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Eyeguide : ästhetische Qualitäten für das Design von Web-Interfaces


Emch, Oliver. Eyeguide : ästhetische Qualitäten für das Design von Web-Interfaces. 2015, University of Zurich, Faculty of Arts.

Abstract

In etlichen Studien zur Ästhetik von Benutzerinterfaces wurden Aspekte identifiziert, die das ästhetische Erleben definieren, wie Einfachheit, Vielfalt, Farbigkeit oder Können. Als Instruktionen für eine ästhetische Umsetzung von Interfaces reichen die identifizierten Begriffe aber nicht aus, da sie breite Interpretations- spielräume offen lassen. Aus diesem Anlass wurden zwei Studien durchgeführt, um die designspezi- fischen Elemente sowie deren Qualitäten zu bestimmen, die das ästhetische Urteil von Web-Interfaces determinieren. Die ästhetische Bewertung von Homepages kann innerhalb von Millisekunden vollzogen werden: Eine darum sinnlich (vs. auf Vorwissen basiert) erlebte Ästhetik verweist auf den substanziellen Einfluss visuell auffälliger Aspekte. Zur Bestimmung dieser Elemente wurden in der ersten Studie 20 reale Homepages tachistoskopisch präsentiert. Zudem hatten die Probanden (Webdesigner (Experten) und Laien, Frauen und Männer) in einem Fragebogen 75 Items zu verschiedenen Gestaltungsaspekten einer Homepage bezüglich der ästhetischen Präferenz und Wichtigkeit einzuschätzen. Aus den Resultaten kann gefolgert werden, dass die Aspekte Ordnung, Farbe, Bild und Typografie die zentralen gestaltkonstituierenden sowie ästhetisierenden Elemente von Homepages ausmachen. Bezüglich der ästhetischen Bewertungen zwischen Experten und Laien sowie Frauen und Männern konnten in keinerlei Hinsicht Unter-schiede festgestellt werden. Es macht keinen Sinn isolierte Qualitäten (z.B. rund, rot) als ästhetisch zu bezeichnen. Deshalb muss die ästhetische Bewertung vorrangig auf der Ordnung der Elemente und der Beziehung derer Qualitäten (gleich, ähnlich oder verschieden) basieren. Ausserdem lässt sich ein Grossteil des gebräuchlichen ästhetischen Vokabulars dem Prinzip der «Einheit in der Vielfalt» zuordnen. Das Prinzip geht mit der Aktivierungstheorie von Berlyne einher, die besagt, dass Reize von mittlerer Intensität am angenehmsten empfunden werden – also weder Einheit noch Vielfalt im Höchstmass – was einer Ähnlichkeitsbeziehung entsprechen würde. Um die gefälligsten Qualitäten zu bestimmten, wurden in der zweiten Studie 22 Hypothesen zu Ordnung, Farbe, Bild sowie Typografie formuliert, die primär das Mittelmass beziehungs- weise eine Ähnlichkeitsbeziehung als optimale ästhetische Qualität postulieren. Zur Überprüfung der Hypothesen wurden 45 prototypische Homepages entwickelt, die in einem Online-Paarvergleichsexpe- riment von rund 1000 Probanden beurteilt wurden. Die Resultate zeigen, dass eine mittlere bis hohe Ordnung den gewichtigsten ästhetischen Aspekt einer Homepage ausmacht. Zudem konnte die visuelle Attraktivität des Mittelmasses beziehungsweise der Ähnlichkeitsbeziehung bei Farbe und Bildern nach- gewiesen werden. Hinsichtlich der Typographie werden eine mittlere Textmenge sowie grosse, einheit- liche und gut lesbare Überschriften am attraktivsten beurteilt. Die Ergebnisse stehen als Referenzsystem für das Design von ästhetischen Web-Interfaces zur Verfügung. Many of the studies on the aesthetics of user interfaces have identified aspects such as simplicity, variety, colorfulness or craftsmanship that define the aesthetic experience. These selected terms are nevertheless insufficient as instructions for aesthetic interface implementation as they leave too great a spectrum for interpretation. Against this background, two studies have been conducted to identify the specific design elements – and their qualities – that determine the aesthetic judgment of web interfaces. The aesthetic evaluation of homepages can be undertaken in milliseconds: this sensual-based (as opposed to knowledge-based) experience of aesthetics indicates the substantial impact of eye-catching factors. A first study was carried out in order to identify these aspects, involving the tachistoscopical presentation of 20 real homepages. In addition, the participants (web designers, i.e. experts, and lay people – both men and women) were asked in a questionnaire to evaluate 75 items on various design aspects of a website in terms of aesthetic preference and importance. From the results it can be concluded that order, color, image and typography constitute the central design and aestheticizing elements of homepages. Regarding the aesthetic rating between experts and laypeople and between women and men, no differences could be detected in any respect whatsoever. It makes no sense to designate isolated qualities (e.g. round, red) as aesthetically pleasing. Therefore, the aesthetic evaluation must be based, first-and-foremost, on the order of the elements and the relationship (sameness, similarity or difference) of their qualities. In addition, a large part of the common aesthetic vocabulary can be assigned to the principle of «unity in variety». The principle matches Berlyne's activation theory, which states that the stimuli that are most pleasingly perceived are those of moderate intensity (neither a maximum of unity or variety), which in turn corresponds to a similarity relationship. In order to identify the most pleasing qualities, in a second study 22 hypotheses were formulated concerning order, color, image and typography. These hypotheses primarily postulate mediocrity or a relation of similarity as the optimal aesthetic quality. To test the hypotheses, 45 prototypical homepages were developed and evaluated in an online paired-comparisons experiment with circa 1,000 participants. The results show that a medium to high order constitutes the most important aesthetic aspect of a website. Moreover, the results establish the visual appeal of mediocrity or the similarity relationship of colors and images. In terms of typography, an average amount of text and large, consistent and easy-to- read headlines are judged to be most attractive. The results have been provided as a reference system for the design of aesthetic web interfaces.

