Header

UZH-Logo

Maintenance Infos

Absentia Lucis : Semantisierungen der Verhüllung in spätmittelalterlichen Nachtdarstellungen der Buchmalerei


Preiswerk, Bettina. Absentia Lucis : Semantisierungen der Verhüllung in spätmittelalterlichen Nachtdarstellungen der Buchmalerei. 2014, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Die Dissertation befasst sich mit den formalen, materiellen, ästhetischen, medialen sowie soziokulturellen Bedingungen und Aspekten früher Nachtdarstellungen, die in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in der burgundisch-französischen Buchmalerei entstanden sind (Très Riches Heures, Le Livre du Coeur d’Amour Epris, Visio Tnugdali, Stundenbuch Engelberts von Nassau u.v.m.).
Die frühen Nachtdarstellungen sind Teil eines grösseren Diskurses über Sehen, Unsichtbarkeit und Visionen in spätmittelalterlichen Bildern und Texten. Die Parallelität von religiöser und ästhetischer Erfahrung kommt anhand der Thematisierung atmosphärischer Dunkelheit in den Nachtbildern sowie in der apophatischen Mystik des Spätmittelalters zum Ausdruck, so die Kernthese der Untersuchung.
Ausgehend der Materialität der frühen Nachtdarstellungen, insbesondere deren Maltechnik, zeigt das vorliegende Projekt Strukturähnlichkeiten zwischen Materialität und der europäischen Ideengeschichte auf. Scharnierstelle dazu bildet der Topos der Materialisierung von Form aus dunklem Grund. Der Diskurs über Sichtbarkeit und Unsichtbares im Spätmittelalter manifestiert sich in der Metaphorik des Schleiers, der sowohl in der theologischen Ästhetik und der Bildtheorie, Materialität, Medialität und Ästhetik der dunklen Bilder thematisiert wird. Die Nachtdarstellungen sind Ausdruck einer gesteigerten Sehkultur an der Schwelle zur Neuzeit, was ex negativo zum Ausdruck kommt, indem sichtbare Formen des „Nichtsehens“ im Bild verhandelt werden. Dadurch wird auf die Konstituierung des Bildes als Medium des Unsichtbaren verwiesen. Durch die Erschaffung des Bildes aus dunklem Grund positioniert sich der Künstler als Vermittler ästhetisch-spiritueller Erfahrungen, was in der Analogisierung von künstlerischem Schaffen und religiöser Erfahrung in den spätmittelalterlichen mystischen Schriften zum Ausdruck kommt. Durch die frühen Nachtdarstellungen reflektieren die frühneuzeitliche Konzeption des Künstlers als technischer Virtuose, „Maleralchemist“ und intellektueller Mediator zwischen Immanenz und Transzendenz. Die Dichotomie von „Kult“ und „Kunst“ gilt es in diesem Projekt zu widerlegen. Die frühen Nachtdarstellungen sind nicht nur Ausdruck einer Ars Nova, sondern vor allem auch einer Ars Sacra.

Abstract

Die Dissertation befasst sich mit den formalen, materiellen, ästhetischen, medialen sowie soziokulturellen Bedingungen und Aspekten früher Nachtdarstellungen, die in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in der burgundisch-französischen Buchmalerei entstanden sind (Très Riches Heures, Le Livre du Coeur d’Amour Epris, Visio Tnugdali, Stundenbuch Engelberts von Nassau u.v.m.).
Die frühen Nachtdarstellungen sind Teil eines grösseren Diskurses über Sehen, Unsichtbarkeit und Visionen in spätmittelalterlichen Bildern und Texten. Die Parallelität von religiöser und ästhetischer Erfahrung kommt anhand der Thematisierung atmosphärischer Dunkelheit in den Nachtbildern sowie in der apophatischen Mystik des Spätmittelalters zum Ausdruck, so die Kernthese der Untersuchung.
Ausgehend der Materialität der frühen Nachtdarstellungen, insbesondere deren Maltechnik, zeigt das vorliegende Projekt Strukturähnlichkeiten zwischen Materialität und der europäischen Ideengeschichte auf. Scharnierstelle dazu bildet der Topos der Materialisierung von Form aus dunklem Grund. Der Diskurs über Sichtbarkeit und Unsichtbares im Spätmittelalter manifestiert sich in der Metaphorik des Schleiers, der sowohl in der theologischen Ästhetik und der Bildtheorie, Materialität, Medialität und Ästhetik der dunklen Bilder thematisiert wird. Die Nachtdarstellungen sind Ausdruck einer gesteigerten Sehkultur an der Schwelle zur Neuzeit, was ex negativo zum Ausdruck kommt, indem sichtbare Formen des „Nichtsehens“ im Bild verhandelt werden. Dadurch wird auf die Konstituierung des Bildes als Medium des Unsichtbaren verwiesen. Durch die Erschaffung des Bildes aus dunklem Grund positioniert sich der Künstler als Vermittler ästhetisch-spiritueller Erfahrungen, was in der Analogisierung von künstlerischem Schaffen und religiöser Erfahrung in den spätmittelalterlichen mystischen Schriften zum Ausdruck kommt. Durch die frühen Nachtdarstellungen reflektieren die frühneuzeitliche Konzeption des Künstlers als technischer Virtuose, „Maleralchemist“ und intellektueller Mediator zwischen Immanenz und Transzendenz. Die Dichotomie von „Kult“ und „Kunst“ gilt es in diesem Projekt zu widerlegen. Die frühen Nachtdarstellungen sind nicht nur Ausdruck einer Ars Nova, sondern vor allem auch einer Ars Sacra.

Statistics

Downloads

21 downloads since deposited on 02 Apr 2019
10 downloads since 12 months
Detailed statistics

Additional indexing

Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Gockel Bettina, Kurmann-Schwarz Brigitte
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2014
Deposited On:02 Apr 2019 15:39
Last Modified:15 Apr 2021 15:01
Number of Pages:274
OA Status:Green

Download

Green Open Access

Download PDF  'Absentia Lucis : Semantisierungen der Verhüllung in spätmittelalterlichen Nachtdarstellungen der Buchmalerei'.
Preview
Content: Published Version
Language: German
Filetype: PDF
Size: 83MB