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Landschaftsleistungen in Landschaften von nationaler Bedeutung. Forschungsbericht mit Handlungsempfehlungen für Bund, Kantone, Gemeinden, NGOs und Bewirtschaftende. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU


Keller, Roger; Clivaz, Mélanie; Backhaus, Norman; Reynard, Emmanuel (2019). Landschaftsleistungen in Landschaften von nationaler Bedeutung. Forschungsbericht mit Handlungsempfehlungen für Bund, Kantone, Gemeinden, NGOs und Bewirtschaftende. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU. Zürich und Lausanne: Universität Zürich und Université de Lausanne.

Abstract

Der vorliegende Bericht enthält Erkenntnisse des Forschungsprojekts «Landschaftsleistungen in Landschaften von nationaler Bedeutung», das im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU von den Universitäten Zürich und Lausanne durchgeführt wurde. Der Fokus dieses Berichts liegt dabei auf der Erfassung wahrgenommener Landschaftsleistungen in fünf Pilotregionen der Schweiz: Lavaux (VD), Chatzenseen (ZH), Thurgauich-Fürstenländische Kulturlandschaft mit Hudelmoos (TG/SG), Murgtal-Mürtschen (SG/GL) und Pyramiden d'Euseigne (VS). Diese Gebiete sind alle in der Verordnung über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (VBLN; SR1 451.11) verzeichnet.
Eine Begleitgruppe bestehend aus verschiedenen Landschaftsakteuren der fünf Pilotregionen hat ihre Anliegen an das Projekt eingebracht und wertvolle Hinweise zur Schärfung der Untersuchungsfragen und zur Auswahl relevanter Gesprächspartner geliefert.
Im Rahmen von Gesprächen in den fünf Pilotregionen im Sommer 2018 wurden 27 Personen über das Besondere, Typische und Einzigartige der untersuchten Landschaften befragt. Basierend auf diesen Gesprächen und eigenen Beobachtungen wird in diesem Forschungsbericht Auskunft darüber gegeben, welche landschaftlichen Aspekte für das menschliche Wohlbefinden von besonderer Bedeutung sind, wie mit dem Spannungsfeld zwischen Schutz und Nutzung von Landschaften konkret umgegangen werden kann und welcher Bedarf an weiteren Grundlagen für die Landschaftsakteure besteht:
• Lavaux ist eine über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft und trägt seit 2007 das Label «UNESCO-Welterbe». Heute gibt es ein Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der Weinbauern nach zeitgemässer Bewirtschaftung und Weiterentwicklung der Rebberge (inkl. baulicher Massnahmen) und dem Bedürfnis nach Bewahrung des bestehenden Zustandes durch Gäste aus nah und fern. Bei der jetzigen Form des Tourismus im Lavaux wird von verschiedenen Gesprächspartnern kritisiert, dass die Landschaft bloss als Kulisse dient und zu wenig über die jahrhundertelange Entstehungsgeschichte und die laufende Pflege der Kulturlandschaft kommuniziert wird.
• Die Chatzenseen sind ein mehrfach geschütztes Gebiet (Landschaft, Lebensräume, Arten etc.) am Rand der Stadt Zürich. Gleichzeitig sind die Chatzenseen ein äusserst attraktives Naherholungsgebiet, welches von Badenden, Velofahrenden und Spaziergängern an sonnigen Wochenenden sehr stark frequentiert wird. Diesem Nutzungsdruck
wird mit einem Rangerdienst begegnet. Zudem wird gefordert, weitere Erholungsräume (inner- und ausserhalb der Siedlungen) zu planen, um den Nutzungsdruck zu mindern.
• Die Thurgauisch-Fürstenländische Kulturlandschaft mit Hudelmoos besteht aus einer Kulturlandschaft, die von Hochstammobstgärten auf ehemaligen Walbäckern und Hecken geprägt ist. Sie befindet sich auf einem Plateau mit schöner Aussicht auf Bodensee und Alpsteingebiet. Angrenzend an das Kulturland befindet sich das Moorgebiet
Hudelmoos, welches bis 1950 für den Torfabbau genutzt wurde und seit einigen Jahren mit Unterstützung der lokal verankerten Mooskorporationen und Bürgergemeinden regeneriert wird.
• Das Gebiet Murgtal-Mürtschen besteht aus dem mit einer Strasse erschlossenen Burgtal, an dessen Kopf sich drei Bergseen befinden, von denen zwei von Sportfischern genutzt werden. Das angrenzende Mürtschental ist nur durch Wanderwege erschlossen und wird durch eine Mutterkuhhaltung im Alpbetrieb bewirtschaftet. Das Mürtschental
wird als sehr abgelegen und wild beschrieben, während das Burgtal stärker frequentiert wird.
• Der Perimeter des Gebiets Pyramides d'Euseigne umfasst viel mehr als die durch einen kurzen Tunnel durchschnittenen Gesteinsformationen. Bis anhin gibt es kaum attraktive Möglichkeiten, die Pyramiden und die frühere Ausdehnung der Moränen aus der Nähe zu bewundern, weil keine Fussgänger neben der Strasse vorgesehen sind. Der Kanton plant nun eine Umfahrung, damit die bisherige Strasse genutzt werden
kann, um attraktive Zugänge und Informationen zu den Pyramiden zu ermöglichen.
Befragte aus allen fünf Pilotregionen haben Bedarf an stärkerer Aktivierung der lokalen Bevölkerung für die Besonderheiten der untersuchten Landschaften geäussert. Zudem besteht ein Bedürfnis, mehr Grundlagen im Umgang mit Landschaftsleistungen zur Verfügung zu haben. Dieser Bericht enthält Handlungsempfehlungen für die praktische Anwendung: Es werden rund ein Dutzend Massnahmen aus den Bereichen Kommunikation und
Dialog, Zusammenarbeit zwischen Landschaftsakteuren und Unterstützung durch Bund und Kantone vorgeschlagen, z.B. Dialogprozesse mit der lokalen Bevölkerung durchführen, Landschaftsleistungen fassbarer machen, Besuchende direkt ansprechen. Das Projekt ist bewusst sehr stark auf spezifische Fragestellungen der Biodiversitäts- und Landschaftspolitik ausgerichtet: Ähnliche Fragestellungen stellen sich auch für andere Politikbereiche (z.B. Waldpolitik, Landwirtschaft) und entsprechend wäre es wünschenswert, wenn die
Resultate dieses Projekts auf weitere Akteurskreise ausgeweitet werden könnten.

