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Transaktivität in Rückmeldungen : linguistische und soziokognitive Analysen zur Bezugnahme auf andere Texte in Online-Foren


Zimmermann, Tobias Hugo. Transaktivität in Rückmeldungen : linguistische und soziokognitive Analysen zur Bezugnahme auf andere Texte in Online-Foren. 2014, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Zur Lernwirksamkeit von Online-Diskussionsforen liegen seit der Popularisierung des Inter- nets zahlreiche Fallstudien vor, aber nicht viele empirische Daten, die darüber hinausgehen. Als gesichert gilt, dass die Transaktivität, also das Ausmass, in dem die Diskussionspart- ner beim asynchronen schriftlichen Austausch gegenseitig auf ihre Argumente eingehen, mit dem Lernzuwachs korreliert. Das gilt nicht nur für die Empfänger von Feedback, sondern vor allem auch für die Personen, die Feedback geben. Die vorliegende Arbeit untersucht deshalb unter Rückgriff auf soziokognitive Theorien im Anschluss an Piaget und Wygotski, auf die kognitive Linguistik und auf Modelle aus der Schreibprozessforschung nach Erklärungen dafür, weshalb Studierende in schriftlichen Rückmeldungen an Mitstudierende unterschiedlich intensiv auf die Texte ihrer Gegenüber eingehen. Zu diesem Zweck wird ein Kategorienraster weiterentwickelt, das zur Erfassung der Transaktivität von schriftlichen Rückmeldungen dient. Für eine genauere Bestimmung der textuellen Qualitäten der untersuchten Rückmeldungstexte werden zudem ausgewählte Kategorien des Zürcher Textanalyserasters herangezogen. Die anhand dieser beiden Analyseraster vorwiegend durch qualitative Inhaltsanalyse er- mittelten Rückmeldungseigenschaften werden in Beziehung gesetzt zu möglichen Einfluss- grössen der Transaktivität. Dazu gehören lernpsychologische Aspekte wie Lernmotivation, Lernstrategien und schreibbezogenes Selbstkonzept, die subjektive Einschätzung der Lehr- veranstaltung und der Online-Diskussionen, aber auch der Einfluss der Schreibaufträge. Die verschiedenen Konstrukte werden durch Verfahren der quantitativen Datenanalyse miteinander in Beziehung gesetzt, wobei neben traditionell in den Sozialwissenschaften ver- wendeten statistischen Verfahren wie der Korrelationsanalyse oder der multiplen linearen Regression vor allem die nonmetrische multidimensionale Skalierung (NMDS) zum Einsatz kommt – ein Verfahren, das die Ähnlichkeit von Daten graphisch sichtbar macht. Die Resultate zeigen, dass vor allem schreibbezogene Aspekte einen Einfluss auf die Trans- aktivität von schriftlichen Rückmeldungen haben: Auf der individuellen Seite führen Inter- esse am Schreiben und schreibbezogenes Selbstvertrauen zu transaktiveren Rückmeldungen; auf der Ebene der Schreibdidaktik konnte zudem nachgewiesen werden, dass Schreibaufträ- ge für Online-Foren deutlich beeinflussen, wie intensiv Studierende in ihren Rückmeldun- gen aufeinander eingehen. Diese und weitere Ergebnisse legen nahe, der Schreibdidaktik im Rahmen der Hochschuldidaktik künftig eine grössere Rolle zuzuweisen, als dies im deutschen Sprachraum gegenwärtig der Fall ist. Alongside the increasingly common use of the internet, many case studies have been conduc- ted in order to document the learning effectiveness of online discussion platforms. Although empirical data in a more systematic shape is scant all the same, it is widely agreed that transactivity — i.e. the extent to which discussion partners in asynchronous written com- munication respond to each other’s arguments — correlates with learning progress. This holds true not only for the recipients of feedback, but also and particularly for those persons giving it. Against this background, the general objective of this thesis was to identify possible reasons explaining why written student feedback varies so remarkably in the intensity with which it makes reference to peer texts. Drawing on socio-cognitive theories in the tradition of Vygotsky and Piaget, cognitive linguistics and writing process models, an already existing framework of categories was first refined according to the purposes of this study and then utilized to establish the transactivity of written student feedback. Additionally, selected categories of the «Zürcher Textanalyseraster» («Zurich Text Analysis Framework») were included so as to be able to assess the textual qualities of the feedback texts. These two frameworks prepared the ground for the identification of specific characteri- stics of the feedback texts, which was foremost done by way of qualitative content analysis. Thereafter, these characteristics were correlated with potential determining factors of trans- activity. Among them are aspects of learning psychology like learning motivation, learning strategies and the students’ self-concept with respect to writing competence, as well as the subjective evaluation of the course attended and the online discussions, or the impact of writing assignments. In a further step, these constructs were related to each other by employing methods of quantitative data analysis. In doing so, not only traditional procedures of Social Statistics such as correlation analysis or multiple linear regression were applied, but also — and most prominently — nonmetric multidimensional scaling (NMDS), which is a handy means for visualizing the level of data similarity via distance matrices. As the results show, transactivity of written feedback is primarily influenced by aspects which pertain to writing. At the level of the individual, both interest in writing and writing- related self-efficacy proved to foster transactivity of written feedback. As far as the level of instruction is concerned, writing assignments were found to impact considerably on how intensely students respond to each other’s texts. These findings, among others, clearly suggest that the methodology of teaching students how to write should be attached more weight within the domain of higher education teaching than it is presently the case in the German- speaking area.