Abstract

In etlichen Studien zur Ästhetik von Benutzerinterfaces wurden Aspekte identifiziert, die das ästhetische Erleben definieren, wie Einfachheit, Vielfalt, Farbigkeit oder Können. Als Instruktionen für eine ästhetische Umsetzung von Interfaces reichen die identifizierten Begriffe aber nicht aus, da sie breite Interpretations- spielräume offen lassen. Aus diesem Anlass wurden zwei Studien durchgeführt, um die designspezi- fischen Elemente sowie deren Qualitäten zu bestimmen, die das ästhetische Urteil von Web-Interfaces determinieren. Die ästhetische Bewertung von Homepages kann innerhalb von Millisekunden vollzogen werden: Eine darum sinnlich (vs. auf Vorwissen basiert) erlebte Ästhetik verweist auf den substanziellen Einfluss visuell auffälliger Aspekte. Zur Bestimmung dieser Elemente wurden in der ersten Studie 20 reale Homepages tachistoskopisch präsentiert. Zudem hatten die Probanden (Webdesigner (Experten) und Laien, Frauen und Männer) in einem Fragebogen 75 Items zu verschiedenen Gestaltungsaspekten einer Homepage bezüglich der ästhetischen Präferenz und Wichtigkeit einzuschätzen. Aus den Resultaten kann gefolgert werden, dass die Aspekte Ordnung, Farbe, Bild und Typografie die zentralen gestaltkonstituierenden sowie ästhetisierenden Elemente von Homepages ausmachen. Bezüglich der ästhetischen Bewertungen zwischen Experten und Laien sowie Frauen und Männern konnten in keinerlei Hinsicht Unter-schiede festgestellt werden. Es macht keinen Sinn isolierte Qualitäten (z.B. rund, rot) als ästhetisch zu bezeichnen. Deshalb muss die ästhetische Bewertung vorrangig auf der Ordnung der Elemente und der Beziehung derer Qualitäten (gleich, ähnlich oder verschieden) basieren. Ausserdem lässt sich ein Grossteil des gebräuchlichen ästhetischen Vokabulars dem Prinzip der «Einheit in der Vielfalt» zuordnen. Das Prinzip geht mit der Aktivierungstheorie von Berlyne einher, die besagt, dass Reize von mittlerer Intensität am angenehmsten empfunden werden – also weder Einheit noch Vielfalt im Höchstmass – was einer Ähnlichkeitsbeziehung entsprechen würde. Um die gefälligsten Qualitäten zu bestimmten, wurden in der zweiten Studie 22 Hypothesen zu Ordnung, Farbe, Bild sowie Typografie formuliert, die primär das Mittelmass beziehungs- weise eine Ähnlichkeitsbeziehung als optimale ästhetische Qualität postulieren. Zur Überprüfung der Hypothesen wurden 45 prototypische Homepages entwickelt, die in einem Online-Paarvergleichsexpe- riment von rund 1000 Probanden beurteilt wurden. Die Resultate zeigen, dass eine mittlere bis hohe Ordnung den gewichtigsten ästhetischen Aspekt einer Homepage ausmacht. Zudem konnte die visuelle Attraktivität des Mittelmasses beziehungsweise der Ähnlichkeitsbeziehung bei Farbe und Bildern nach- gewiesen werden. Hinsichtlich der Typographie werden eine mittlere Textmenge sowie grosse, einheit- liche und gut lesbare Überschriften am attraktivsten beurteilt. Die Ergebnisse stehen als Referenzsystem für das Design von ästhetischen Web-Interfaces zur Verfügung. Many of the studies on the aesthetics of user interfaces have identified aspects such as simplicity, variety, colorfulness or craftsmanship that define