Abstract

Der vorliegende Bericht enthält Erkenntnisse des Forschungsprojekts «Landschaftsleistungen in Landschaften von nationaler Bedeutung», das im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU von den Universitäten Zürich und Lausanne durchgeführt wurde. Der Fokus dieses Berichts liegt dabei auf der Erfassung wahrgenommener Landschaftsleistungen in fünf Pilotregionen der Schweiz: Lavaux (VD), Chatzenseen (ZH), Thurgauich-Fürstenländische Kulturlandschaft mit Hudelmoos (TG/SG), Murgtal-Mürtschen (SG/GL) und Pyramiden d'Euseigne (VS). Diese Gebiete sind alle in der Verordnung über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (VBLN; SR1 451.11) verzeichnet.
Eine Begleitgruppe bestehend aus verschiedenen Landschaftsakteuren der fünf Pilotregionen hat ihre Anliegen an das Projekt eingebracht und wertvolle Hinweise zur Schärfung der Untersuchungsfragen und zur Auswahl relevanter Gesprächspartner geliefert.
Im Rahmen von Gesprächen in den fünf Pilotregionen im Sommer 2018 wurden 27 Personen über das Besondere, Typische und Einzigartige der untersuchten Landschaften befragt. Basierend auf diesen Gesprächen und eigenen Beobachtungen wird in diesem Forschungsbericht Auskunft darüber gegeben, welche landschaftlichen Aspekte für das menschliche Wohlbefinden von besonderer Bedeutung sind, wie mit dem Spannungsfeld zwischen Schutz und Nutzung von Landschaften konkret umgegangen werden kann und welcher Bedarf an weiteren Grundlagen für die Landschaftsakteure besteht:
• Lavaux ist eine über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft und trägt seit 2007 das Label «UNESCO-Welterbe». Heute gibt es ein Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der Weinbauern nach zeitgemässer Bewirtschaftung und Weiterentwicklung der Rebberge (inkl. baulicher Massnahmen) und dem Bedürfnis nach Bewahrung des bestehenden Zustandes durch Gäste aus nah und fern. Bei der jetzigen Form des Tourismus im Lavaux wird von verschiedenen Gesprächspartnern kritisiert, dass die Landschaft bloss als Kulisse dient und zu wenig über die jahrhundertelange Entstehungsgeschichte und die laufende Pflege der Kulturlandschaft kommuniziert wird.
• Die Chatzenseen sind ein mehrfach geschütztes Gebiet (Landschaft, Lebensräume, Arten etc.) am Rand der Stadt Zürich. Gleichzeitig sind die Chatzenseen ein äusserst attraktives Naherholungsgebiet, welches von Badenden, Velofahrenden und Spaziergängern an sonnigen Wochenenden sehr stark frequentiert wird. Diesem Nutzungsdruck
wird mit einem Rangerdienst begegnet. Zudem wird gefordert, weitere Erholungsräume (inner- und ausserhalb der Siedlungen) zu planen, um den Nutzungsdruck zu mindern.
• Die Thurgauisch-Fürstenländische Kulturlandschaft mit Hudelmoos besteht aus einer Kulturlandschaft, die von Hochstammobstgärten auf ehemaligen Walbäckern und Hecken geprägt ist. Sie befindet sich auf einem Plateau mit schöner Aussicht auf Bodensee und Alpsteingebiet. Angrenzend an das Kulturland befindet sich das Moorgebiet