Abstract

Zur Lernwirksamkeit von Online-Diskussionsforen liegen seit der Popularisierung des Inter- nets zahlreiche Fallstudien vor, aber nicht viele empirische Daten, die darüber hinausgehen. Als gesichert gilt, dass die Transaktivität, also das Ausmass, in dem die Diskussionspart- ner beim asynchronen schriftlichen Austausch gegenseitig auf ihre Argumente eingehen, mit dem Lernzuwachs korreliert. Das gilt nicht nur für die Empfänger von Feedback, sondern vor allem auch für die Personen, die Feedback geben. Die vorliegende Arbeit untersucht deshalb unter Rückgriff auf soziokognitive Theorien im Anschluss an Piaget und Wygotski, auf die kognitive Linguistik und auf Modelle aus der Schreibprozessforschung nach Erklärungen dafür, weshalb Studierende in schriftlichen Rückmeldungen an Mitstudierende unterschiedlich intensiv auf die Texte ihrer Gegenüber eingehen. Zu diesem Zweck wird ein Kategorienraster weiterentwickelt, das zur Erfassung der Transaktivität von schriftlichen Rückmeldungen dient. Für eine genauere Bestimmung der textuellen Qualitäten der untersuchten Rückmeldungstexte werden zudem ausgewählte Kategorien des Zürcher Textanalyserasters herangezogen. Die anhand dieser beiden Analyseraster vorwiegend durch qualitative Inhaltsanalyse er- mittelten Rückmeldungseigenschaften werden in Beziehung gesetzt zu möglichen Einfluss- grössen der Transaktivität. Dazu gehören lernpsychologische Aspekte wie Lernmotivation, Lernstrategien und schreibbezogenes Selbstkonzept, die subjektive Einschätzung der Lehr- veranstaltung und der Online-Diskussionen, aber auch der Einfluss der Schreibaufträge. Die verschiedenen Konstrukte werden durch Verfahren der quantitativen Datenanalyse miteinander in Beziehung gesetzt, wobei neben traditionell in den Sozialwissenschaften ver- wendeten statistischen Verfahren wie der Korrelationsanalyse oder der multiplen linearen Regression vor allem die nonmetrische multidimensionale Skalierung (NMDS) zum Einsatz kommt – ein Verfahren, das die Ähnlichkeit von Daten graphisch sichtbar macht. Die Resultate zeigen, dass vor allem schreibbezogene Aspekte einen Einfluss auf die Trans- aktivität von schriftlichen Rückmeldungen haben: Auf der individuellen Seite führen Inter- esse am Schreiben und schreibbezogenes Selbstvertrauen zu transaktiveren Rückmeldungen; auf der Ebene der Schreibdidaktik konnte zudem nachgewiesen werden, dass Schreibaufträ- ge für Online-Foren deutlich beeinflussen, wie intensiv Studierende in ihren Rückmeldun- gen aufeinander eingehen. Diese und weitere Ergebnisse legen nahe, der Schreibdidaktik im Rahmen der Hochschuldidaktik künftig eine grössere Rolle zuzuweisen, als dies im deutschen Sprachraum gegenwärtig der Fall ist. Alongside the increasingly common use of the internet, many case studies have been conduc- ted in order to document the learning effectiveness of online discussion platforms. Although empirical data in a more systematic shape is scant all the same, it is widely agreed that transactivity — i.e. the extent to which discussion partners in asynchronous written com- munication respond to each other’s arguments — correlates with learning progress. This holds true not only for the recipients of feedback, but also and particularly for those persons giving it. Against this background, the general objective of this thesis was to identify possible reasons explaining why written student feedback varies so remarkably in the intensity with which it makes reference to peer texts. Drawing on socio-cognitive theories in the tradition of Vygotsky and Piaget, cognitive linguistics and writing process models, an already existing framework of categories was first refined according to the purposes of this study and then utilized to establish the transactivity of written student feedback. Additionally, selected categories of the «Zürcher Textanalyseraster» («Zurich Text Analysis Framework») were included so as to be able to assess the textual qualities of the feedback texts. These two frameworks prepared the ground for the identification of specific characteri- stics of the feedback texts, which was foremost done by way of qualitative content analysis. Thereafter, these characteristics were correlated with potential determining factors of trans- activity. Among them are aspects of learning psychology like learning motivation, learning strategies and the students’ self-concept with respect to writing competence, as well as the subjective evaluation of the course attended and the online discussions, or the impact of writing assignments. In a further step, these constructs were related to each other by employing methods of quantitative data analysis. In doing so, not only traditional procedures of Social Statistics such as correlation analysis or multiple linear regression were applied, but also — and most prominently — nonmetric multidimensional scaling (NMDS), which is a handy means for visualizing the level of data similarity via distance matrices. As the results show, transactivity of written feedback is primarily influenced by aspects which pertain to writing. At the level of the individual, both interest in writing and writing- related self-efficacy proved to foster transactivity of written feedback. As far as the level of instruction is concerned, writing assignments were found to impact considerably on how intensely students respond to each other’s texts. These findings, among others, clearly suggest that the methodology of teaching students how to write should be attached more weight within the domain of higher education teaching than it is presently the case in the German- speaking area.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Sieber Peter, Oelkers Jürgen
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2014
Deposited On:03 Apr 2019 15:33
Last Modified:15 Apr 2021 15:01
Number of Pages:280
OA Status:Green

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