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Ein einig' Volk von Individualisten? : eine Repertoire-basierte Besprechung fragmentierter Mediennutzung und von Aufmerksamkeitsstrukturen in der Schweizer Bevölkerung


Bächler, Jesse Raymond. Ein einig' Volk von Individualisten? : eine Repertoire-basierte Besprechung fragmentierter Mediennutzung und von Aufmerksamkeitsstrukturen in der Schweizer Bevölkerung. 2015, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

Vor dem Hintergrund der geradezu existenziellen Bedeutung massenmedialer Kommunikation in demokratisch organisierten Gesellschaften ist jede Veränderung des Mediensystems stets mit der Vermutung verbunden, die Gesellschaft würde sich mitverändern. Und obwohl ein vielfältiges Medienangebot eigentlich als Grundlage einer ‚gesunden’ Demokratie gilt, wurden die Folgen des Wandels oft auch sehr skeptisch betrachtet – sowohl bei der Ausweitung des TV-Angebots im Zuge Dualisierung des Rundfunks als auch beim sprunghaften Anstieg des Angebots im World Wide Web. Verschiedene Autoren haben zu verschiedenen Zeiten die Rhetorik einer Fragmentierungsthese verwendet, um auf desintegrative Kräfte einer in abnehmendem Mass ähnlichen Mediennutzung hinzuweisen: Die Aufmerksamkeit des Medienpublikums würde nicht mehr ausreichend gebündelt für Mehrheitsentscheide zu politischen Fragen.
In dieser Studie wird in empirischer Sicht anhand einer für die Schweizer Bevölkerung repräsentativen, quantitativen Befragung sowie einigen vertiefenden Leitfadengesprächen der Frage nachgegangen, welchen Medienangeboten sich das Medienpublikum regelmässig zuwendet (Medienrepertoires) und ob wegen unterschiedlicher Mediennutzungspräferenzen im Alltag (und als Folge davon im politischen Diskurs) unterschiedliche Themen relevant werden.
In theoretischer Sicht wird die bislang ausschliesslich medienzentrisch gestützte Fragmentierungsthese erweitert um interpersonale Kommunikation, also persönliche Gespräche. Es wird argumentiert, dass erstens persönliche Gespräche Mediennutzung als Informationsquelle ersetzen können, und dass zweitens persönliche Gespräche seltener als angenommen nur zwischen Gleichgesinnten stattfinden.
Die Studie schliesst mit einer Re-Evaluierung des Krisen-Status aufgrund des Medienwandels in der Schweiz: Trotz substanzieller Veränderungen des Medienangebots sind die Mediennutzungsmuster ähnlich, finden vielfältige Gespräche über Medien- und politische Themen statt, sind die Aufmerksamkeitsstrukturen stärker regional geprägt als durch Präferenzen für bestimmte Medienangebote. Das Mediennutzungsverhalten wird in öffentlichkeitstheoretischer Sicht mit dem Modell des monitorial citizen verglichen und als (weiterhin) funktional für den demokratischen Diskurs bewertet. Summary
Considering the existential significance of mass mediated communication for democratically organized societies, shifts in the media system potentially also mean societal shifts. And although diversity and media richness are seen as vital for democratic discourse, the consequences of increasing media affordances have oftentimes been viewed as a threat to societal coherence. Various authors have at time used a rhetoric of fragmentation to describe the effects of media abundance – both when the number of available TV channels increased and, most recently, with regards to the World Wide Web: the users’ attention lacked sufficient focus on the same topics for reliable majority decisions on political matters.
Empirically, this study is based on a quantitative survey representative for the Swiss populace and supplemented by illustratory qualitative in-depth interviews. The goal is to delineate which media affordances the users turn to on a regular basis (their media repertoires) and whether, due to those choices, their everyday reasoning revolves around different topics and problems.
Theoretically, this study aims to integrate interpersonal communication into the fragmentation equation. The existing literature treats fragmentation as a solely media-induced phenomenom and the argument is made that conversations need to be accounted for as well.
Finally, the study concludes with a reassessment of the current situation in Switzerland: Despite the fact that media users are faced with radically more media offerings their usage patterns exhibit a great deal of similarity. The topics and problems they view as important are shaped more according to regional factors than to any derived from media content preferences. Overall, it is argued, media usage patterns resemble those described by the model of the monitorial citizen and are thus (still) functional for democratic discourse.