the aesthetic experience. These selected terms are nevertheless insufficient as instructions for aesthetic interface implementation as they leave too great a spectrum for interpretation. Against this background, two studies have been conducted to identify the specific design elements – and their qualities – that determine the aesthetic judgment of web interfaces. The aesthetic evaluation of homepages can be undertaken in milliseconds: this sensual-based (as opposed to knowledge-based) experience of aesthetics indicates the substantial impact of eye-catching factors. A first study was carried out in order to identify these aspects, involving the tachistoscopical presentation of 20 real homepages. In addition, the participants (web designers, i.e. experts, and lay people – both men and women) were asked in a questionnaire to evaluate 75 items on various design aspects of a website in terms of aesthetic preference and importance. From the results it can be concluded that order, color, image and typography constitute the central design and aestheticizing elements of homepages. Regarding the aesthetic rating between experts and laypeople and between women and men, no differences could be detected in any respect whatsoever. It makes no sense to designate isolated qualities (e.g. round, red) as aesthetically pleasing. Therefore, the aesthetic evaluation must be based, first-and-foremost, on the order of the elements and the relationship (sameness, similarity or difference) of their qualities. In addition, a large part of the common aesthetic vocabulary can be assigned to the principle of «unity in variety». The principle matches Berlyne's activation theory, which states that the stimuli that are most pleasingly perceived are those of moderate intensity (neither a maximum of unity or variety), which in turn corresponds to a similarity relationship. In order to identify the most pleasing qualities, in a second study 22 hypotheses were formulated concerning order, color, image and typography. These hypotheses primarily postulate mediocrity or a relation of similarity as the optimal aesthetic quality. To test the hypotheses, 45 prototypical homepages were developed and evaluated in an online paired-comparisons experiment with circa 1,000 participants. The results show that a medium to high order constitutes the most important aesthetic aspect of a website. Moreover, the results establish the visual appeal of mediocrity or the similarity relationship of colors and images. In terms of typography, an average amount of text and large, consistent and easy-to- read headlines are judged to be most attractive. The results have been provided as a reference system for the design of aesthetic web interfaces.

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Additional indexing

Item Type:Dissertation (monographical)
Referees:Hirsig René, Morger Vinzenz
Communities & Collections:UZH Dissertations
Dewey Decimal Classification:Unspecified
Language:German
Place of Publication:Zürich
Date:2015
Deposited On:22 Mar 2019 15:48
Last Modified:15 Apr 2021 15:02
Number of Pages:176
OA Status:Green

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