Hudelmoos, welches bis 1950 für den Torfabbau genutzt wurde und seit einigen Jahren mit Unterstützung der lokal verankerten Mooskorporationen und Bürgergemeinden regeneriert wird.
• Das Gebiet Murgtal-Mürtschen besteht aus dem mit einer Strasse erschlossenen Burgtal, an dessen Kopf sich drei Bergseen befinden, von denen zwei von Sportfischern genutzt werden. Das angrenzende Mürtschental ist nur durch Wanderwege erschlossen und wird durch eine Mutterkuhhaltung im Alpbetrieb bewirtschaftet. Das Mürtschental
wird als sehr abgelegen und wild beschrieben, während das Burgtal stärker frequentiert wird.
• Der Perimeter des Gebiets Pyramides d'Euseigne umfasst viel mehr als die durch einen kurzen Tunnel durchschnittenen Gesteinsformationen. Bis anhin gibt es kaum attraktive Möglichkeiten, die Pyramiden und die frühere Ausdehnung der Moränen aus der Nähe zu bewundern, weil keine Fussgänger neben der Strasse vorgesehen sind. Der Kanton plant nun eine Umfahrung, damit die bisherige Strasse genutzt werden
kann, um attraktive Zugänge und Informationen zu den Pyramiden zu ermöglichen.
Befragte aus allen fünf Pilotregionen haben Bedarf an stärkerer Aktivierung der lokalen Bevölkerung für die Besonderheiten der untersuchten Landschaften geäussert. Zudem besteht ein Bedürfnis, mehr Grundlagen im Umgang mit Landschaftsleistungen zur Verfügung zu haben. Dieser Bericht enthält Handlungsempfehlungen für die praktische Anwendung: Es werden rund ein Dutzend Massnahmen aus den Bereichen Kommunikation und
Dialog, Zusammenarbeit zwischen Landschaftsakteuren und Unterstützung durch Bund und Kantone vorgeschlagen, z.B. Dialogprozesse mit der lokalen Bevölkerung durchführen, Landschaftsleistungen fassbarer machen, Besuchende direkt ansprechen. Das Projekt ist bewusst sehr stark auf spezifische Fragestellungen der Biodiversitäts- und Landschaftspolitik ausgerichtet: Ähnliche Fragestellungen stellen sich auch für andere Politikbereiche (z.B. Waldpolitik, Landwirtschaft) und entsprechend wäre es wünschenswert, wenn die
Resultate dieses Projekts auf weitere Akteurskreise ausgeweitet werden könnten.

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Other titles:Prestations paysagères dans les paysages d’importance nationale. Rapport de recherche et recommandations à l’intention de la Confédération, des cantons, communes, ONG et acteurs économiques.
Item Type:Published Research Report
Communities & Collections:07 Faculty of Science > Institute of Geography
Dewey Decimal Classification:910 Geography & travel
Language:German
Date:2019
Deposited On:19 Jun 2019 15:25
Last Modified:25 Jun 2019 06:49
Publisher:Universität Zürich und Université de Lausanne
Number of Pages:81
OA Status:Green
Free access at:Official URL. An embargo period may apply.
Official URL:https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/landschaft/externe-studien-berichte/landschaftsleistungen-in-landschaften-von-nationaler-bedeutung.pdf.download.pdf/Bericht_Landschaftsleistungen_BLN.pdf

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