Abstract

Vor dem Hintergrund der geradezu existenziellen Bedeutung massenmedialer Kommunikation in demokratisch organisierten Gesellschaften ist jede Veränderung des Mediensystems stets mit der Vermutung verbunden, die Gesellschaft würde sich mitverändern. Und obwohl ein vielfältiges Medienangebot eigentlich als Grundlage einer ‚gesunden’ Demokratie gilt, wurden die Folgen des Wandels oft auch sehr skeptisch betrachtet – sowohl bei der Ausweitung des TV-Angebots im Zuge Dualisierung des Rundfunks als auch beim sprunghaften Anstieg des Angebots im World Wide Web. Verschiedene Autoren haben zu verschiedenen Zeiten die Rhetorik einer Fragmentierungsthese verwendet, um auf desintegrative Kräfte einer in abnehmendem Mass ähnlichen Mediennutzung hinzuweisen: Die Aufmerksamkeit des Medienpublikums würde nicht mehr ausreichend gebündelt für Mehrheitsentscheide zu politischen Fragen.
In dieser Studie wird in empirischer Sicht anhand einer für die Schweizer Bevölkerung repräsentativen, quantitativen Befragung sowie einigen vertiefenden Leitfadengesprächen der Frage nachgegangen, welchen Medienangeboten sich das Medienpublikum regelmässig zuwendet (Medienrepertoires) und ob wegen unterschiedlicher Mediennutzungspräferenzen im Alltag (und als Folge davon im politischen Diskurs) unterschiedliche Themen relevant werden.
In theoretischer Sicht wird die bislang ausschliesslich medienzentrisch gestützte Fragmentierungsthese erweitert um interpersonale Kommunikation, also persönliche Gespräche. Es wird argumentiert, dass erstens persönliche Gespräche Mediennutzung als Informationsquelle ersetzen können, und dass zweitens persönliche Gespräche seltener als angenommen nur zwischen Gleichgesinnten stattfinden.
Die Studie schliesst mit einer Re-Evaluierung des Krisen-Status aufgrund des Medienwandels in der Schweiz: Trotz substanzieller Veränderungen des Medienangebots sind die Mediennutzungsmuster ähnlich, finden vielfältige Gespräche über Medien- und politische Themen statt, sind die Aufmerksamkeitsstrukturen stärker regional geprägt als durch Präferenzen für bestimmte Medienangebote. Das Mediennutzungsverhalten wird in öffentlichkeitstheoretischer Sicht mit dem Modell des monitorial citizen verglichen und als (weiterhin) funktional für den demokratischen Diskurs bewertet. Summary
Considering the existential significance of mass mediated communication for democratically organized societies, shifts in the media system potentially also mean societal shifts. And although diversity and media richness are seen as vital for democratic discourse, the consequences of increasing media affordances have oftentimes been viewed as a threat to societal coherence. Various authors have at time used a rhetoric of fragmentation to describe the effects of media abundance – both when the number of available TV channels increased and, most recently, with regards to the World Wide Web: the users’ attention lacked sufficient focus on the same topics for reliable majority decisions on political matters.
Empirically, this study is based on a quantitative survey representative for the Swiss populace and supplemented by illustratory qualitative in-depth interviews. The goal is to delineate which media affordances the users turn to on a regular basis (their media repertoires) and whether, due to those choices, their everyday reasoning revolves around different topics and problems.
Theoretically, this study aims to integrate interpersonal communication into the fragmentation equation. The existing literature treats fragmentation as a solely media-induced phenomenom and the argument is made that conversations need to be accounted for as well.
Finally, the study concludes with a reassessment of the current situation in Switzerland: Despite the fact that media users are faced with radically more media offerings their usage patterns exhibit a great deal of similarity. The topics and problems they view as important are shaped more according to regional factors than to any derived from media content preferences. Overall, it is argued, media usage patterns resemble those described by the model of the monitorial citizen and are thus (still) functional for democratic discourse.

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Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Bonfadelli Heinz, Meier Werner A
Communities & Collections:06 Faculty of Arts > Department of Communication and Media Research
UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:700 Arts
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2015
Deposited On:22 Mar 2019 13:44
Last Modified:25 Sep 2019 00:14
Number of Pages:339
OA Status:Green
Related URLs:https://www.recherche-portal.ch/primo-explore/fulldisplay?docid=ebi01_prod010515523&context=L&vid=ZAD&search_scope=default_scope&tab=default_tab&lang=de_DE (Library Catalogue)

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Language: German
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