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Zwischen Welten : eine narratologische Untersuchung des Werks von Ōba Minako im Kontext der Introvertierten Generation


Tan, Daniela. Zwischen Welten : eine narratologische Untersuchung des Werks von Ōba Minako im Kontext der Introvertierten Generation. 2014, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

In der Dissertation wird der Frage nachgegangen, ob sich das Werk Ōba Minakos in die Literatur der Introvertierten Generation kontextualisieren lässt. Oberflächlich unberührt von politischen Auseinandersetzungen befasst sich der aktuelle japanische Diskurs damit, dass die Introvertierten gerade aufgrund ihrer Schreibweise die problematische seelische Befindlichkeit einer vom Krieg traumatisierten Generation zum Ausdruck bringt. In einem ersten Teil werden narrative Strategien und Mittel dieser Autoren herausgearbeitet. Dazu werden die Ansätze von Genette für die Arbeit mit japanischsprachigen Quellen ergänzt. Zudem wird der Leser in einem aktualisierten Überblick über das 20. Jahrhundert in die Entwicklung der japanischen Literatur bis zur Gegenwart eingeführt. Im Anschluss wird das Werk der Autorin Ōba Minako mit Zuhilfenahme erzähltheoretischer Ansätze analysiert, und abschliessend in Bezug auf die oben erwähnte Fragestellung diskutiert. Das Werk der Autorin Ōba Minako (1930-2007) umfasst zahlreiche Erzählungen, Kurzgeschichten, Essays und Gedichte. Sie ist eine der bedeutendsten japanischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Zwei thematische Schwerpunkte begegnen einem bei der Lektüre ihrer Texte immer wieder: die Auseinandersetzung mit dem eigenen Fremdsein und die Suche nach Ausgewogenheit. Mit 30 Jahren verliess Ōba Japan und lebte mit ihrer Familie für eine Dekade in Alaska. Fasziniert von der Kultur der indigenen Bevölkerung verfasste sie erste literarische Texte, die sie in der Welt der lokalen Legenden ansiedelte. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die frühe Erzählung Higusa („Feuerkraut“, 1969), in der das Überleben zweier Stämme in der wilden Weite Nordamerikas geschildert wird. Die existentielle Erfahrung der eigenen Entwurzelung verstärkte sich zusätzlich durch das Leben in der multikulturellen Gemeinschaft im Norden Amerikas. Die Erzählung Sanbiki no kani („Drei Krabben“, 1968) ist eindrückliches Zeugnis des Aufbruches zur Selbstfindung – als Frau, als Japanerin und als Mensch. Diese Erzählung verhalf Ōba zum literarischen Durchbruch in Japan. Bei der Rückkehr nach Japan 1977 wurde sie damit konfrontiert, dass es die Heimat, die sie als Eigenes stets zu kennen glaubte, nicht gab. Die Erzählung Urashimasō („Die Urashima-Pflanze“, 1977) handelt von einer jungen Frau, die nach vielen Jahren im Ausland nach Japan zurückkommt und dort in der Begegnung mit ihren Verwandten die traumatischen Kriegserfahrungen erneut durchlebt. Die Beschäftigung mit der Geschichte Japans und den verschiedenen Biographien ändern nichts daran, dass die Protagonistin eine Fremde bleibt. Im 2007 postum erschienenen, unvollendeten Text Shichiriko („Der Shichiri-See“, 2007) setzt Ōba inhaltlich dort an, wo Urashimasō geendet hat. 1982 gelang Ōba mit Katachi mo naku („Ohne Form und Gestalt“, 1982) eines ihrer bedeutendsten Werke. In einem losen, traumähnlichen Ablauf wird die verworrene Geschichte eines Paars erzählt. Auf einer weiteren Erzählebene werden Geschichten aus der japanischen Mythologie eingeflochten und somit eine zusätzliche narrative Dimension geschaffen. Der Versuch, eine harmonische Paarbeziehung in einer von Rückhalten und Problemen geprägten Umfeld zu führen wird auf gedanklicher Ebene weitergeführt und in seinen verschiedenen Nuancen geschildert. Dissertation Abstract: ZwischenWelten. (Daniela Tan)
