieren, ist eine von vielen Voraussetzungen für eine dyadische Trauerbewältigung. Background Losing a child is one of the most difficult experiences. Mothers and fathers try to deal with the enormous demands depending on their individual coping style. As a couple, they also deal with the loss of their child and their traumatic experiences on a dyadic level. Trauma research is currently examining to what extent individuals experience posttraumatic growth after a traumatic event. Research aims The present study examined individual and dyadic coping strategies of parents experiencing end-of-life and bereavement care and whether some parents perceived personal growth from an attempt to cope with the loss of their child. Study design and methods A qualitative approach was chosen to clarify the question how parents perceived their own situation as caregivers during end-of-life and bereavement care. Parents of children from two groups of diagnoses (N = 46) were interviewed: (a) cancer and (b) other diagnoses, such as neurological or cardiological disorders. Interview questions addressed end-of-life and bereavement care, coping strategies, grief experiences and personal growth. Results Individual coping strategies of mothers and fathers included active mourning practices and cognitive strategies to deal with the loss of their child. As an active coping strategy, parents kept the deceased child present in their family and in their social environment. Results on a dyadic level showed the importance of communicating openly about individual grief reactions and processes. Open communication about grief processes as a dyadic coping strategy enhances parents’ understanding and acceptance of individual differences between mothers and fathers. Parents who perceived posttraumatic growth reported to be a stronger person, mainly due to their awareness that they are able to handle together the most difficult events at any time. Conclusions Practical implications derived from these results relate to bereavement care. Professional care for the family before and after the death of the child enhance coping with bereavement. Discontinuation of care may burden families additionally and should be avoided. Professionals working with couples should anticipate differences in experiencing and coping with grief.

Abstract

Hintergrund Der Verlust eines Kindes stellt für Eltern eine enorme Belastung dar. Mütter und Väter versuchen diese Belastung mit den ihnen zur Verfügung stehenden Bewältigungsstrategien zu verarbeiten. Auf der dyadischen Ebene des Elternpaares sind zusätzlich gemeinsame Bewältigungsstrategien von Bedeutung. Der Verlust eines Kindes kann auch als ein traumatisches Ereignis betrachtet werden. In der Traumaforschung wird gegenwärtig untersucht, in welchem Ausmass Personen nach einem traumatischen Ereignis eine posttraumatische Reifung erleben. Fragestellung (1) Wie bewältigen Eltern individuell und als Paar den Tod ihres Kindes und die damit verbundene Trauer? (2) Kommt es bei Eltern im Zusammenhang mit der Trauerbewältigung zu einer posttraumatischen Reifung und wie wird diese wahrgenommen? Methodik Für diese explorative Studie wurden 46 Mütter und Väter (23 Elternpaare) getrennt interviewt. Bei 14 Elternpaaren war das Kind aufgrund einer onkologischen Erkrankung verstorben, bei neun aufgrund einer anderen, nicht-onkologischen Erkrankung (neurodegenerative Erkrankung, Herzerkrankung oder angeborene Immunschwäche). Mit Hilfe eines semi-strukturierten Leitfadeninterviews wurden die Eltern zu den Themen pädiatrische Palliative Care, individuelles und dyadisches Coping sowie zur posttraumatischen Reifung befragt. Ergebnisse Die individuelle Bewältigung der Mütter und Väter beinhaltete eine aktive Trauerbewältigung und eine kognitive Auseinandersetzung mit dem Trauerprozess. Zur aktiven Trauerbewältigung zählte unter anderem die Aufrechterhaltung der Präsenz des Kindes innerhalb der Familie und im sozialen Umfeld. In Bezug auf die dyadische Trauerbewältigung versuchten Eltern, offen über ihre Bedürfnisse zu kommunizieren und eine gegenseitige Akzeptanz der individuellen Trauerbewältigung zu erlangen. Eltern, die eine posttraumatische Reifung wahrnahmen, erlebten sich vor allem als persönlich gestärkt im Bewusstsein darüber, jederzeit eintretende schwerwiegende Ereignisse mit dem Partner zusammen meistern zu können. Schlussfolgerung Aus den Ergebnissen lassen sich praktische Implikationen für die Trauerbegleitung von Familien ableiten. Die professionelle Begleitung vor wie nach dem Tod eines Kindes kann positiv zur Trauerverarbeitung der Eltern beitragen. Abbrüche in der Betreuung können zu zusätzlichen Verletzungen führen und sollten deshalb vermieden werden. Die Unterschiedlichkeit des Trauererlebens von Paaren zu antizipieren, ist eine von vielen Voraussetzungen für eine dyadische Trauerbewältigung. Background Losing a child is one of the most difficult experiences. Mothers and fathers try to deal with the enormous demands depending on their individual coping style. As a couple, they also deal with the loss of their child and their traumatic experiences on a dyadic level. Trauma research is currently examining to what extent individuals experience posttraumatic growth after a traumatic event. Research aims The present study examined individual and dyadic coping strategies of parents experiencing end-of-life and bereavement care and whether some parents perceived personal growth from an attempt to cope with the loss of their child. Study design and methods A qualitative approach was chosen to clarify the question how parents perceived their own situation as caregivers during end-of-life and bereavement care. Parents of children from two groups of diagnoses (N = 46) were interviewed: (a) cancer and (b) other diagnoses, such as neurological or cardiological disorders. Interview questions addressed end-of-life and bereavement care, coping strategies, grief experiences and personal growth. Results Individual coping strategies of mothers and fathers included active mourning practices and cognitive strategies to deal with the loss of their child. As an active coping strategy, parents kept the deceased child present in their family and in their social environment. Results on a dyadic level showed the importance of communicating openly about individual grief reactions and processes. Open communication about grief processes as a dyadic coping strategy enhances parents’ understanding and acceptance of individual differences between mothers and fathers. Parents who perceived posttraumatic growth reported to be a stronger person, mainly due to their awareness that they are able to handle together the most difficult events at any time. Conclusions Practical implications derived from these results relate to bereavement care. Professional care for the family before and after the death of the child enhance coping with bereavement. Discontinuation of care may burden families additionally and should be avoided. Professionals working with couples should anticipate differences in experiencing and coping with grief.

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Additional indexing

Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Hornung Rainer, Landolt Markus A
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2011
Deposited On:24 May 2019 13:21
Last Modified:25 Sep 2019 00:13
Number of Pages:310
OA Status:Green
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=ebi01_prod006862696&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)

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Language: German
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