This thesis investigates the question, if the oevre of novelist Ōba Minako can be contextualized in the writings of the Introvert Generation (naikō no sedai). Although these writers seem to be untouched of political controversions on the surface, the current Japanese discourse deals with the issue, that exactly because of their style of writing, these writers are able to express the problematic issues of a generation traumatized by war. In the first part narrative strategies and means of these authors are carved out. Genette's narrative theory is completed with japanese sources and research on narratology. Further, the reader is introduced in the Japanese literature of the 20th and 21st century by an actual overview. Subsequently, Ōba Minako's work is analyzed with on the base of narratological theory, to then be put in relation with the questions mentioned above. Ōba Minako's (1930-2007) oevre covers many novels, short stories, essays and poems. She is one of the most eminent Japanese writers of the 20th century, who adapts among many others two topics that one keeps encountering through all her texts: the issue of one's own being a stranger, and the search for balance. When she was 30 years old, Ōba left Japan and lived in Alaska with her family for a decade. She was fascinated by the culture of the indigene population and started to write, often placing the stories of local legends. The early story Higusa ("Fireweed", 1969) is a good example for this period. The existential experience of one's own uprooting got reinforced by living in the multicultural society of Northern America. In Sanbiki no kani ("Three crabs", 1968) is a reference to the departure for an identification process - as a woman, as a Japanese, and as a human being. It was this novel, that defined Ōba's literary breakthrough in Japan. When she returned to Japan in 1977 she found herself confronted with the fact, that home, as she thought to be knowing whilst being abroad, didn't exist. The protagonist of the narrative Urashimasō ("The Urashima-Plant", 1977) is a young woman, who returns to Japan after many years abroad. While catching up with her relatives in Japan, she is confronted with the traumatic experience of the war past of each one. Although she engages in these memories and biographies, she stays a stranger. In Shichiriko ("Lake Shichiri", 2007), which was published unfinished posthumously, the story of Urashimasō continues. In 1982 Ōba Minako wrote one of her most important works with Katachi mo naku ("Without form or shape", 1982). It is the story of a couple, that is told in an easy and dream-like way, while on a further narrative level stories of the Japanese mythology interlaced with the frame narrative create an additional narrative dimension.

Abstract

In der Dissertation wird der Frage nachgegangen, ob sich das Werk Ōba Minakos in die Literatur der Introvertierten Generation kontextualisieren lässt. Oberflächlich unberührt von politischen Auseinandersetzungen befasst sich der aktuelle japanische Diskurs damit, dass die Introvertierten gerade aufgrund ihrer Schreibweise die problematische seelische Befindlichkeit einer vom Krieg traumatisierten Generation zum Ausdruck bringt. In einem ersten Teil werden narrative Strategien und Mittel dieser Autoren herausgearbeitet. Dazu werden die Ansätze von Genette für die Arbeit mit japanischsprachigen Quellen ergänzt. Zudem wird der Leser in einem aktualisierten Überblick über das 20. Jahrhundert in die Entwicklung der japanischen Literatur bis zur Gegenwart eingeführt. Im Anschluss wird das Werk der Autorin Ōba Minako mit Zuhilfenahme erzähltheoretischer Ansätze analysiert, und abschliessend in Bezug auf die oben erwähnte Fragestellung diskutiert. Das Werk der Autorin Ōba Minako (1930-2007) umfasst zahlreiche Erzählungen, Kurzgeschichten, Essays und Gedichte. Sie ist eine der bedeutendsten japanischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Zwei thematische Schwerpunkte begegnen einem bei der Lektüre ihrer Texte immer wieder: die Auseinandersetzung mit dem eigenen Fremdsein und die Suche nach Ausgewogenheit. Mit 30 Jahren verliess Ōba Japan und lebte mit ihrer Familie für eine Dekade in Alaska. Fasziniert von der Kultur der indigenen Bevölkerung verfasste sie erste literarische Texte, die sie in der Welt der lokalen Legenden ansiedelte. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die frühe Erzählung Higusa („Feuerkraut“, 1969), in der das Überleben zweier Stämme in der wilden Weite Nordamerikas geschildert wird. Die existentielle Erfahrung der eigenen Entwurzelung verstärkte sich zusätzlich durch das Leben in der multikulturellen Gemeinschaft im Norden Amerikas. Die Erzählung Sanbiki no kani („Drei Krabben“, 1968) ist eindrückliches Zeugnis des Aufbruches zur Selbstfindung – als Frau, als Japanerin und als Mensch. Diese Erzählung verhalf Ōba zum literarischen Durchbruch in Japan. Bei der Rückkehr nach Japan 1977 wurde sie damit konfrontiert, dass es die Heimat, die sie als Eigenes stets zu kennen glaubte, nicht gab. Die Erzählung Urashimasō („Die Urashima-Pflanze“, 1977) handelt von einer jungen Frau, die nach vielen Jahren im Ausland nach Japan zurückkommt und dort in der Begegnung mit ihren Verwandten die traumatischen Kriegserfahrungen erneut durchlebt. Die Beschäftigung mit der Geschichte Japans und den verschiedenen Biographien ändern nichts daran, dass die Protagonistin eine Fremde bleibt. Im 2007 postum erschienenen, unvollendeten Text Shichiriko („Der Shichiri-See“, 2007) setzt Ōba inhaltlich dort an, wo Urashimasō geendet hat. 1982 gelang Ōba mit Katachi mo naku („Ohne Form und Gestalt“, 1982) eines ihrer bedeutendsten Werke. In einem losen, traumähnlichen Ablauf wird die verworrene Geschichte eines Paars erzählt. Auf einer weiteren Erzählebene werden Geschichten aus der japanischen Mythologie eingeflochten und somit eine zusätzliche narrative Dimension geschaffen. Der Versuch, eine harmonische Paarbeziehung in einer von Rückhalten und Problemen geprägten Umfeld zu führen wird auf gedanklicher Ebene weitergeführt und in seinen verschiedenen Nuancen geschildert. Dissertation Abstract: ZwischenWelten. (Daniela Tan)
This thesis investigates the question, if the oevre of novelist Ōba Minako can be contextualized in the writings of the Introvert Generation (naikō no sedai). Although these writers seem to be untouched of political controversions on the surface, the current Japanese discourse deals with the issue, that exactly because of their style of writing, these writers are able to express the problematic issues of a generation traumatized by war. In the first part narrative strategies and means of these authors are carved out. Genette's narrative theory is completed with japanese sources and research on narratology. Further, the reader is introduced in the Japanese literature of the 20th and 21st century by an actual overview. Subsequently, Ōba Minako's work is analyzed with on the base of narratological theory, to then be put in relation with the questions mentioned above. Ōba Minako's (1930-2007) oevre covers many novels, short stories, essays and poems. She is one of the most eminent Japanese writers of the 20th century, who adapts among many others two topics that one keeps encountering through all her texts: the issue of one's own being a stranger, and the search for balance. When she was 30 years old, Ōba left Japan and lived in Alaska with her family for a decade. She was fascinated by the culture of the indigene population and started to write, often placing the stories of local legends. The early story Higusa ("Fireweed", 1969) is a good example for this period. The existential experience of one's own uprooting got reinforced by living in the multicultural society of Northern America. In Sanbiki no kani ("Three crabs", 1968) is a reference to the departure for an identification process - as a woman, as a Japanese, and as a human being. It was this novel, that defined Ōba's literary breakthrough in Japan. When she returned to Japan in 1977 she found herself confronted with the fact, that home, as she thought to be knowing whilst being abroad, didn't exist. The protagonist of the narrative Urashimasō ("The Urashima-Plant", 1977) is a young woman, who returns to Japan after many years abroad. While catching up with her relatives in Japan, she is confronted with the traumatic experience of the war past of each one. Although she engages in these memories and biographies, she stays a stranger. In Shichiriko ("Lake Shichiri", 2007), which was published unfinished posthumously, the story of Urashimasō continues. In 1982 Ōba Minako wrote one of her most important works with Katachi mo naku ("Without form or shape", 1982). It is the story of a couple, that is told in an easy and dream-like way, while on a further narrative level stories of the Japanese mythology interlaced with the frame narrative create an additional narrative dimension.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Klopfenstein Eduard, Naumann Barbara
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2014
Deposited On:03 Apr 2019 15:35
Last Modified:25 Sep 2019 00:14
Number of Pages:306
OA Status:Green
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